# Hans im Glück

_Retold by Talerie (talerie.com) from Kinder- und Hausmärchen, after Brothers Grimm_ · 7 min read · ages 4+

Hans tauscht seinen Lohn, einen Klumpen Gold, auf dem Heimweg gegen Pferd, Kuh, Schwein und Gans und zuletzt gegen einen Wetzstein und einen Feldstein. Als die Steine in einen Brunnen plumpsen, dankt Hans Gott mit Tränen in den Augen für die abgenommene Last und springt mit leichtem Herzen heim zu seiner Mutter.

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Hans hatte seinem Herrn sieben Jahre lang gedient. Da sagte er: „Herr, meine Zeit ist um. Ich möchte heim zu meiner Mutter. Gebt mir meinen Lohn.“

„Du hast mir treu gedient“, antwortete der Herr, „und wie der Dienst war, so soll der Lohn sein.“ Er gab ihm ein Stück Gold, so groß wie Hans’ Kopf. Hans wickelte den Klumpen in sein Taschentuch, nahm ihn auf die Schulter und machte sich auf den Heimweg.

Unterwegs trabte ein Reiter auf einem munteren Pferd an ihm vorbei. „Ach“, sagte Hans laut, „was ist das Reiten für eine schöne Sache! Man sitzt wie auf einem Stuhl und schont die Schuhe.“

Der Reiter hielt an. „Ei, Hans, warum gehst du denn zu Fuß?“

„Ich habe einen Klumpen heimzutragen“, antwortete Hans. „Es ist zwar Gold, aber ich kann dabei den Kopf nicht gerade halten, und es drückt mir auf die Schulter.“

„Weißt du was?“, sagte der Reiter. „Ich gebe dir mein Pferd, und du gibst mir deinen Klumpen.“

„Von Herzen gern“, sagte Hans. „Aber Ihr werdet Euch damit schleppen müssen.“

Der Reiter nahm das Gold, half Hans hinauf und sagte: „Wenn es recht schnell gehen soll, musst du mit der Zunge schnalzen und ‚hopp, hopp‘ rufen.“

Hans war überglücklich, doch bald wollte er noch schneller vorankommen. Er schnalzte mit der Zunge und rief: „Hopp, hopp!“ Da fiel das Pferd in einen scharfen Trab, und ehe Hans sich’s versah, lag er im Graben neben der Landstraße.

Das Pferd wäre davongelaufen, hätte es nicht ein Bauer festgehalten, der eine Kuh vor sich hertrieb. Hans rappelte sich hoch und schimpfte: „Das Reiten ist ein schlechter Spaß, besonders auf so einer Mähre, die einen abwirft, dass man sich den Hals brechen kann. Da lobe ich mir Eure Kuh! Bei der hat man jeden Tag Milch, Butter und Käse.“

„Wenn Euch so viel daran liegt“, sagte der Bauer, „gebe ich Euch die Kuh für das Pferd.“ Hans willigte mit tausend Freuden ein, und der Bauer ritt eilig davon.

Zufrieden trieb Hans seine Kuh weiter. In einem Wirtshaus kehrte er ein und aß vor lauter Freude alles auf, was er bei sich hatte, Mittagbrot und Abendbrot zugleich. Für seine letzten Heller ließ er sich ein halbes Glas Bier einschenken.

Gegen Mittag kam er auf eine heiße Heide. Bald klebte ihm vor Durst die Zunge am Gaumen. Er band die Kuh an einen Baum und hielt seine Ledermütze unter ihr Euter, doch es kam kein Tropfen. Weil er sich so ungeschickt anstellte, trat ihm das ungeduldige Tier mit dem Hinterbein gegen den Kopf. Hans stürzte und blieb benommen liegen.

Zum Glück kam gerade ein Metzger vorbei, der ein junges Schwein auf seiner Schubkarre hatte. Er half Hans auf und reichte ihm seine Flasche. „Trinkt erst einmal. Die Kuh ist alt und gibt keine Milch mehr. Die taugt höchstens noch zum Ziehen oder zum Schlachten.“

„Wer hätte das gedacht!“, sagte Hans. „Ja, so ein junges Schwein, das wäre etwas! Das schmeckt doch ganz anders, und dann erst die Würste!“

„Hört, Hans“, sagte der Metzger, „Euch zuliebe will ich tauschen: das Schwein gegen die Kuh.“

„Gott lohne Euch Eure Freundschaft!“, rief Hans. Er gab dem Metzger die Kuh, und der Metzger drückte ihm den Strick in die Hand, an dem das Schwein angebunden war.

Bald holte Hans einen Burschen ein, der eine schöne weiße Gans zu einem Taufschmaus trug. „Hebt sie ruhig einmal hoch!“, sagte der Bursche. „Acht Wochen lang ist sie gemästet worden.“

Dann sah sich der Bursche bedenklich nach allen Seiten um. „Mit Eurem Schwein stimmt vielleicht etwas nicht. Im Dorf hinter mir hat man dem Schulzen eins aus dem Stall gestohlen. Man hat schon Leute ausgeschickt, und wenn die Euch mit dem Schwein erwischen, steckt man Euch ins finstere Loch.“

Da wurde Hans angst und bange. „Ach Gott, helft mir aus der Not! Nehmt mein Schwein und lasst mir Eure Gans.“

„Da muss ich schon etwas wagen“, antwortete der Bursche, „aber ich will nicht schuld an Eurem Unglück sein.“ Er nahm den Strick und trieb das Schwein schnell einen Seitenweg hinunter.

Erleichtert ging Hans weiter. „Wenn ich es recht bedenke, habe ich sogar gewonnen“, dachte er. „Erst der gute Braten, dann das Fett, das gibt Schmalzbrot für ein Vierteljahr, und zuletzt die weißen Federn für mein Kopfkissen. Wie wird sich meine Mutter freuen!“

Als er ins letzte Dorf kam, stand dort ein Scherenschleifer mit seinem Karren. Sein Rad schnurrte, und er sang dazu:

Ich schleife die Schere und drehe geschwind  
und hänge mein Mäntelchen nach dem Wind.

Hans blieb stehen und sah ihm zu.

„Wo habt Ihr denn die schöne Gans gekauft?“, fragte der Scherenschleifer.

„Die habe ich für mein Schwein eingetauscht.“

„Und das Schwein?“

„Das habe ich für eine Kuh bekommen.“

„Und die Kuh?“

„Die hat mir einer für ein Pferd gegeben.“

„Und das Pferd?“

„Dafür habe ich einen Klumpen Gold hergegeben, so groß wie mein Kopf.“

„Und das Gold?“

„Ei, das war mein Lohn für sieben Jahre Dienst.“

„Ihr habt Euch immer zu helfen gewusst“, sagte der Scherenschleifer. „Werdet ein Schleifer wie ich, dann habt Ihr Euer Glück gemacht. Ein rechter Schleifer findet jedes Mal Geld, wenn er in die Tasche greift. Dazu braucht es nichts als einen Wetzstein. Hier habe ich einen, ein wenig abgenutzt zwar, aber dafür gebt Ihr mir auch nur Eure Gans.“

„Nichts lieber als das!“, rief Hans und gab ihm die Gans für den Wetzstein.

Der Scherenschleifer hob noch einen gewöhnlichen schweren Feldstein vom Boden auf. „Den gebe ich Euch dazu. Darauf könnt Ihr Eure alten Nägel gerade klopfen. Hebt ihn gut auf.“

Vergnügt lud sich Hans die Steine auf. „Ich muss in einer Glückshaut geboren sein“, rief er, „alles, was ich mir wünsche, geht in Erfüllung, wie bei einem Sonntagskind!“

Doch er war seit dem Morgengrauen auf den Beinen und wurde müde. Auch plagte ihn der Hunger, denn vor Freude über die Kuh hatte er alles auf einmal aufgegessen. Die Steine drückten ihn ganz erbärmlich, und er dachte, wie gut es wäre, wenn er sie nicht mehr tragen müsste.

Langsam wie eine Schnecke schlich er zu einem Brunnen am Feldrand, um zu trinken. Damit die Steine keinen Schaden nahmen, legte er sie vorsichtig neben sich auf den Rand. Als er sich zum Wasser hinabbeugte, stieß er ein klein wenig dagegen, und beide Steine plumpsten hinunter.

Hans sah sie in der Tiefe versinken und sprang vor Freude auf. Dann kniete er nieder und dankte Gott mit Tränen in den Augen, weil ihm nun auch die letzte Last abgenommen war, ohne dass er sich etwas vorzuwerfen hatte.

„So glücklich wie ich gibt es keinen Menschen unter der Sonne!“, rief er.

Mit leichtem Herzen sprang er nun fort und hielt nicht an, bis er daheim bei seiner Mutter war.

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## About this tale

Die Brüder Grimm fanden die Geschichte von Hans im Glück gedruckt vor: August Wernicke hatte sie 1818 in der Göttinger Zeitschrift „Wünschelruthe“ veröffentlicht, als „Eine Erzählung aus dem Munde des Volkes“. 1819 nahmen die Grimms sie als Nr. 83 in die zweite Auflage ihrer Märchen auf. In der ersten von 1812 fehlt sie.

Bei Wernicke heißt der Held noch Hans Wohlgemut, und den Wetzstein muss er dem Schleifer erst abbetteln. Bei den Grimms heißt er nur Hans, und der Schleifer bietet ihm den Stein von sich aus an. Nach 1819 änderte sich kaum noch etwas. Unsere Vorlage ist die siebte Auflage von 1857, die letzte von den Brüdern selbst betreute.

> Ich schleife die Schere und drehe geschwind
> und hänge mein Mäntelchen nach dem Wind.
>
> Brüder Grimm, 1857: ich schleife die Scheere und drehe geschwind, / und hänge mein Mäntelchen nach dem Wind.

### Wernickes Erzählung von 1818 neben dem Grimm’schen Text

|  | Wernicke 1818 | Grimm 1857 (unsere Vorlage) |
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| Der Held | „Hans Wohlgemut“ | „Hans“ |
| Das Gold | trägt er ohne sonderliche Beschwerde | drückt ihm auf die Schulter |
| Schwein für Kuh | Hans schlägt den Tausch vor | der Metzger bietet ihn an |
| Ortsnamen | Susewedel, Gernefraß | keine, nur das Dorf seiner Mutter |
| Der Wetzstein | Hans bettelt darum | der Schleifer bietet ihn an |
| Das Sonntagskind | nach dem Tausch gegen die Gans | nach dem Tausch gegen die Steine |
| Steine im Brunnen | fallen auf einmal hinein, ohne genannten Grund | Hans stößt sie aus Versehen an |

### Was unser Text erzählt

Hans gibt den Goldklumpen für ein Pferd her, das Pferd für eine Kuh, die Kuh für ein Schwein, das Schwein für eine Gans und die Gans für einen abgenutzten Wetzstein, zu dem der Scherenschleifer noch einen schweren Feldstein legt. Fast jeden Tausch schlägt ihm sein Gegenüber vor; nur um die Gans bittet Hans selbst, nachdem der Bursche ihm erzählt hat, im Dorf sei dem Schulzen ein Schwein gestohlen worden. Ob das stimmt, lässt der Text offen. Am Brunnen stößt Hans die Steine aus Versehen hinab und dankt Gott, dass er sie los ist. Dass er sich dabei nichts vorzuwerfen hat, steht bei den Grimms erst seit der dritten Auflage von 1837.

Auf der Seite kannst du zwischen zwei Fassungen wählen, die wir beide nacherzählt haben: „Sanfter“ ist kürzer, „Original“ erzählt ausführlicher, mit denselben Tauschgeschäften und demselben Ende. Zum Vorlesen gut zu wissen: Die Kuh tritt Hans gegen den Kopf, und er bleibt benommen liegen, doch gleich darauf kommt ein Metzger vorbei und hilft ihm auf.

### Verwandte Geschichten und eine Verwechslung

Die Grimms selbst erinnern in ihren Anmerkungen an den Schwank von Block und dem Schneider Bock aus dem „Wunderhorn“: Aus sieben Ellen Tuch, gekauft für einen Rock, soll nach und nach eine Jacke werden, dann eine Hose, Strümpfe, Handschuhe und am Ende nur noch ein Gürtel. Bolte und Polívka verzeichnen eine Reihe von Fassungen, in denen ein Mann seine Habe Tausch um Tausch hergibt und dann wettet, dass seine Frau ihn deswegen nicht schelten wird; unser Hans hat weder Frau noch Wette, er geht heim zu seiner Mutter. Unter den Verwandten nennen Bolte und Polívka außerdem ein Märchen von H. C. Andersen und das norwegische „Gudbrand vom Berge“. Sie zitieren auch Murners „Narrenbeschwörung“ von 1512, in der von einem Narren die Rede ist, der im Tausch einen Esel für eine Pfeife hergab.

Leicht zu verwechseln ist „Hans und die Bohnenranke“. Auch dort heißt der Junge Hans und gibt eine Kuh her, allerdings für eine Handvoll Bohnen, aus denen über Nacht eine Ranke bis in den Himmel wächst. Hans im Glück dagegen hat am Ende gar nichts mehr in der Hand.

Sources (claims checked against them on 2026-10-30):
- 1818: Hans Wohlgemut. Eine Erzählung aus dem Munde des Volkes, August Wernicke, in: Wünschelruthe. Ein Zeitblatt, Nr. 33, Göttingen 1818, S. 129–131 (https://de.wikisource.org/wiki/Hans_Wohlgemut)
- 1819: Hans im Glück, Kinder- und Haus-Märchen, 2. Aufl., Berlin 1819, Bd. 1, Nr. 83, S. 423–430 (https://de.wikisource.org/wiki/Hans_im_Gl%C3%BCck_(1819))
- 1857: Hans im Glück, Kinder- und Hausmärchen, 7. Aufl., Göttingen 1857, Bd. 1, Nr. 83, S. 417–422 [our source] (https://de.wikisource.org/wiki/Hans_im_Glück_(1857))
- 1856: Kinder- und Haus-Märchen, Bd. 3: Anmerkungen, 3. Aufl., Göttingen 1856, Nr. 83, S. 144 (https://de.wikisource.org/wiki/Kinder-_und_Haus-M%C3%A4rchen_Band_3_(1856)/Anmerkungen)
- 1915: Johannes Bolte, Georg Polívka: Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, Bd. 2, Leipzig 1915, Nr. 83, S. 199–203 (Scan) (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Grimms_M%C3%A4rchen_Anmerkungen_(Bolte_Polivka)_II_199.jpg)
- Wikidata Q11827, ATU 1415 (https://www.wikidata.org/wiki/Q11827)

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- Read online: https://talerie.com/de/maerchen/hans-im-glueck
- Version: gentler retelling; the longer, more faithful retelling: https://talerie.com/de/maerchen/hans-im-glueck-original.md
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- Wikidata: https://www.wikidata.org/wiki/Q11827
- Tale type: ATU 1415 (per Wikidata)
- Source: Kinder- und Hausmärchen, 7. Auflage (1857) (https://de.wikisource.org/wiki/Hans_im_Glück_(1857))
- Public-domain basis: Talerie contemporary retelling (CC0 2026), based on: Kinder- und Hausmärchen, 7. Auflage (1857) — original: author died 1859/1863 (+70 passed)
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