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Märchen

Die Prinzessin auf der Erbse

Hans Christian Andersen

2 Min. Lesezeit4–8 Jahre


Es war einmal ein Prinz, der wollte eine Prinzessin heiraten — aber es sollte eine wirkliche Prinzessin sein. Da reiste er durch die ganze Welt, um eine zu finden, doch überall fehlte etwas. Prinzessinnen gab es genug, aber ob es wirkliche Prinzessinnen waren, konnte er nie ganz herausfinden; immer war da etwas, das nicht stimmte. So kam er wieder nach Hause und war ganz traurig, denn er wünschte sich so sehr eine wirkliche Prinzessin.

Eines Abends zog ein schreckliches Unwetter auf: Es blitzte und donnerte, und der Regen fiel in Strömen — es war furchtbar. Da klopfte es ans Stadttor, und der alte König ging hin, um zu öffnen.

Draußen stand eine Prinzessin. Aber du liebe Zeit, wie sah sie aus vom Regen und dem bösen Wetter! Das Wasser lief ihr die Haare und Kleider herab, es lief vorn in die Schuhe hinein und hinten wieder heraus. Und doch sagte sie, sie sei eine wirkliche Prinzessin.

„Das werden wir gleich erfahren“, dachte die alte Königin. Sie sagte aber nichts, ging in die Schlafkammer, nahm alles Bettzeug ab und legte eine Erbse auf den Boden der Bettstelle. Dann nahm sie zwanzig Matratzen, legte sie auf die Erbse, und darauf noch zwanzig Eiderdaunenbetten.

Darauf sollte die Prinzessin die Nacht über liegen. Am Morgen fragte man sie, wie sie geschlafen habe.

„Oh, entsetzlich schlecht!“ sagte die Prinzessin. „Ich habe die ganze Nacht kaum ein Auge zugetan. Weiß der Himmel, was in dem Bett gewesen ist! Ich habe auf etwas Hartem gelegen, sodass ich am ganzen Körper braun und blau bin. Es ist ganz entsetzlich!“

Daran erkannten sie, dass es eine wirkliche Prinzessin war, weil sie durch die zwanzig Matratzen und die zwanzig Eiderdaunenbetten hindurch die Erbse gespürt hatte. So feinfühlig konnte niemand sein als eine wirkliche Prinzessin.

Da nahm der Prinz sie zur Frau, denn nun wusste er, dass er eine wirkliche Prinzessin hatte. Und die Erbse kam ins Museum, wo sie noch heute zu sehen ist — wenn niemand sie weggenommen hat. Siehst du, das war eine wahre Geschichte.