# Der Wolf und die sieben jungen Geißlein

_Brüder Grimm_ · 4 min read · ages 4-9

Eine alte Geiß warnt ihre sieben Kinder vor dem Wolf, doch der redet sich mit verstellter Stimme ins Haus und frisst sechs von ihnen. Die Mutter findet ihn schlafend, holt die sechs heil heraus und näht ihm Steine in den Bauch, die ihn am Brunnen ins Wasser ziehen, während die sieben Geißlein vor Freude tanzen.

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Es war einmal eine alte Geiß, die hatte sieben junge Geißlein und liebte sie von Herzen. Eines Tages wollte sie im Wald Futter holen. Sie rief alle sieben zusammen und sagte: „Liebe Kinder, nehmt euch vor dem Wolf in Acht! Wenn er hereinkommt, frisst er euch alle mit Haut und Haar. Er verstellt sich gern, aber an seiner rauen Stimme und seinen schwarzen Pfoten erkennt ihr ihn sofort.“

„Wir passen schon auf, liebe Mutter“, sagten die Geißlein. „Du kannst ohne Sorge gehen.“

Bald darauf klopfte jemand an die Haustür und rief: „Macht auf, ihr lieben Kinder, eure Mutter ist da und hat jedem von euch etwas mitgebracht.“

Aber die Geißlein hörten die raue Stimme. „Wir machen nicht auf!“, riefen sie. „Unsere Mutter hat eine feine, freundliche Stimme, deine aber ist rau. Du bist der Wolf!“

Da kaufte der Wolf beim Krämer ein großes Stück Kreide und aß sie, damit seine Stimme fein wurde. Dann klopfte er wieder an und rief: „Macht auf, ihr lieben Kinder, eure Mutter ist da und hat jedem von euch etwas mitgebracht.“

Doch er hatte seine schwarze Pfote ans Fenster gelegt, und die Kinder riefen: „Wir machen nicht auf! Unsere Mutter hat keinen schwarzen Fuß. Du bist der Wolf!“

Da ließ sich der Wolf beim Bäcker Teig auf die Pfote streichen und zwang den Müller, weißes Mehl darüberzustreuen.

Zum dritten Mal klopfte er an und rief: „Macht auf, ihr lieben Kinder, eure Mutter ist da und hat jedem von euch etwas mitgebracht.“

„Zeig uns erst deine Pfote“, riefen die Geißlein. Er legte sie ans Fenster, und als die Kinder sahen, dass sie weiß war, öffneten sie die Tür. Herein aber kam der Wolf.

Die Geißlein erschraken und versteckten sich: das erste unter den Tisch, das zweite ins Bett, das dritte in den Ofen, das vierte in die Küche, das fünfte in den Schrank, das sechste unter die Waschschüssel, das siebte in den Kasten der Wanduhr. Doch der Wolf fand sie alle und verschlang eines nach dem anderen. Nur das jüngste in der Uhr fand er nicht. Dann trollte er sich davon und schlief draußen unter einem Baum ein.

Nicht lange danach kam die alte Geiß heim. Die Haustür stand offen, drinnen lag alles durcheinander. Sie rief ihre Kinder bei Namen, doch niemand antwortete. Erst beim jüngsten meldete sich ein feines Stimmchen: „Liebe Mutter, ich stecke im Uhrkasten!“

Sie holte es heraus, und als sie hörte, was geschehen war, weinte sie um ihre armen Kinder.

Sie ging hinaus, und das jüngste Geißlein lief mit. Auf der Wiese lag der Wolf und schnarchte, dass die Äste zitterten. In seinem vollen Bauch regte sich etwas. „Sollten meine Kinder noch am Leben sein?“, dachte sie und schickte das Geißlein nach Schere, Nadel und Zwirn. Vorsichtig öffnete sie dem schlafenden Wolf den Bauch, und nacheinander sprangen alle sechs heraus, heil und munter, denn er hatte sie ganz hinuntergeschluckt. Das war eine Freude!

„Nun sucht große Steine“, sagte die Alte. „Damit füllen wir ihm den Bauch, solange er schläft.“

Die Geißlein schleppten Steine herbei, die Mutter nähte sie ihm in den Bauch, ohne dass er etwas merkte.

Als er ausgeschlafen hatte, bekam er von den Steinen großen Durst und machte sich zum Brunnen auf. Bei jedem Schritt rumpelten die Steine in seinem Bauch. Da rief er:

Was rumpelt und pumpelt  
in meinem Bauch herum?  
Ich dachte, es wären sechs Geißlein,  
und es sind lauter Wackerstein.

Als er sich am Brunnen über das Wasser beugte, zogen ihn die schweren Steine hinab, und er kam nicht wieder herauf. Da liefen die sieben Geißlein herbei und riefen: „Der Wolf ist tot! Der Wolf ist tot!“ Und sie tanzten mit ihrer Mutter vor Freude um den Brunnen herum.

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- Read online: https://talerie.com/de/maerchen/der-wolf-und-die-sieben-jungen-geisslein
- Source: Kinder- und Hausmärchen, 7. Auflage (1857) (https://de.wikisource.org/wiki/Der_Wolf_und_die_sieben_jungen_Geislein_(1857))
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