# Alice im Wunderland

_Lewis Carroll_ · 15 min read · ages 6-11

Alice folgt einem weißen Kaninchen in einen tiefen Bau, wächst und schrumpft im Wunderland und steht zuletzt vor Herzkönig und Herzkönigin. Als Alice sagt, sie seien nichts als ein Kartenspiel, stürzen die Karten auf sie herab, und sie erwacht am Ufer im Schoß ihrer Schwester und erzählt ihr den merkwürdigen Traum.

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An einem heißen Sommernachmittag saß Alice neben ihrer Schwester am Ufer und langweilte sich. Die Schwester las ein Buch ohne Bilder und ohne Gespräche, und die Hitze machte Alice ganz schläfrig.

Da huschte ein weißes Kaninchen mit rosa Augen an ihr vorbei. „Oje, oje! Ich komme zu spät!“, murmelte es, zog eine Uhr aus der Westentasche, warf einen Blick darauf und rannte weiter.

Ein Kaninchen mit Westentasche und Uhr! Voller Neugier lief Alice ihm nach, und als es unter der Hecke in einem Kaninchenbau verschwand, sprang sie hinterher, ohne auch nur einmal daran zu denken, wie sie je wieder herauskommen sollte.

Der Bau fiel steil ab wie ein tiefer Brunnen. Alice fiel so langsam, dass sie unterwegs beinahe einschlief. Plumps! Da landete sie auf einem Haufen trockener Blätter.

Vor ihr lag eine lange, niedrige Halle mit Türen ringsum, doch alle waren verschlossen. Auf einem Tisch aus Glas lag ein winziger goldener Schlüssel. Hinter einem Vorhang fand Alice ein Türchen, kaum vierzig Zentimeter hoch, und da passte der Schlüssel!

Sie kniete sich hin und sah durch einen schmalen Gang in den schönsten Garten, den man sich denken kann, voller bunter Blumenbeete und kühler Springbrunnen. Aber nicht einmal ihr Kopf passte durch die Tür.

Als sie zum Tisch zurückging, stand dort auf einmal ein Fläschchen mit einem Zettel: TRINK MICH. „Gift“ stand nicht darauf, also trank Alice es aus. Sie schrumpfte, bis sie nur noch so groß wie ein Lineal war. Doch den Schlüssel hatte sie oben auf dem Tisch liegen lassen, und die gläsernen Tischbeine waren zu glatt zum Klettern. Da setzte sie sich hin und weinte.

Unter dem Tisch fand sie einen kleinen Kuchen, auf dem mit Rosinen ISS MICH geschrieben stand. Sie aß ihn auf und wuchs und wuchs, bis ihr Kopf an die Decke stieß.

„Das wird ja immer seltsamer!“, rief sie. Nun konnte sie zwar den Schlüssel nehmen, aber auf der Seite liegend gerade noch mit einem Auge in den Garten spähen. Da weinte sie wieder, so viele Tränen, dass sich um sie herum ein Teich bildete.

Das Weiße Kaninchen kam vorbei, erschrak vor ihr und ließ Handschuhe und Fächer fallen. Alice fächelte sich Luft zu und grübelte: „Bin ich heute Nacht eine andere geworden? Und wenn ja, wer bin ich dann?“

Vier mal fünf war auf einmal zwölf, und London die Hauptstadt von Paris. „Dann bin ich bestimmt Mabel geworden“, dachte sie erschrocken, denn Mabel wusste fast gar nichts. Sogar ihr Gedicht kam ganz verkehrt heraus:

Wie pflegt das kleine Krokodil  
den Schwanz, so blank und fein,  
und schöpft sich Wasser aus dem Nil  
und wäscht die Schuppen rein!

„Das sind nicht die richtigen Worte“, sagte die arme Alice, und wieder kamen ihr die Tränen. „Ich bin so allein hier unten!“

Da merkte sie, dass sie beim Reden einen der kleinen Handschuhe angezogen hatte. Sie schrumpfte also wieder, und schuld war der Fächer! Schnell ließ sie ihn fallen, bevor sie ganz verschwand. Da rutschte sie aus, und platsch! schwamm sie im Teich aus ihren eigenen Tränen und wäre beinahe darin ertrunken.

Neben ihr schwamm eine Maus, und bald kamen eine Ente, ein Dodo, ein Papagei und viele andere Tiere dazu. Alle kletterten triefend ans Ufer und liefen im Kreis um die Wette. Doch als Alice erzählte, wie gut ihre Katze Dinah Mäuse und Vögel fange, liefen alle erschrocken davon.

Da kam das Kaninchen zurück. „Marianne, was machst du denn hier draußen?“, schimpfte es. „Lauf sofort nach Hause und hol mir Handschuhe und einen Fächer!“ Es hielt Alice für sein Hausmädchen, und sie lief verdattert los.

Im Haus mit dem Messingschild W. KANINCHEN fand sie oben ein Fläschchen ohne Zettel. „Immer wenn ich hier etwas esse oder trinke, passiert etwas“, dachte Alice und trank. Sie wuchs, bis ein Arm zum Fenster hinausragte und ein Fuß im Kamin steckte. „Was soll bloß aus mir werden?“, seufzte sie.

Draußen wollte das Kaninchen durchs Fenster klettern. Alice griff mit ihrer Riesenhand in die Luft, und es plumpste mit lautem Klirren in ein Frühbeet. Dann schickten die Tiere die kleine Eidechse Bill durch den Schornstein. Als Alice ihn über sich kratzen hörte, gab sie einen kräftigen Tritt, und Bill sauste hinaus wie eine Rakete.

Zuletzt prasselten Kieselsteine durchs Fenster und wurden auf dem Boden zu kleinen Kuchen. „Größer kann mich so ein Kuchen nicht mehr machen“, überlegte Alice, „also muss er mich kleiner machen.“ Sie aß einen, schrumpfte sofort, lief an den Tieren vorbei zur Tür hinaus und rettete sich in den Wald.

„Zuerst brauche ich wieder meine richtige Größe“, sagte sie sich, „und dann muss ich in den Garten.“ Nur wusste sie nicht, wie. Nach einem Abenteuer mit einem riesigen Welpen stand sie vor einem großen Pilz, und oben saß eine blaue Raupe mit verschränkten Armen und rauchte eine lange Wasserpfeife.

„Wer bist du?“, fragte die Raupe.

„Ich weiß es selbst nicht so genau“, antwortete Alice schüchtern. „Heute früh wusste ich es noch, aber seitdem habe ich mich so oft verwandelt.“

Die Raupe ließ sie ein Gedicht aufsagen, und auch das geriet ganz durcheinander:

Du bist alt, Vater Wilhelm, dein Haar ist schon grau,  
und du stehst auf dem Kopf. Ist das schlau?

Schließlich kroch die Raupe ins Gras und sagte nur noch: „Die eine Seite macht dich größer, die andere macht dich kleiner.“

„Die eine Seite wovon?“, dachte Alice.

„Vom Pilz“, sagte die Raupe und war verschwunden.

Alice brach von jeder Seite des Pilzes ein Stück ab. Mal schrumpfte sie, bis ihr Kinn an die Füße stieß, mal schoss ihr Hals über die Baumwipfel, und eine Taube hielt sie für eine Schlange. Sie knabberte mal hier, mal da, bis sie endlich wieder ihre gewohnte Größe hatte, und die beiden Pilzstücke steckte sie gut ein.

Bald kam sie an ein kleines Haus. Sie aß ein wenig vom Pilz, bis sie klein genug war, und ging hinein. In der Küche voller Pfeffer niesten alle: die Herzogin und das Baby auf ihrem Schoß. Nur die Köchin am Suppenkessel nieste nicht, und auch nicht die große Katze vor dem Herd, die von einem Ohr zum anderen grinste.

„Warum grinst Ihre Katze so?“, fragte Alice.

„Das ist eine Grinsekatze“, sagte die Herzogin, „darum.“

Plötzlich warf die Köchin mit Töpfen und Tellern nach der Herzogin und dem Baby. Die Herzogin kümmerte sich nicht darum. Sie schüttelte das Baby heftig und sang ihm dabei ein grobes Wiegenlied:

Sprich grob mit deinem kleinen Kind  
und schlag es, wenn es niest!  
Es tut das ja nur, weil es weiß,  
wie sehr dich das verdrießt.

Dann warf sie das Baby Alice zu und eilte davon, um sich für das Krocket bei der Königin fertig zu machen.

Alice trug das Kind hinaus. „Wenn ich es dalasse, bringen die es noch um“, dachte sie. Doch das Kind grunzte. Seine Nase sah immer mehr wie ein Rüssel aus, und bald war es ganz eindeutig ein Ferkel. Alice setzte es ab, und es trottete gemütlich in den Wald.

Auf einem Ast saß die Grinsekatze. „Kannst du mir bitte sagen, welchen Weg ich von hier aus nehmen soll?“, fragte Alice.

„Das hängt sehr davon ab, wo du hinwillst“, sagte die Katze.

„Das ist mir eigentlich egal.“

„Dann ist es auch egal, welchen Weg du nimmst“, sagte die Katze. „Dort drüben wohnt ein Hutmacher und dort ein Märzhase. Besuch, wen du willst. Verrückt sind beide.“

„Aber ich will nicht zu Verrückten!“

„Da kann man nichts machen. Wir sind hier alle verrückt, sonst wärst du nicht hier. Wir sehen uns beim Krocket der Königin.“ Damit verschwand die Katze, tauchte aber gleich wieder auf. „Was ist eigentlich aus dem Baby geworden?“

„Es ist ein Schwein geworden“, sagte Alice.

„Dachte ich mir“, sagte die Katze. Diesmal verschwand sie ganz langsam, erst die Schwanzspitze und zuletzt das Grinsen, das noch eine Weile in der Luft hing.

„Eine Katze ohne Grinsen habe ich schon oft gesehen“, dachte Alice, „aber ein Grinsen ohne Katze!“

Vor dem Haus des Märzhasen tranken der Märzhase und der Hutmacher an einem langen Tisch Tee, und zwischen ihnen schlief eine Haselmaus. „Kein Platz! Kein Platz!“, riefen die beiden, als Alice kam.

„Hier ist doch massenhaft Platz!“, sagte Alice und setzte sich.

„Warum ist ein Rabe wie ein Schreibtisch?“, fragte der Hutmacher.

Alice gab bald auf. „Was ist die Lösung?“

„Ich habe nicht die leiseste Ahnung“, sagte der Hutmacher.

„Dann vertrödelt ihr ja nur die Zeit mit Rätseln ohne Lösung“, seufzte Alice.

„Mit der Zeit habe ich mich zerstritten“, sagte der Hutmacher traurig. „Letzten März, beim großen Konzert der Herzkönigin, musste ich singen:

Funkel, funkel, Fledermaus,  
wie siehst du nur da droben aus?

Du fliegst so hoch am Himmelszelt  
wie ein Teetablett über der Welt.

Ich war kaum mit der ersten Strophe fertig, da brüllte die Königin: ‚Der schlägt ja die Zeit tot! Kopf ab!‘ Seitdem tut die Zeit nichts mehr, worum ich sie bitte. Es ist immer sechs Uhr, immer Teezeit, und zum Abwaschen bleibt nie Zeit. Also rücken wir einfach einen Platz weiter.“

Die Haselmaus erzählte eine wirre Geschichte von drei Schwestern in einem Sirupbrunnen, und die beiden anderen wurden immer unhöflicher. Da stand Alice empört auf und ging. „Das war die dümmste Teegesellschaft meines Lebens!“, sagte sie.

Gleich darauf sah sie einen Baum mit einer Tür darin, ging hindurch und stand wieder in der langen Halle. „Diesmal mache ich es richtig“, sagte sie sich. Zuerst nahm sie den goldenen Schlüssel und schloss das Türchen auf. Dann knabberte sie an ihrem Pilzstück, bis sie ungefähr dreißig Zentimeter groß war. Endlich ging sie in den wunderschönen Garten.

Gleich am Eingang malten drei Gärtner, flach und rechteckig wie Spielkarten, einen weißen Rosenstrauch rot an. „Hier sollte ein roter stehen“, flüsterte einer. „Wenn die Königin merkt, dass wir aus Versehen einen weißen gepflanzt haben, lässt sie uns köpfen.“ Da kam schon der ganze Hofstaat heran, und die drei warfen sich flach aufs Gesicht.

Zuletzt kamen der Herzkönig und die Herzkönigin. „Wie heißt du, Kind?“, fragte die Königin streng.

„Ich heiße Alice, Majestät“, sagte Alice höflich. Bei sich aber dachte sie: „Das sind ja bloß Spielkarten. Vor denen brauche ich keine Angst zu haben.“

„Und wer sind die da?“, fragte die Königin.

„Woher soll ich das wissen?“, sagte Alice. „Das geht mich nichts an.“

Die Königin wurde puterrot vor Wut. „Kopf ab!“, kreischte sie. „Kopf …“

„Unsinn!“, sagte Alice laut und bestimmt, und die Königin verstummte.

Doch dann sah die Königin die Rosen und befahl, die Gärtner zu köpfen. Alice versteckte die drei schnell in einem großen Blumentopf, und die Soldaten suchten vergeblich.

Beim Krocket waren die Schläger lebende Flamingos und die Kugeln lebende Igel, und die Soldaten mussten sich bücken und die Tore bilden. Alle spielten durcheinander, und die Königin schrie ungefähr jede Minute: „Kopf ab!“

Da erschien in der Luft ein Grinsen, dann ein ganzer Kopf: die Grinsekatze. Der König wollte sie loswerden, und die Königin rief: „Kopf ab!“ Doch der Henker weigerte sich. Einen Kopf ohne Körper, sagte er, könne man nicht abschlagen. Man holte die Herzogin, der die Katze gehörte, aber bis sie kam, war der Kopf verblasst.

Die Herzogin hakte sich bei Alice unter und war ganz freundlich. „Vielleicht war es nur der Pfeffer, der sie so böse gemacht hat“, dachte Alice. Doch als die Königin mit finsterer Miene vor ihnen stand, war die Herzogin im Nu verschwunden.

Das Spiel ging weiter, und die Königin verurteilte einen Spieler nach dem anderen, bis nur noch der König, die Königin und Alice frei waren. Doch im Weggehen hörte Alice den König leise sagen: „Ihr seid alle begnadigt.“

Die Königin schickte Alice mit einem Greif zur Falschen Suppenschildkröte. Kaum war die Königin weg, kicherte der Greif: „Die lässt ja nie jemanden hinrichten, das bildet sie sich bloß ein!“

„Früher war ich eine echte Schildkröte“, schluchzte die Falsche Suppenschildkröte auf ihrem Felsen und erzählte von ihrer Schule im Meer. Dann tanzte sie mit dem Greif die Hummer-Quadrille um Alice herum und sang dazu:

Willst du, willst du nicht, kommst du mit zum Tanz?  
Willst du, willst du nicht, willst du nicht zum Tanz?

Zum Schluss sang sie noch, halb erstickt vor Schluchzen:

Schöne Suppe, grün und dick,  
heiß in der Terrine, welch ein Glück!

Abendsuppe, schöne Suppe,  
schö-höne Su-huppe!

Da rief jemand in der Ferne: „Der Prozess beginnt!“ Der Greif packte Alice an der Hand und rannte los, und hinter ihnen klang es mit dem Wind immer leiser:

Abendsuppe, schöne Suppe,  
schö-höne Su-huppe!

Im Gerichtssaal saßen der König und die Königin auf dem Thron. Vor ihnen stand der Herzbube in Ketten, daneben eine Platte mit Törtchen. Zwölf Tiere saßen als Geschworene da, unter ihnen die Eidechse Bill. Das Weiße Kaninchen blies in die Trompete und las die Anklage vor:

Die Herzkönigin buk Törtchen  
an einem Sommertag;  
der Herzbube stahl die Törtchen,  
bis keins mehr auf dem Tische lag.

Der erste Zeuge war der Hutmacher, mit einer Teetasse in der Hand. Als die Königin die Liste der Sänger vom letzten Konzert verlangte, zitterte er so sehr, dass ihm die Schuhe von den Füßen fielen, und er machte, dass er aus dem Saal kam.

Genau da spürte Alice etwas Seltsames: Sie begann zu wachsen, ganz von selbst, ohne etwas gegessen oder getrunken zu haben. Als Nächstes sagte die Köchin der Herzogin aus, Törtchen seien hauptsächlich aus Pfeffer. Dann rief das Weiße Kaninchen mit seiner hohen Stimme: „Alice!“

„Hier!“, rief Alice und sprang so schnell auf, dass sie mit dem Rock die Geschworenenbank umwarf. Hastig setzte sie alle wieder hin, Bill aus Versehen mit dem Kopf nach unten.

Der König las aus seinem Notizbuch vor: „Regel zweiundvierzig: Alle Personen, die größer als eine Meile sind, haben den Saal zu verlassen.“

„Das ist keine richtige Regel“, sagte Alice. „Die haben Sie gerade erfunden.“

„Es ist die älteste Regel im Buch“, sagte der König.

„Dann müsste sie Nummer eins sein“, sagte Alice, und der König klappte erbleichend sein Buch zu.

Nun brachte das Weiße Kaninchen ein Blatt mit Versen, ohne Unterschrift. „Das macht es nur noch schlimmer“, sagte der König. „Ein ehrlicher Mann hätte unterschrieben. Fang am Anfang an, lies bis zum Ende, und dann hör auf.“ Und das Kaninchen las:

Sie sagten mir, du warst bei ihr  
und sprachst mit ihm von mir.  
Sie lobte mich, doch meinte sie,  
ich schwimme wie ein Stück Papier.

„Da ist kein Funken Sinn drin!“, sagte Alice, die inzwischen so groß war, dass sie keine Angst mehr hatte.

„Erst die Strafe, dann das Urteil!“, rief die Königin.

„So ein Unsinn!“, sagte Alice laut. „Erst die Strafe, was für eine Idee!“

„Halt den Mund!“, schrie die Königin und lief dunkelrot an.

„Nein!“, sagte Alice.

„Kopf ab!“, brüllte die Königin, so laut sie konnte. Aber niemand rührte sich.

„Wer hat denn Angst vor euch?“, sagte Alice, die jetzt wieder ihre volle Größe hatte. „Ihr seid ja nichts weiter als ein Kartenspiel!“

Da flog das ganze Kartenspiel in die Luft und stürzte auf sie herab. Alice schrie auf und wollte die Karten abwehren. Da lag sie am Ufer, den Kopf im Schoß ihrer Schwester, die ihr sanft ein paar welke Blätter aus dem Gesicht strich.

„Wach auf, liebe Alice!“, sagte die Schwester. „Du hast aber lange geschlafen!“

„Oh, ich hatte so einen merkwürdigen Traum!“, sagte Alice und erzählte ihr alles.

Die Schwester gab ihr einen Kuss und schickte sie zum Tee, weil es schon spät war. Alice rannte davon und dachte dabei, was für ein wunderbarer Traum es gewesen war.

Die Schwester aber blieb sitzen, sah in die untergehende Sonne und begann selbst ein wenig zu träumen. Das Gras raschelte, als das Weiße Kaninchen vorbeieilte, Teetassen klapperten, die Königin kreischte, der Greif schrie, und von fern schluchzte die Falsche Suppenschildkröte.

Sie wusste, dass sie nur die Augen öffnen musste, und alles wäre wieder gewöhnlich. Das Rascheln wäre nur der Wind im Gras, die Teetassen würden zu Schafglocken, die Königin zum Hirtenjungen und das Schluchzen zum Muhen der Kühe.

Zuletzt stellte sie sich vor, wie ihre kleine Schwester einmal eine erwachsene Frau sein und sich dabei ihr einfaches, liebevolles Kinderherz bewahren würde. Wie sie selbst Kinder um sich versammeln und ihnen mit wundersamen Geschichten die Augen zum Leuchten bringen würde, vielleicht sogar mit dem Traum vom Wunderland. Und wie sie dabei an ihre eigene Kindheit und die glücklichen Sommertage denken würde.

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- Wikidata: https://www.wikidata.org/wiki/Q92640
- Source: Alice's Adventures in Wonderland, Lewis Carroll (Macmillan and Co., London, 1866) (https://en.wikisource.org/wiki/Alice%27s_Adventures_in_Wonderland_(1866))
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