# Die Arche Noah

_Retold by Talerie (talerie.com) from Lutherbibel 1912_ · 11 min read · ages 5+

Gott schickt eine Sintflut über die verdorbene Erde, und nur Noah überlebt mit seiner Familie und den Tieren in der Arche, bis eine Taube ein Olivenblatt bringt. Danach schließt Gott mit Noah und allen Lebewesen einen Bund und setzt als Zeichen, dass nie wieder eine Sintflut kommt, den Regenbogen in die Wolken.

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Als sich die Menschen auf der Erde vermehrten und ihnen Töchter geboren wurden, sahen die Söhne Gottes, wie schön die Töchter der Menschen waren. Sie nahmen sich zu Frauen, welche sie wollten.

Da sagte Gott: „Die Menschen wollen sich von meinem Geist nicht mehr zurechtweisen lassen, denn sie sind nur Fleisch und Blut. Ich gebe ihnen noch eine Frist von hundertzwanzig Jahren.“

In jenen Tagen lebten Riesen auf der Erde, und auch später noch, als die Söhne Gottes zu den Töchtern der Menschen gingen und diese ihnen Kinder gebaren. Aus diesen Kindern wurden die Helden der alten Zeit, berühmte Männer.

Gott aber sah, dass die Bosheit der Menschen auf der Erde groß war. Alles, was sie in ihrem Herzen dachten und planten, war böse, Tag für Tag und immerzu. Da tat es ihm leid, dass er die Menschen gemacht hatte, und es schmerzte ihn tief im Herzen.

„Ich will die Menschen, die ich gemacht habe, von der Erde auslöschen“, sagte er, „die Menschen und das Vieh, alles, was kriecht, und die Vögel unter dem Himmel. Denn es tut mir leid, dass ich sie gemacht habe.“

Nur Noah fand Gnade vor Gott.

Dies ist die Geschichte von Noah und seiner Familie. Unter den Menschen seiner Zeit war Noah fromm und ohne Tadel, und er lebte so, wie es Gott gefiel. Er hatte drei Söhne: Sem, Ham und Jafet.

Die Erde aber war in Gottes Augen verdorben und voller Gewalt. Gott sah auf die Erde, und sie war verdorben, denn alle Lebewesen auf ihr waren vom rechten Weg abgekommen.

Da sagte Gott zu Noah: „Ich habe beschlossen, allen Lebewesen ein Ende zu machen, denn durch sie ist die Erde voller Gewalt. Ich will sie zusammen mit der Erde vernichten.“

„Bau dir eine Arche aus Holz“, sagte er. „Mach Kammern darin und bestreich sie innen und außen mit Pech. Dreihundert Ellen soll sie lang sein, fünfzig Ellen breit und dreißig Ellen hoch. Unter dem Dach soll ein Fenster sein, eine Elle hoch, und mitten in der Seitenwand eine Tür. Die Arche soll drei Stockwerke haben: eines unten, eines in der Mitte und eines oben.“

„Denn ich will eine Sintflut über die Erde kommen lassen“, sagte er weiter, „um alles zu vernichten, was unter dem Himmel lebt und atmet. Alles, was auf der Erde ist, soll untergehen. Mit dir aber will ich einen Bund schließen. Du sollst in die Arche gehen, mit deinen Söhnen, deiner Frau und den Frauen deiner Söhne.“

„Und von allen Tieren sollst du je ein Paar in die Arche bringen, ein Männchen und ein Weibchen, damit sie bei dir am Leben bleiben. Von den Vögeln jeder Art, vom Vieh jeder Art und von allem, was auf der Erde kriecht, soll je ein Paar zu dir kommen, damit sie leben. Nimm dir auch von allem, was man essen kann, und leg einen Vorrat an, damit ihr zu essen habt, du und die Tiere.“

Und Noah tat alles, was Gott ihm befohlen hatte.

Später sagte Gott zu Noah: „Geh in die Arche, du und deine ganze Familie. Denn unter den Menschen dieser Zeit habe ich dich gerecht gefunden. Von allen reinen Tieren nimm je sieben zu dir, immer ein Männchen und sein Weibchen, von den unreinen Tieren aber je ein Paar. Auch von den Vögeln unter dem Himmel nimm je sieben, Männchen und Weibchen, damit ihre Nachkommen auf der ganzen Erde am Leben bleiben.“

„Denn in sieben Tagen will ich es regnen lassen“, sagte Gott, „vierzig Tage und vierzig Nächte lang. Und alles, was ich gemacht habe und was lebt, will ich von der Erde auslöschen.“

Und Noah tat alles, was Gott ihm befohlen hatte.

Noah war sechshundert Jahre alt, als das Wasser der Sintflut über die Erde kam. Um sich vor dem Wasser zu retten, ging er in die Arche, mit seinen Söhnen, seiner Frau und den Frauen seiner Söhne. Von den reinen und den unreinen Tieren, von den Vögeln und von allem, was auf der Erde kriecht, kamen immer zwei und zwei zu ihm in die Arche, ein Männchen und ein Weibchen, so wie Gott es Noah befohlen hatte.

Als die sieben Tage vorüber waren, kam die Sintflut über die Erde. Es war im sechshundertsten Lebensjahr Noahs, am siebzehnten Tag des zweiten Monats. An diesem Tag brachen alle Quellen tief unter der Erde auf, und die Schleusen des Himmels öffneten sich. Vierzig Tage und vierzig Nächte lang regnete es auf die Erde.

Noch an demselben Tag ging Noah in die Arche, mit Sem, Ham und Jafet, seinen Söhnen, mit seiner Frau und den drei Frauen seiner Söhne. Mit ihnen kamen die Tiere, jedes nach seiner Art: die wilden Tiere und das Vieh, alles, was auf der Erde kriecht, und alle Vögel, alles, was Flügel hatte und fliegen konnte.

Immer zwei und zwei gingen sie zu Noah in die Arche, alles, was Atem und Leben in sich trug. Männchen und Weibchen kamen, wie Gott es Noah befohlen hatte. Und Gott schloss hinter ihm die Tür.

Vierzig Tage lang kam die Flut über die Erde. Das Wasser stieg, hob die Arche an und trug sie empor, weit über das Land. Immer mächtiger schwoll es an, und die Arche trieb auf dem Wasser dahin. Es stieg so hoch, dass alle hohen Berge unter dem ganzen Himmel bedeckt waren. Fünfzehn Ellen hoch stand das Wasser über den Gipfeln.

Da starb alles, was sich auf der Erde regte: die Vögel, das Vieh, die wilden Tiere, alles, was auf der Erde kroch, und alle Menschen. Alles, was auf dem trockenen Land lebte und atmete, kam um.

So wurde alles ausgelöscht, was auf der Erde war, die Menschen, das Vieh, das kriechende Getier und die Vögel unter dem Himmel. Alles wurde von der Erde vertilgt. Nur Noah blieb übrig und alle, die mit ihm in der Arche waren.

Hundertfünfzig Tage lang stand das Wasser über der Erde.

Da dachte Gott an Noah und an alle Tiere und alles Vieh, das bei ihm in der Arche war. Er ließ einen Wind über die Erde wehen, und das Wasser sank. Die Quellen in der Tiefe und die Schleusen des Himmels schlossen sich, und der Regen hörte auf. Nach und nach lief das Wasser von der Erde ab, und nach hundertfünfzig Tagen hatte es abgenommen.

Am siebzehnten Tag des siebten Monats setzte die Arche auf dem Gebirge Ararat auf. Das Wasser ging immer weiter zurück, bis zum zehnten Monat. Am ersten Tag des zehnten Monats tauchten die Gipfel der Berge aus dem Wasser auf.

Nach vierzig Tagen öffnete Noah das Fenster, das er in die Arche gebaut hatte, und ließ einen Raben hinausfliegen. Der Rabe flog hin und her, immer wieder, bis das Wasser auf der Erde ausgetrocknet war.

Danach ließ Noah eine Taube fliegen, denn er wollte wissen, ob das Wasser auf der Erde gesunken war. Doch die Taube fand keine Stelle, wo sie sich niederlassen konnte, weil das Wasser noch über der ganzen Erde stand. So kam sie zu ihm in die Arche zurück. Noah streckte die Hand hinaus, nahm die Taube und holte sie zu sich herein.

Er wartete noch sieben Tage. Dann ließ er die Taube wieder aus der Arche fliegen. Am Abend kam sie zu ihm zurück, und im Schnabel trug sie ein frisches Olivenblatt, eben erst abgepflückt. Da wusste Noah, dass das Wasser auf der Erde gesunken war.

Noch einmal wartete er sieben Tage und ließ die Taube fliegen. Diesmal kam sie nicht mehr zu ihm zurück.

Als Noah sechshundertundein Jahre alt war, am ersten Tag des ersten Monats, war das Wasser auf der Erde ausgetrocknet. Noah nahm das Dach von der Arche, schaute hinaus und sah, dass der Boden trocken war. Am siebenundzwanzigsten Tag des zweiten Monats war die Erde ganz trocken.

Nun sagte Gott zu Noah: „Geh aus der Arche, du und deine Frau, deine Söhne und die Frauen deiner Söhne. Bring alle Tiere mit hinaus, die bei dir sind, die Vögel, das Vieh und alles, was auf der Erde kriecht. Sie sollen sich auf der Erde ausbreiten, fruchtbar sein und sich vermehren.“

So ging Noah hinaus, mit seinen Söhnen, seiner Frau und den Frauen seiner Söhne. Auch alle Tiere verließen die Arche, die wilden Tiere, alles, was kriecht, und alle Vögel, alles, was sich auf der Erde regt, jede Art für sich.

Dann baute Noah Gott einen Altar. Er nahm einige von allen reinen Tieren und allen reinen Vögeln und verbrannte sie als Opfer auf dem Altar.

Gott roch den lieblichen Duft und sagte sich: „Nie wieder will ich wegen der Menschen die Erde verfluchen, denn was der Mensch in seinem Herzen denkt und plant, ist böse von Jugend an. Nie wieder will ich alles, was lebt, vernichten, wie ich es getan habe. Solange die Erde besteht, sollen Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht nicht aufhören.“

Und Gott segnete Noah und seine Söhne und sagte zu ihnen: „Seid fruchtbar, vermehrt euch und füllt die Erde. Alle Tiere auf der Erde sollen sich vor euch fürchten, alle Vögel unter dem Himmel, alles, was auf dem Boden kriecht, und alle Fische im Meer. Ich gebe sie in eure Hände.“

„Alles, was sich regt und lebt“, sagte Gott, „soll eure Nahrung sein. Wie ich euch die grünen Pflanzen gegeben habe, so gebe ich euch nun das alles. Nur Fleisch, in dem noch sein Blut und damit sein Leben ist, sollt ihr nicht essen.“

„Und für euer Blut, für euer Leben, fordere ich Rechenschaft“, sagte er, „von jedem Tier und von jedem Menschen. Für das Leben eines Menschen fordere ich Rechenschaft von jedem, denn jeder ist der Bruder des anderen. Wer das Blut eines Menschen vergießt, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden, denn Gott hat den Menschen nach seinem Bild gemacht. Ihr aber, seid fruchtbar und vermehrt euch, breitet euch auf der Erde aus, damit ihr viele werdet.“

Dann sagte Gott zu Noah und seinen Söhnen: „Ich schließe einen Bund mit euch und mit euren Nachkommen nach euch und mit allen Tieren, die bei euch sind, mit den Vögeln, dem Vieh und allen wilden Tieren der Erde, mit allem, was aus der Arche gekommen ist. Das ist mein Bund mit euch: Nie wieder sollen alle Lebewesen im Wasser einer Sintflut umkommen, und nie wieder soll eine Sintflut kommen und die Erde verderben.“

Und Gott sagte: „Das ist das Zeichen des Bundes, den ich für alle Zeiten zwischen mir und euch und allen Lebewesen bei euch schließe: Ich setze meinen Regenbogen in die Wolken. Er soll das Zeichen des Bundes zwischen mir und der Erde sein. Wenn ich Wolken über die Erde führe, wird man den Regenbogen in den Wolken sehen.“

„Dann will ich an meinen Bund denken, an den Bund zwischen mir und euch und allen Lebewesen“, sagte Gott, „und nie wieder soll das Wasser zu einer Sintflut werden, die alles Leben vernichtet. Darum soll der Regenbogen in den Wolken stehen. Wenn ich ihn ansehe, will ich an den ewigen Bund denken, den Gott mit allen Lebewesen auf der Erde geschlossen hat.“

Und Gott sagte zu Noah: „Das ist das Zeichen des Bundes, den ich zwischen mir und allem Leben auf der Erde geschlossen habe.“

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## About this tale

„Die Arche Noah“ gehört nicht zu den Märchen, sondern zur Bibel: Die Geschichte findet sich in der Genesis, Kapitel 6 bis 9. Die Genesis ist das erste Buch der Bibel; die Lutherbibel nennt sie „Das 1. Buch Mose“. Einen Verfasser nennt der Text nicht. Wir haben die Geschichte aus der Lutherbibel von 1912 neu erzählt.

Wo Luther vom „Kasten von Tannenholz“ und von Gottes „Bogen“ spricht, schreiben wir in heutigem Deutsch Arche und Regenbogen. Die Seite bietet zwei Fassungen, und beide sind von uns: „Sanfter“ setzt bei der Bosheit der Menschen ein, „Original“ ist länger und erzählt auch von den Söhnen Gottes und den Riesen.

> Ich habe meinen Regenbogen in die Wolken gesetzt.
>
> 1. Mose 9,13, Lutherbibel 1912: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.

### Lutherbibel 1912 und unsere Nacherzählung

|  | Lutherbibel 1912 | Unsere Nacherzählung |
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| Das Schiff | „einen Kasten von Tannenholz“ | „eine Arche aus Holz“ |
| Gottes Name | „der HERR“ und „Gott“ | immer „Gott“ |
| Noahs Söhne | Sem, Ham und Japheth | Sem, Ham und Jafet |
| Was die Taube bringt | „ein Ölblatt“ | „ein frisches Olivenblatt“ |
| Das Zeichen | „Meinen Bogen“ | „meinen Regenbogen“ |
| Kapitel 6,1–4 | Kinder Gottes, „Tyrannen“ | nur in „Original“, dort „Riesen“ |
| Kapitel 9,2–7 | Fleisch als Speise, Blut, Menschenblut | nur in „Original“ |

### Was in unserer Nacherzählung geschieht

Gott sieht, wie böse die Menschen geworden sind, und will sie von der Erde auslöschen. Nur Noah findet er gerecht. Noah baut eine Arche aus Holz, dreihundert Ellen lang, und geht mit seiner Frau, seinen Söhnen Sem, Ham und Jafet und deren Frauen hinein. Von allen Tieren kommt je ein Paar mit, von den reinen Tieren und den Vögeln je sieben. Es regnet vierzig Tage und vierzig Nächte, hundertfünfzig Tage lang steht das Wasser über der Erde, und im siebten Monat setzt die Arche auf dem Gebirge Ararat auf. Noah lässt einen Raben fliegen und dreimal eine Taube; beim zweiten Mal bringt sie ein Olivenblatt zurück, beim dritten Mal bleibt sie fort. Nach Noahs Opfer verspricht Gott, keine Sintflut mehr zu schicken, und setzt den Regenbogen als Zeichen in die Wolken. Eine Jahreszahl gibt es in der Geschichte nicht, nur Noahs Alter: Er ist sechshundert Jahre alt. Seine Frau und die Frauen seiner Söhne bleiben ohne Namen.

Auch die sanftere Fassung verschweigt nicht, dass alle Menschen und Tiere außerhalb der Arche sterben. Sie sagt es einmal, in einem schlichten Satz, und erzählt dann weiter von der Rettung bis zu Gottes Versprechen.

### Ein Paar oder sieben, und was danach kommt

Bei Luther finden sich zwei Angaben: zuerst „je ein Paar, Männlein und Weiblein“, später vom reinen Vieh und von den Vögeln „je sieben und sieben“. So erzählen es auch unsere beiden Fassungen. Einzelne Tierarten zählt der Text nicht auf; mit Namen kommen nur der Rabe und die Taube vor.

In der Bibel geht das 9. Kapitel nach dem Regenbogen weiter und erzählt von Noahs späterem Leben. Unsere Nacherzählung hört mit dem Bund und seinem Zeichen auf.

Sources (claims checked against them on 2026-10-30):
- Das 1. Buch Mose (Genesis), Lutherbibel 1912, 1. Mose 6,1–9,17; eBible.org, Ausgabe deu1912, gemeinfrei [our source] (https://ebible.org/Scriptures/deu1912_readaloud.zip)
- Wikidata Q5532837 (https://www.wikidata.org/wiki/Q5532837)

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- Also known as: Die Sintflut
- Version: longer, more faithful retelling; the gentler retelling: https://talerie.com/de/maerchen/die-arche-noah.md
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- Wikidata: https://www.wikidata.org/wiki/Q5532837
- Source: Lutherbibel 1912 (eBible.org deu1912): 1. Mose 6–9,17 (https://ebible.org/Scriptures/deu1912_readaloud.zip)
- Public-domain basis: Talerie contemporary retelling (CC0 2026), based on: Lutherbibel 1912 (eBible.org deu1912): 1. Mose 6–9,17 — EU anonymous-work rule (+70 passed); translator Martin Luther died 1546 (+70 passed); revision published anonymously 1912 (+70 passed)
- License: CC0-1.0 (https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/)
