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Unten in der gemauerten Grube steht der alte Daniel ruhig zwischen fünf liegenden Löwen, oben kniet der grauhaarige König Darius neben einem großen Stein.

Daniel in der Löwengrube

Die Bibel

5 Min. Lesezeit ab 6 Jahren

Der alte Daniel dient König Darius so treu, dass der König ihn über das ganze Reich stellen will. Den anderen Fürsten gefällt das gar nicht, und sie bringen den König dazu, einen Befehl zu unterschreiben, den niemand mehr aufheben kann. Daniel aber kniet weiter dreimal am Tag am offenen Fenster.


Darius war König über ein großes Reich. Damit es gut regiert wurde, setzte er hundertzwanzig Statthalter ein, und über sie stellte er drei Fürsten. Ihnen mussten die Statthalter Rechenschaft ablegen, damit der König keinen Schaden erlitt. Einer der drei Fürsten war Daniel, ein alter Mann, der einst als Gefangener aus Juda in dieses Land verschleppt worden war.

Daniel übertraf alle anderen Fürsten und Statthalter, denn er war klüger und weiser als sie alle. Deshalb dachte der König daran, ihn über das ganze Reich zu stellen.

Das gefiel den anderen gar nicht. Die Fürsten und Statthalter suchten nach einem Fehler, den sie Daniel vorwerfen konnten, doch sie fanden keinen. Daniel war treu und tat nichts Unrechtes. Da sagten sie zueinander: „An diesem Daniel werden wir nichts finden, es sei denn, es hat mit seinem Gott zu tun.“

Bald darauf gingen sie alle zusammen zum König. „Mein König Darius, mögest du ewig leben!“, riefen sie. „Alle Fürsten, Statthalter und Räte deines Reiches haben sich beraten. Wir bitten dich, einen strengen Befehl zu erlassen: Wer in den nächsten dreißig Tagen irgendeinen Gott oder Menschen außer dir, mein König, um etwas bittet, der soll zu den Löwen in die Grube geworfen werden. Unterschreib diesen Befehl, dann gilt er nach dem Gesetz der Meder und Perser, und niemand kann ihn mehr aufheben.“

Und König Darius unterschrieb.

Daniel erfuhr, dass der Befehl unterschrieben war. Trotzdem ging er nach Hause und stieg hinauf in seine Kammer. Dort standen die Fenster offen, nach Jerusalem hin. Dreimal am Tag kniete er nieder, betete zu seinem Gott und dankte ihm, so wie er es immer getan hatte.

Der alte Daniel mit weißem Bart kniet in seiner Kammer auf einem Teppich, die Hände geöffnet, vor offenen Fenstern; neben ihm ein Krug und ein Öllämpchen.

Da kamen die Fürsten und Statthalter zusammen und fanden Daniel, wie er zu seinem Gott betete und ihn um Hilfe bat. Sie gingen zum König und fragten: „Mein König, hast du nicht einen Befehl unterschrieben? Wer dreißig Tage lang einen Gott oder Menschen außer dir um etwas bittet, der soll zu den Löwen in die Grube geworfen werden.“

„So ist es“, antwortete der König. „Das ist das Gesetz der Meder und Perser, und niemand darf es aufheben.“

Nun sagten sie: „Daniel, einer der Verschleppten aus Juda, kümmert sich weder um dich noch um deinen Befehl. Dreimal am Tag betet er zu seinem Gott.“

Als der König das hörte, wurde er sehr traurig. Er wollte Daniel unbedingt retten und suchte bis zum Sonnenuntergang nach einem Weg.

Doch die Fürsten und Statthalter kamen wieder zu ihm und sagten: „Du weißt doch, mein König: Nach dem Gesetz der Meder und Perser darf kein Befehl, den der König erlassen hat, geändert werden.“

Da befahl der König, Daniel zu holen, und die Männer des Königs warfen Daniel zu den Löwen in die Grube. Zu ihm aber sagte der König: „Dein Gott, dem du immer treu dienst, möge dir helfen!“

Dann brachten die Männer des Königs einen großen Stein und legten ihn auf die Öffnung der Grube. Der König versiegelte den Stein mit seinem eigenen Siegelring und mit den Ringen seiner Großen. So konnte niemand mehr etwas an Daniels Schicksal ändern.

Der grauhaarige König Darius beugt sich über den verschnürten Stein auf der Grube und drückt seinen Siegelring in Ton; drei Große halten Ringe, Männer Seile.

Der König ging zurück in seinen Palast. Er aß nichts und ließ sich auch nichts bringen, und die ganze Nacht konnte er nicht schlafen.

Am frühen Morgen, als es gerade hell wurde, stand er auf und eilte zur Löwengrube. Dort rief er mit zitternder Stimme: „Daniel, du Diener des lebendigen Gottes! Hat dein Gott, dem du immer treu dienst, dich vor den Löwen retten können?“

Aus der Grube antwortete Daniel: „Mein König, mögest du ewig leben! Mein Gott hat seinen Engel geschickt, und der hat den Löwen das Maul verschlossen. Darum haben sie mir nichts getan. Vor Gott bin ich ohne Schuld, und auch gegen dich, mein König, habe ich nichts Unrechtes getan.“

Da freute sich der König sehr und befahl, Daniel aus der Grube heraufzuholen. Die Männer des Königs zogen Daniel heraus, und man fand nicht die kleinste Wunde an ihm, denn er hatte seinem Gott vertraut.

Drei Männer ziehen am Seil, der alte Daniel sitzt auf dem Rand der gemauerten Grube, König Darius kniet und fasst seinen Arm; unten liegen die Löwen still.

Dann ließ der König die Männer holen, die Daniel verklagt hatten. Sie wurden mit ihren Frauen und Kindern zu den Löwen in die Grube geworfen, und noch bevor sie den Boden erreichten, fielen die Löwen über sie her und töteten sie alle.

Danach schrieb König Darius an alle Völker auf der ganzen Erde, in allen Sprachen: „Frieden euch allen! Ich befehle, dass man überall in meinem Reich den Gott Daniels fürchten und ehren soll. Denn er ist der lebendige Gott, der für immer bleibt. Sein Reich vergeht nie, und seine Herrschaft hat kein Ende. Er rettet und hilft, und er tut Zeichen und Wunder im Himmel und auf der Erde. Er hat Daniel aus der Gewalt der Löwen gerettet.“

Daniel aber blieb ein mächtiger und angesehener Mann, solange Darius regierte, und auch später unter Kyrus, dem König der Perser.

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Nacherzählt von Talerie, Quelle: Lutherbibel 1912 (wird in einem neuen Fenster geöffnet) Gemeinfrei