
Der Lebkuchenmann
3 Min. Lesezeitab 3 Jahren

Erzählt haben diese Geschichten meistens Frauen, die für andere Leute arbeiteten: Dienstmädchen, Kinderfrauen, Köchinnen, Großmütter. Die Märchen wurden lange erzählt, bevor sie jemand aufschrieb, und meist nebenbei, bei der Arbeit oder abends bei den Kindern, die sie hüteten. So steht es in den Notizen der Sammler, sofern sie überhaupt etwas dazu festhielten.
Wie das aussah, lässt sich in einem Fall genau nachlesen. Als die Zeitschrift St. Nicholas im Mai 1875 eine dieser Geschichten druckte, schrieb der Einsender dazu, sie stamme nicht von ihm: Ein Dienstmädchen aus Maine habe sie seinen Kindern erzählt, und auf die Frage, woher sie die Geschichte kenne, habe sie geantwortet, eine alte Frau habe sie ihr in ihrer eigenen Kindheit erzählt. Keine der beiden Frauen wird mit Namen genannt, und mehr ist über sie nicht bekannt.
Dass wir ihre Namen nicht kennen, hat einen einfachen Grund: Niemand hat danach gefragt. Wer ein Märchen aufschrieb, dessen Name stand später auf dem Buch, denn als die angesehene Arbeit galt das Sammeln, nicht das Erzählen. Die Frau, die die Geschichte konnte, war die Quelle und nicht die Verfasserin. Ein fester Text war das ohnehin nicht. Jedes Erzählen geriet ein wenig anders, kürzer, wenn die Kinder müde wurden, und gedruckt wurde davon am Ende eine einzige Fassung.
1 Märchen

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