# Die Legende von Sleepy Hollow

_Retold by Talerie (talerie.com) from The Sketch-Book of Geoffrey Crayon, after Washington Irving_ · 15 min read · ages 7+

Der Schulmeister Ichabod Crane wirbt um Katrina Van Tassel und wird nach einem Fest von einem kopflosen Reiter bis zur Kirchenbrücke gejagt. Am Bach findet man Ichabods Hut neben einem zerschmetterten Kürbis, Brom Bones heiratet Katrina, und die alten Bäuerinnen behaupten, Geister hätten den Schulmeister entführt.

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Am Ostufer des Hudson, nicht weit vom Städtchen Tarry Town, lag zwischen hohen Hügeln ein kleines Tal, einer der stillsten Orte der Welt. Ein Bach murmelte hindurch, und außer dem Pfiff einer Wachtel war kaum ein Laut zu hören. Darum hieß das Tal Sleepy Hollow. Über der ganzen Gegend lag etwas Verträumtes wie ein Zauber, und jeder Winkel hatte seine Spukgeschichte.

Der mächtigste Geist von allen aber war eine Gestalt zu Pferde, die keinen Kopf hatte. Man sagte, es sei ein hessischer Reiter, dem im Krieg eine Kanonenkugel den Kopf weggerissen habe. Begraben lag der Reiter auf dem Kirchhof, doch jede Nacht ritt er hinaus, um seinen Kopf zu suchen, und jagte wie ein Sturmwind zurück, weil er vor dem Morgengrauen wieder im Grab sein musste. An jedem Herdfeuer erzählte man vom kopflosen Reiter von Sleepy Hollow.

In diesem Tal lebte vor vielen Jahren ein Schulmeister aus Connecticut namens Ichabod Crane. Er war lang und dürr, seine Hände baumelten weit aus den Ärmeln, und seine Füße waren so groß wie Schaufeln. Sein kleiner Kopf mit den riesigen Ohren und der langen spitzen Nase saß auf einem dünnen Hals wie eine Wetterfahne. Man hätte ihn leicht für eine Vogelscheuche halten können, die aus dem Maisfeld davongelaufen war.

Seine Schule war ein niedriges Blockhaus am Bach. Viel verdiente Ichabod nicht, und dabei aß er für drei. Darum wohnte er reihum bei den Bauern, jeweils eine Woche lang, und half ihnen beim Heumachen und Holzhacken. Außerdem war er der Gesangslehrer der Gegend, und sonntags übertönte seine näselnde Stimme die ganze Gemeinde.

So schlau Ichabod im Kleinen war, so leichtgläubig war er im Großen. Er hatte Cotton Mathers Buch über die Hexerei in Neuengland gelesen und glaubte jedes Wort darin. Am liebsten saß er an Winterabenden bei den alten holländischen Bäuerinnen, die am Feuer spannen und von Gespenstern, Spukbrücken und vor allem vom kopflosen Reiter erzählten, den sie auch den galoppierenden Hessen nannten.

Für das wohlige Gruseln bezahlte er auf dem Heimweg teuer. Jeder verschneite Busch sah aus wie ein Gespenst, vor seinen eigenen Schritten erschrak er, und wenn der Wind durch die Bäume heulte, meinte er, der galoppierende Hesse sei unterwegs. Dann half nur eines: Er sang laut und näselnd Psalmen, um die bösen Geister zu vertreiben, und die Leute hörten seine Melodien schaudernd durch die Dunkelheit wehen.

Mit dem Tageslicht verflogen alle diese Schrecken. Ichabod hätte ein ganz vergnügtes Leben führen können, wäre ihm nicht etwas begegnet, das einen Mann mehr verwirrt als alle Geister zusammen: ein Mädchen.

Unter seinen Gesangsschülern war Katrina Van Tassel, die einzige Tochter eines reichen holländischen Bauern. Sie war achtzehn, rotwangig wie die Pfirsiche ihres Vaters und berühmt nicht nur für ihre Schönheit, sondern auch für das große Erbe, das sie einmal bekommen sollte. Ein wenig kokett war sie auch.

Um Ichabod war es geschehen, als er den Hof ihres Vaters sah. Der alte Baltus Van Tassel war ein zufriedener, großzügiger Mann, und auf seinem Hof am Hudson war alles reich und wohlbestellt. Auf dem Dach der riesigen Scheune gurrten Tauben, und in den Ställen grunzten fette Schweine.

Dem Schulmeister lief das Wasser im Mund zusammen. In Gedanken sah er jedes Ferkel schon gebraten, mit einem Apfel im Maul, und die Tauben in einer Pastete. Und als er die Felder und Obstgärten sah, wuchs seine Sehnsucht nach dem Mädchen, das all das einmal erben würde. Schon malte er sich aus, wie er den Hof zu Geld machen und dafür Land in der Wildnis kaufen würde. Er sah Katrina mit einer Schar Kinder oben auf einem Wagen voller Hausrat sitzen, und er selbst ritt voran, nach Kentucky, nach Tennessee oder Gott weiß wohin.

Leicht war die Sache nicht, denn um Katrina warben viele Burschen. Der gefährlichste von ihnen war Abraham Van Brunt, ein breitschultriger Kerl mit schwarzen Locken, der Held der ganzen Gegend. Weil er so kräftig gebaut war, nannte man ihn Brom Bones. Er ritt wie kein Zweiter, und mit seinen Kumpanen war er zu jedem Streich bereit.

Seit einiger Zeit hatte Brom ein Auge auf Katrina geworfen, und es hieß, sie mache ihm Hoffnung. Stand sein Pferd am Sonntagabend am Zaun der Van Tassels, gingen alle anderen Verehrer lieber vorbei.

Ichabod aber war wie eine Weidenrute: Er bog sich, doch er brach nie. Offen gegen Brom anzutreten wäre Wahnsinn gewesen, also warb er still. Als Gesangslehrer kam er oft auf den Hof, und die Eltern ließen ihn gewähren. Der alte Van Tassel ließ seiner Tochter in allem ihren Willen, und seine Frau hatte mit dem Geflügel genug zu tun. So saß Ichabod oft mit Katrina an der Quelle unter der großen Ulme.

Von da an stand Broms Pferd sonntags nicht mehr am Zaun, und zwischen den beiden Nebenbuhlern wuchs eine tiefe Feindschaft. Brom hätte die Sache am liebsten mit den Fäusten ausgetragen, doch Ichabod hütete sich, ihm dazu Gelegenheit zu geben. Also blieben Brom nur seine Streiche.

Mit seinen Kumpanen verstopfte er den Schornstein der Schule, sodass die Gesangsstunde im Rauch erstickte. Nachts brachen sie ein und stellten alles auf den Kopf, bis der arme Ichabod glaubte, sämtliche Hexen der Gegend hielten dort ihre Versammlungen ab. Vor Katrina machte Brom ihn lächerlich, wo er nur konnte. Er brachte sogar seinem Hund bei, auf die albernste Weise zu jaulen, und stellte ihn als neuen Gesangslehrer vor.

An einem schönen Herbstnachmittag kam ein junger Bote auf einem struppigen Fohlen an die Schultür geritten und lud Ichabod für den Abend zu einem Fest bei den Van Tassels ein. Eine Stunde früher als sonst stürmten die Kinder johlend ins Freie.

Rasch bürstete Ichabod seinen einzigen schwarzen Anzug aus und kämmte sich vor einer Spiegelscherbe. Weil er wie ein echter Kavalier erscheinen wollte, lieh er sich bei Hans Van Ripper, dem jähzornigen alten Bauern, bei dem er gerade wohnte, ein Pferd und dazu Van Rippers Sonntagssattel. Das Pferd hieß Gunpowder, das heißt Schießpulver. Es war ein alter, magerer Ackergaul, auf einem Auge blind, doch im anderen funkelte noch immer der Teufel.

Ichabod passte gut zu diesem Pferd. Er ritt mit so kurzen Steigbügeln, dass ihm die Knie fast bis an den Sattelknauf reichten. Seine spitzen Ellbogen schlugen wie Flügel, und die Schöße seines schwarzen Mantels flatterten bis zum Pferdeschweif. So ritt er in den goldenen Herbsttag hinaus. Überall sah er Vorräte: Äpfel in Körben, goldenen Mais und darunter gelbe Kürbisse, die ihre runden Bäuche in die Sonne streckten und die herrlichsten Pasteten versprachen.

Gegen Abend kam Ichabod auf dem Hof an, der voller Gäste war. Der Held des Abends aber war Brom Bones. Er war auf seinem Lieblingspferd Daredevil gekommen, einem Tier voller Feuer und Übermut wie er selbst, das außer ihm niemand reiten konnte.

Der Schulmeister jedoch hatte vor allem Augen für die Tafel. Da gab es Krapfen und Honigkuchen, Kürbispasteten, Schinken und gebratene Hühner, und er ließ nichts aus. Und während er aß, ließ er die großen Augen umherwandern und dachte daran, dass all das eines Tages ihm gehören könnte. Dann würde er der alten Schule den Rücken kehren und Hans Van Ripper und allen anderen Geizhälsen gründlich die Meinung sagen.

Der alte Baltus Van Tassel ging strahlend zwischen seinen Gästen umher, rund und vergnügt wie der Vollmond, klopfte Schultern, lachte laut und rief immer wieder: „Greift zu, greift nur zu!“

Dann spielte ein alter Geiger zum Tanz auf, und Ichabod tanzte mit Leib und Seele, dass sein schlaksiger Körper durch den ganzen Saal klapperte. Seine Partnerin war Katrina, und sie erwiderte jeden seiner verliebten Blicke mit einem Lächeln, während Brom Bones, gequält von Eifersucht, allein in einer Ecke saß.

Nach dem Tanz setzte sich Ichabod zu den Älteren, die mit dem alten Van Tassel auf der Veranda rauchten. Bald kam man auf Gespenster zu sprechen, und am meisten redete man vom kopflosen Reiter. Man habe ihn in letzter Zeit öfter gehört, hieß es, und nachts binde er sein Pferd zwischen den Gräbern auf dem Kirchhof an.

Die weiß getünchte Kirche stand einsam auf einem grünen Hügel. Nicht weit davon führte eine hölzerne Brücke über einen tiefen, schwarzen Bach, und die Bäume hingen so dicht darüber, dass es dort nachts stockfinster war. Gerade dort zeigte sich der Reiter am häufigsten.

Einer erzählte vom alten Brouwer, der nicht an Gespenster glaubte. Eines Nachts hatte er hinter dem Reiter aufsitzen müssen, und über Stock und Stein waren sie bis zur Brücke galoppiert. Dort hatte sich der Reiter in ein Gerippe verwandelt, den alten Brouwer in den Bach geworfen und war mit einem Donnerschlag über die Baumwipfel davongesprungen.

Brom Bones lachte darüber und prahlte, er habe den galoppierenden Hessen selbst getroffen. Er habe ihn zu einem Wettrennen um eine Schüssel Punsch herausgefordert, und Daredevil habe das Geisterpferd glatt geschlagen. Doch an der Kirchenbrücke sei der Hesse zur Seite ausgebrochen und in einem Feuerblitz verschwunden.

All diese Geschichten, im Halbdunkel mit gedämpfter Stimme erzählt, prägten sich Ichabod tief ein. Er selbst trug ein paar Schauergeschichten aus seinem Cotton Mather bei.

Allmählich löste sich das Fest auf, und das Lachen der Heimfahrenden verklang zwischen den Hügeln. Nur Ichabod blieb noch, um mit Katrina allein zu sprechen. Er war sicher, dass er kurz vor dem Ziel stand. Was zwischen den beiden geschah, weiß niemand. Doch irgendetwas musste schiefgegangen sein, denn schon bald kam er niedergeschlagen heraus. Hatte Katrina nur mit ihm gespielt, um Brom eifersüchtig zu machen? Wer weiß. Ohne nach rechts oder links zu sehen, ging Ichabod in den Stall, weckte Gunpowder mit ein paar derben Püffen und ritt davon.

Es war Geisterstunde, als er schweren Herzens heimwärts ritt. Nun fielen ihm all die Gespenstergeschichten wieder ein. Die Nacht wurde immer finsterer, und so einsam hatte er sich noch nie gefühlt.

Mitten auf dem Weg stand ein riesiger alter Baum, Major Andrés Baum. Ichabod begann zu pfeifen, und ihm war, als pfiffe jemand zurück; doch es war nur der Wind in den dürren Zweigen. Dann sah er etwas Weißes im Baum hängen, aber es war nur eine Stelle, an der ein Blitz die Rinde abgeschlagen hatte. Plötzlich hörte er ein Stöhnen, und seine Zähne klapperten. Doch es waren nur zwei dicke Äste, die sich im Wind aneinander rieben.

Ein Stück weiter floss ein Bach über den Weg in eine dunkle, sumpfige Senke, die man Wileys Sumpf nannte, und ein paar grobe Baumstämme dienten als Brücke. Ichabods Herz hämmerte. Er trat Gunpowder in die Rippen, um rasch hinüberzukommen, doch der störrische Alte scherte zur Seite aus und rannte gegen den Zaun. Ichabod riss am Zügel, da sprang das Pferd auf der anderen Seite ins Gestrüpp. Endlich schoss es schnaubend vorwärts, blieb aber dicht vor der Brücke so jäh stehen, dass sein Reiter beinahe kopfüber hinabgeflogen wäre.

In diesem Augenblick hörte Ichabod ein Platschen. Im Schatten am Ufer stand etwas Großes, Schwarzes. Es rührte sich nicht und schien geduckt wie ein Ungeheuer kurz vor dem Sprung.

Dem Schulmeister standen die Haare zu Berge. Zum Umkehren war es zu spät, also fasste er sich ein Herz und fragte stotternd: „Wer seid Ihr?“

Keine Antwort. Er fragte noch einmal, doch wieder blieb es still. Da schloss er die Augen und stimmte vor lauter Angst einen Psalm an. Im selben Moment stand das dunkle Ding mit einem Satz mitten auf dem Weg. Es war ein großer Reiter auf einem mächtigen schwarzen Pferd. Der Fremde sagte kein Wort, sondern trabte nur still neben Gunpowder her.

Ichabod dachte an Broms Geschichte vom galoppierenden Hessen und trieb sein Pferd an, doch der Fremde ritt ebenso schnell. Da ließ Ichabod Gunpowder im Schritt gehen, um zurückzubleiben, und der andere tat dasselbe. Dem Schulmeister sank der Mut. Er wollte seinen Psalm wieder anstimmen, aber die Zunge klebte ihm am Gaumen. Dieses beharrliche Schweigen war das Unheimlichste von allem.

Bald wusste Ichabod, warum. Als sie eine Anhöhe hinaufritten und sich die Gestalt seines Begleiters gegen den Himmel abhob, sah er voller Entsetzen, dass der Reiter keinen Kopf hatte. Und noch schlimmer: Den Kopf trug er vor sich auf dem Sattelknauf.

Verzweifelt ließ Ichabod Tritte und Hiebe auf Gunpowder niederprasseln, doch der Verfolger sprang im selben Augenblick mit ihm los. In wilder Jagd ging es davon, dass die Steine flogen und die Funken stoben. An der Abzweigung nach Sleepy Hollow bog Gunpowder nicht ab, sondern stürmte wie besessen den Hang hinunter, zu der Brücke aus den Spukgeschichten und der weißen Kirche dahinter.

Auf halbem Weg zur Brücke rissen die Sattelgurte. Der Sattel fiel zu Boden, und Ichabod, der sich gerade noch an Gunpowders Hals klammern konnte, hörte, wie der Verfolger darübertrampelte. Einen Augenblick lang fuhr ihm die Angst vor Hans Van Rippers Zorn durch den Kopf, denn es war Van Rippers Sonntagssattel. Doch der Geist war ihm dicht auf den Fersen, und Ichabod rutschte auf dem knochigen Pferderücken bald nach links, bald nach rechts.

Da lichteten sich die Bäume, und im Bach spiegelte sich ein Stern. Ichabod sah die Kirchenmauern schimmern und erinnerte sich, dass Broms gespenstischer Gegner genau hier verschwunden war.

„Wenn ich nur die Brücke erreiche“, dachte Ichabod, „bin ich in Sicherheit.“

Dicht hinter sich hörte er das schwarze Pferd schnauben. Noch ein verzweifelter Tritt, und Gunpowder donnerte über die Bohlen ans andere Ufer. Nun drehte sich Ichabod um und wartete darauf, dass sein Verfolger, wie es sich nach allen Geschichten gehörte, in Feuer und Schwefel verging.

Doch der Reiter verschwand nicht. Er stellte sich in den Steigbügeln auf und schleuderte seinen Kopf nach ihm. Ichabod wollte ausweichen, aber zu spät: Mit einem gewaltigen Krach traf ihn das Ding, und er stürzte der Länge nach in den Staub. Gunpowder, das schwarze Pferd und der gespenstische Reiter brausten an ihm vorbei wie ein Wirbelsturm.

Am nächsten Morgen stand der alte Gunpowder ohne Sattel friedlich grasend vor dem Tor seines Herrn. Ichabod kam nicht zum Frühstück und nicht zur Schule. Da machte sich Hans Van Ripper Sorgen um den armen Schulmeister und um den Sattel. Man ging auf die Suche und fand den Sattel auf dem Weg zur Kirche, in den Dreck getreten. Tiefe Hufspuren führten bis zur Brücke, und dahinter, wo der Bach tief und schwarz war, lag Ichabods Hut und dicht daneben ein zerschmetterter Kürbis.

Man suchte den ganzen Bach ab, doch den Schulmeister fand man nicht. Hans Van Ripper warf Ichabods Hexenbuch ins Feuer und schickte seine Kinder nie mehr zur Schule. Die Leute dachten an die Geschichten vom alten Brouwer und von Brom Bones, schüttelten den Kopf und waren sich einig: Der galoppierende Hesse hatte Ichabod geholt. Bald trat ein neuer Lehrer an seine Stelle.

Einige Jahre später aber kam ein alter Bauer aus New York zurück und brachte Neuigkeiten mit: Ichabod Crane lebte! Er hatte die Gegend verlassen, halb aus Angst vor dem Gespenst und vor Hans Van Ripper, halb aus Kränkung, weil Katrina ihn abgewiesen hatte. In einem fernen Teil des Landes hatte er Jura studiert, war Anwalt geworden und saß schließlich sogar als Richter bei Gericht.

Brom Bones führte kurz nach dem Verschwinden seines Rivalen die schöne Katrina zum Altar. Immer wenn man von Ichabod erzählte, machte Brom ein sehr wissendes Gesicht, und wenn der Kürbis erwähnt wurde, brach er jedes Mal in schallendes Gelächter aus. Deshalb vermuteten manche, dass er mehr wusste, als er sagen wollte.

Die alten Bäuerinnen aber, die sich in solchen Dingen am besten auskennen, behaupten bis heute, Ichabod sei von Geistern entführt worden. Das verlassene Schulhaus verfiel bald, und es hieß, dort spuke es. Und mancher Bauernjunge, der an einem stillen Sommerabend heimwärts ging, glaubte schon, aus der Ferne die Stimme des Schulmeisters zu hören, wie sie in der Stille von Sleepy Hollow einen traurigen Psalm sang.

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## About this tale

„Die Legende von Sleepy Hollow“ ist kein Volksmärchen, sondern eine Erzählung von Washington Irving. Sie erschien 1820 in New York im sechsten Heft seines „Sketch Book of Geoffrey Crayon, Gent.“, unter dem Decknamen Geoffrey Crayon. Angeblich stammt sie aus dem Nachlass eines Diedrich Knickerbocker, auch er von Irving erfunden.

Für spätere Ausgaben hat Irving am Wortlaut gefeilt, die Handlung blieb dieselbe. Unsere Nacherzählung folgt dem Text bei Project Gutenberg mit Irvings Vorwort von 1848. Auf der Seite stehen zwei Fassungen: „Sanfter“ ist kürzer, „Original“ ausführlicher. Beide sind unsere Nacherzählungen, keine ist Irvings Text.

> „Wenn ich nur die Brücke erreiche“, dachte Ichabod, „bin ich in Sicherheit.“
>
> Washington Irving, 1820: “If I can but reach that bridge,” thought Ichabod, “I am safe.”

### Irvings Text und unsere Fassung „Sanfter“

|  | Irving | Unsere Fassung „Sanfter“ |
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| Erzählrahmen | aus Knickerbockers Nachlass, mit Nachschrift | beginnt gleich im Tal, keine Nachschrift |
| Schulstube | die Rute: „Spare the rod and spoil the child“ | keine Rute |
| Katrina | achtzehn, einziges Kind | achtzehn, einzige Tochter |
| Ichabods Träume | Hof zu Geld machen, ab nach Kentucky und Tennessee | ebenso |
| Die Verfolgung | Kopf auf dem Sattelknauf, an der Brücke geworfen | ebenso |
| Am Morgen | Hut und Kürbis am Bach | ebenso |
| Ichabods Verbleib | ein alter Bauer: Richter am „Ten Pound Court“ | ein alter Bauer: Anwalt, dann Richter |
| Brom Bones | heiratet Katrina, lacht über den Kürbis | ebenso |

### Wie unsere sanftere Fassung erzählt

Unsere sanftere Fassung lässt den Rahmen weg und beginnt im stillen Tal am Hudson. Ichabod Crane, Schulmeister aus Connecticut, wirbt um Katrina Van Tassel und träumt dabei vor allem vom Hof ihres Vaters. Bald steht das Pferd seines Rivalen Brom Bones sonntags nicht mehr am Zaun der Van Tassels, und Brom rächt sich mit Streichen. Nach dem Herbstfest, bei dem auf der Veranda Spukgeschichten erzählt werden, begegnet Ichabod auf dem Heimweg einem Reiter ohne Kopf.

Das Unheimlichste ist die nächtliche Jagd, an deren Ende Ichabod vom Pferd in den Staub stürzt; von einer Verletzung ist keine Rede. Der Schluss bleibt offen wie bei Irving: Ein alter Bauer erzählt, Ichabod lebe; die alten Bäuerinnen glauben, Geister hätten ihn entführt; und weil Brom über den Kürbis lacht, vermuten manche, er wisse mehr.

### Eine verwandte Geschichte und ein Missverständnis

Zur selben Reihe gehört „Rip Van Winkle“, das schon 1819 im ersten Heft stand. Auch diese Geschichte stammt angeblich aus Knickerbockers Nachlass und spielt unter Holländern am Hudson. Auf Deutsch gibt es sie bei uns nicht.

Dass der kopflose Reiter ein Hesse gewesen sein soll, macht aus der Erzählung keine deutsche Sage. Irving nennt zwar einen deutschen Aberglauben um Kaiser Friedrich Rotbart, aber in seiner Anmerkung zu „Rip Van Winkle“.

Sources (claims checked against them on 2026-11-02):
- 1820: The Legend of Sleepy Hollow, The Sketch Book of Geoffrey Crayon, Gent., Nr. VI, New-York: C. S. Van Winkle 1820, S. 51–120 (https://archive.org/details/irvingsketchbook)
- The Legend of Sleepy Hollow, The Sketch-Book of Geoffrey Crayon, mit Vorwort von 1848, Project Gutenberg Nr. 2048 [our source] (https://www.gutenberg.org/ebooks/2048)
- Wikidata Q72309 (https://www.wikidata.org/wiki/Q72309)

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- Read online: https://talerie.com/de/maerchen/die-legende-von-sleepy-hollow
- Also known as: Die Sage von der schläfrigen Schlucht, Die Sage von Sleepy Hollow
- Characters: Ichabod Crane, Katrina, Brom Bones
- Version: gentler retelling; the longer, more faithful retelling: https://talerie.com/de/maerchen/die-legende-von-sleepy-hollow-original.md
- Also in: [English](https://talerie.com/en/tales/the-legend-of-sleepy-hollow.md), [Czech](https://talerie.com/cs/pohadky/legenda-o-ospale-dire.md), [Polish](https://talerie.com/pl/bajki/legenda-o-sennej-kotlinie.md)
- Author's country: United States (https://talerie.com/de/maerchenkarte#united-states)
- Wikidata: https://www.wikidata.org/wiki/Q72309
- Source: The Legend of Sleepy Hollow, from The Sketch-Book of Geoffrey Crayon by Washington Irving (Project Gutenberg #2048) (https://www.gutenberg.org/ebooks/2048)
- Public-domain basis: Talerie contemporary retelling (CC0 2026), based on: The Legend of Sleepy Hollow, from The Sketch-Book of Geoffrey Crayon by Washington Irving (Project Gutenberg #2048) — original: author died 1859 (+70 passed)
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