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Am Nil hebt eine Dienerin ein Körbchen mit einem Baby aus dem Wasser, die Tochter des Pharaos kniet in weißem Leinen am Ufer, im Schilf schaut ein Mädchen zu.

Mose

Die Bibel

15 Min. Lesezeit ab 6 Jahren

Der Pharao befiehlt, jeden Sohn, der den Hebräern geboren wird, in den Nil zu werfen. Eine Frau aus dem Stamm Levi versteckt ihren Jungen drei Monate lang, dann legt sie ihn in ein Körbchen aus Schilfrohr und stellt es ins Schilf am Ufer. Ein Stück weit weg steht seine Schwester und wartet.


Jakob war mit seinen Söhnen nach Ägypten gezogen, siebzig Menschen im Ganzen. Als Josef und seine Brüder gestorben waren, wurden ihre Nachkommen, die Israeliten, so zahlreich, dass das ganze Land voll von ihnen war.

Nun kam in Ägypten ein neuer König an die Macht, ein Pharao, der von Josef nichts mehr wusste. „Die Israeliten sind zahlreicher und stärker als wir“, sagte er zu seinem Volk. „Wenn ein Krieg kommt, halten sie womöglich zu unseren Feinden.“

Die Ägypter setzten Aufseher über die Israeliten, die sie mit schwerer Arbeit plagen sollten. Die Israeliten mussten Ziegel formen und für den Pharao die Städte Pitom und Ramses bauen. Doch je mehr man sie quälte, desto mehr wurden sie.

Israeliten treten in einer Grube Lehm mit Stroh und drücken ihn in Ziegelformen, dahinter trocknen Ziegel; zwei Aufseher mit Stöcken sehen zu.

Da befahl der Pharao den hebräischen Hebammen Schifra und Pua, jeden neugeborenen Jungen zu töten. Die Hebammen aber fürchteten Gott und ließen die Jungen leben. Als der Pharao sie zur Rede stellte, antworteten sie: „Pharao, die hebräischen Frauen sind kräftig. Bevor wir kommen, haben sie ihr Kind schon geboren.“

Gott tat den Hebammen Gutes, und das Volk wuchs weiter. Da gab der Pharao seinem ganzen Volk den Befehl: „Jeden Sohn, der den Hebräern geboren wird, werft in den Nil. Die Töchter lasst leben.“

Damals bekam eine Frau aus dem Stamm Levi einen Sohn, und weil er ein so schönes Kind war, versteckte sie ihn drei Monate lang. Als sie ihn nicht länger verbergen konnte, flocht sie ein Körbchen aus Schilfrohr und dichtete es mit Pech ab. Sie legte das Kind hinein und stellte das Körbchen ins Schilf am Ufer des Nils.

Im Schein einer Öllampe streicht eine junge Mutter ein Körbchen aus Schilf mit Pech ein und blickt ängstlich zur Tür, daneben schläft ihr Baby.

Seine Schwester stellte sich ein Stück weit weg, denn sie wollte sehen, was mit ihm geschehen würde.

Bald darauf kam die Tochter des Pharaos an den Fluss, um zu baden, während ihre Dienerinnen am Ufer entlanggingen. Sie entdeckte das Körbchen im Schilf und ließ es holen. Darin lag ein kleiner Junge und weinte. Er tat ihr leid. „Das ist eines von den hebräischen Kindern“, sagte sie.

Da trat seine Schwester heran. „Soll ich dir eine hebräische Frau rufen, die das Kind für dich stillen kann?“

„Geh nur“, sagte die Tochter des Pharaos. Das Mädchen lief los und holte die Mutter des Kindes.

„Nimm dieses Kind mit und stille es für mich“, sagte die Tochter des Pharaos zu ihr. „Ich will dich dafür bezahlen.“

So trug die Mutter ihren eigenen Sohn wieder nach Hause. Als der Junge größer geworden war, brachte sie ihn zur Tochter des Pharaos, und er wurde ihr Sohn. Sie gab ihm den Namen Mose, denn sie sagte: „Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen.“

Als Mose erwachsen war, ging er eines Tages hinaus zu den Israeliten, seinem eigenen Volk. Da sah er, wie ein Ägypter einen Hebräer schlug. Mose blickte nach allen Seiten, und als niemand zu sehen war, tötete er den Ägypter und verscharrte ihn im Sand.

Am nächsten Tag traf er zwei Hebräer, die miteinander stritten. „Warum schlägst du deinen Nächsten?“, fragte er den, der im Unrecht war.

„Wer hat dich zum Anführer und Richter über uns gemacht?“, gab der Mann zurück. „Willst du mich auch umbringen, wie du den Ägypter umgebracht hast?“

Da bekam Mose Angst: Die Sache war bekannt geworden. Auch der Pharao hörte davon und wollte ihn töten lassen. Mose floh in das Land Midian und setzte sich dort an einen Brunnen.

Der Priester von Midian hatte sieben Töchter. Als sie die Schafe ihres Vaters am Brunnen tränken wollten, jagten Hirten sie fort. Mose stand auf, half den Mädchen und tränkte ihre Herde.

Am Brunnen gießt Mose Wasser aus einem Ledereimer in eine Steinrinne, sieben junge Frauen mit Krügen helfen mit, Schafe und Ziegen trinken.

„Warum seid ihr heute so früh zurück?“, fragte ihr Vater Jitro, als sie nach Hause kamen.

„Ein Ägypter hat uns vor den Hirten beschützt, Vater“, antworteten sie.

„Und wo ist er? Holt ihn, er soll mit uns essen!“

So blieb Mose bei Jitro, der ihm seine Tochter Zippora zur Frau gab. Sie bekam einen Sohn, und Mose nannte ihn Gerschom, denn er sagte: „Ich bin ein Fremder in einem fremden Land geworden.“

Viele Jahre später starb der König von Ägypten. Die Israeliten aber schrien unter ihrer Last um Hilfe, und Gott hörte sie und dachte an seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob.

Mose hütete inzwischen die Schafe seines Schwiegervaters. Eines Tages kam er mit der Herde an den Horeb, den Berg Gottes. Dort sah er einen Dornbusch, aus dem Flammen schlugen. Der Busch brannte und brannte, und doch verbrannte er nicht.

Der alte Mose mit Hirtenstab schirmt die Augen ab und schaut auf einen grünen Busch, aus dem goldene Flammen schlagen; ringsum stehen Schafe und Ziegen.

„Ich will hingehen und nachsehen, warum der Busch nicht verbrennt“, sagte Mose.

Als er näher kam, rief Gott ihn aus dem Dornbusch: „Mose, Mose!“

„Hier bin ich.“

„Komm nicht näher! Zieh deine Schuhe aus, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliger Boden. Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.“

Mose verhüllte sein Gesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzusehen.

„Ich habe das Schreien meines Volkes in Ägypten gehört“, sagte Gott. „Ich will es in ein gutes Land führen, in dem Milch und Honig fließen. Geh, ich schicke dich zum Pharao. Du sollst mein Volk aus Ägypten herausführen.“

„Wer bin ich, dass ich das tun soll?“, fragte Mose. „Und wenn die Israeliten mich fragen, wie der Gott ihrer Väter heißt, was soll ich ihnen dann sagen?“

„Ich bin, der ich bin“, antwortete Gott. „Ich will mit dir sein. Der König von Ägypten wird euch erst ziehen lassen, wenn ich Ägypten mit Wundern geschlagen habe.“

„Aber sie werden mir nicht glauben“, sagte Mose.

„Was hast du da in der Hand?“

„Einen Stab.“

„Wirf ihn auf die Erde.“

Mose warf den Stab hin, da wurde der Stab zu einer Schlange, und Mose floh vor ihr. Auf Gottes Wort packte er sie beim Schwanz, und in seiner Hand wurde sie wieder zum Stab. Dann steckte er die Hand in sein Gewand, und als er sie herauszog, war sie vom Aussatz weiß wie Schnee. Er steckte sie noch einmal hinein, und sie war wieder gesund.

„Ach, Gott, ich konnte noch nie gut reden“, klagte Mose. „Schick doch einen anderen!“

Da wurde Gott zornig über Mose. „Ist da nicht dein Bruder Aaron? Er kann gut reden, und er ist schon unterwegs zu dir. Er soll für dich zum Volk sprechen. Und nimm diesen Stab in die Hand, mit ihm wirst du die Zeichen tun.“

Mose bat Jitro, nach Ägypten zurückkehren zu dürfen, und Jitro sagte: „Geh in Frieden.“ Die Männer, die Mose hatten töten wollen, waren tot. So setzte Mose seine Familie auf einen Esel und machte sich auf den Weg, den Stab Gottes in der Hand.

Unterwegs, in einer Herberge, trat Gott Mose entgegen und wollte ihn töten. Da nahm Zippora einen scharfen Stein und beschnitt ihren Sohn. Sie berührte die Füße ihres Mannes und sagte: „Ein Blutbräutigam bist du mir.“ Da ließ Gott von Mose ab.

Am Berg Gottes kam Aaron seinem Bruder entgegen und küsste ihn, und Mose erzählte ihm alles, was Gott gesagt hatte. Dann riefen die beiden die Ältesten der Israeliten zusammen. Aaron redete zu ihnen und tat vor dem Volk die Zeichen. Da glaubten die Leute, verneigten sich und beteten.

Inzwischen herrschte ein neuer Pharao über Ägypten. Mose war achtzig Jahre alt und Aaron dreiundachtzig, als sie vor ihn traten. Aaron führte das Wort: „So sagt Gott, der Gott Israels: Lass mein Volk ziehen! Es soll mir in der Wüste ein Fest feiern.“

„Wer ist dieser Gott, dass ich auf ihn hören soll?“, antwortete der Pharao. „Ich kenne ihn nicht, und ich lasse Israel nicht ziehen. Zurück an die Arbeit!“

Noch am selben Tag befahl er den Aufsehern: „Gebt dem Volk kein Stroh mehr für die Ziegel. Sie sollen es selbst sammeln und trotzdem so viele Ziegel machen wie bisher.“

Nun mussten die Israeliten überall Stoppeln sammeln, und weil die Ziegel nicht reichten, wurden die israelitischen Vorarbeiter geschlagen. Sie beklagten sich beim Pharao, doch er rief nur: „Faul seid ihr, faul!“

Auf dem Rückweg begegneten die Vorarbeiter Mose und Aaron. „Gott soll über euch richten!“, riefen sie. „Ihr habt uns beim Pharao verhasst gemacht.“

Da wandte sich Mose an Gott: „Warum tust du diesem Volk so Böses an? Seit ich mit dem Pharao geredet habe, quält er es noch mehr.“

„Jetzt wirst du sehen, was ich mit dem Pharao tue“, sagte Gott. „Er wird sie ziehen lassen, ja, er wird sie aus seinem Land jagen.“

Wieder traten Mose und Aaron vor den Pharao, und Aaron warf seinen Stab hin. Er wurde zur Schlange. Die Zauberer des Pharaos warfen ihre Stäbe hin, und auch daraus wurden Schlangen. Aber Aarons Stab verschlang ihre Stäbe. Trotzdem blieb das Herz des Pharaos hart.

In einer Säulenhalle richtet sich vor Aaron eine Schlange auf, Mose steht mit seinem Stab daneben, und der Pharao beugt sich erschrocken von seinem Thron vor.

Am Morgen erwartete Mose den Pharao am Nil. „Gott sagt: Lass mein Volk ziehen!“ Dann schlug Aaron mit dem Stab ins Wasser, und der Nil wurde zu Blut. Die Fische starben, der Fluss stank, und niemand konnte daraus trinken. Die Zauberer konnten das auch, und der Pharao blieb hart.

Wieder sagte Mose: „Lass mein Volk ziehen!“ Der Pharao weigerte sich, und Frösche kamen aus dem Wasser und bedeckten das Land. Da bat der Pharao: „Betet zu eurem Gott, dass er die Frösche fortnimmt, dann lasse ich euch ziehen.“ Mose betete, und die Frösche starben. Die Leute schichteten sie zu Haufen, und das ganze Land stank. Kaum aber hatte der Pharao Ruhe, verhärtete er sein Herz.

Dann schlug Aaron in den Staub, und der Staub wurde zu Stechmücken, die über Menschen und Tiere herfielen. Diesmal gelang es den Zauberern nicht. „Das ist der Finger Gottes“, sagten sie zum Pharao. Doch er hörte nicht auf Mose und Aaron.

„Lass mein Volk ziehen!“, sagte Mose. Da kamen Fliegenschwärme über ganz Ägypten, nur das Land Goschen, wo die Israeliten wohnten, blieb frei davon. Der Pharao versprach, das Volk ziehen zu lassen, doch als die Fliegen fort waren, hielt er sein Wort nicht.

„Lass mein Volk ziehen!“, sagte Mose. Am nächsten Tag kam eine Seuche über das Vieh der Ägypter, und ihre Pferde, Esel, Kamele, Rinder und Schafe starben. Vom Vieh der Israeliten starb kein einziges Tier. Trotzdem ließ der Pharao das Volk nicht ziehen.

Mose warf Ruß aus dem Ofen zum Himmel, und an Menschen und Tieren brachen Geschwüre auf, auch an den Zauberern. Doch das Herz des Pharaos blieb hart.

„Lass mein Volk ziehen!“, sagte Mose. „Sonst schickt Gott einen Hagel, wie Ägypten ihn noch nie erlebt hat. Wer auf dem Feld bleibt, wird sterben.“ Mose streckte seinen Stab zum Himmel, und Donner, Hagel und Feuer fuhren über das Land. Der Hagel erschlug alle Menschen und Tiere, die auf den Feldern waren, und knickte die Bäume. Nur im Land Goschen fiel kein Hagel.

„Diesmal habe ich gesündigt“, sagte der Pharao. „Betet zu eurem Gott, es ist genug! Ich lasse euch ziehen.“ Mose breitete die Hände aus, und der Hagel hörte auf. Doch kaum war es still, verhärtete der Pharao sein Herz von Neuem.

„Lass mein Volk ziehen!“, sagten Mose und Aaron. „Sonst kommen Heuschrecken.“ Die Diener des Pharaos flehten ihn an: „Siehst du nicht, dass Ägypten zugrunde geht?“ Der Pharao aber wollte nur die Männer gehen lassen, und man jagte die beiden hinaus.

Ein Ostwind wehte einen ganzen Tag und eine ganze Nacht, und am Morgen brachte er die Heuschrecken. Sie bedeckten das Land so dicht, dass es davon ganz dunkel wurde, und fraßen alles, was der Hagel übrig gelassen hatte. Eilig bat der Pharao um Vergebung, und ein starker Westwind trug die Heuschrecken ins Rote Meer. Aber das Herz des Pharaos blieb hart.

Dann streckte Mose die Hand zum Himmel, und eine Finsternis legte sich über Ägypten, so dicht, dass man sie greifen konnte. Drei Tage lang sah keiner den anderen. Nur bei den Israeliten war es hell in ihren Häusern.

„Geht, auch mit euren Kindern“, sagte der Pharao. „Nur eure Schafe und Rinder bleiben hier.“

„Unser Vieh geht mit uns“, antwortete Mose. „Nicht eine Klaue bleibt zurück.“

„Geh mir aus den Augen!“, rief der Pharao. „An dem Tag, an dem du mich wiedersiehst, musst du sterben.“

„Wie du sagst“, antwortete Mose. „Aber so sagt Gott: Um Mitternacht wird in Ägypten jeder älteste Sohn sterben, vom Sohn des Pharaos bis zum Sohn der Magd an der Mühle, und auch das erstgeborene Vieh. Bei den Israeliten aber wird nicht einmal ein Hund bellen.“ Voller Zorn ging Mose hinaus.

Gott sagte Mose und Aaron, was die Israeliten tun sollten. Jedes Haus sollte ein einjähriges Lamm schlachten und mit seinem Blut die beiden Türpfosten und den Balken darüber bestreichen. In der Nacht sollten sie das Fleisch braten und mit ungesäuertem Brot und bitteren Kräutern essen, die Schuhe an den Füßen und den Stab in der Hand, bereit zum Aufbruch.

„Das ist das Pessachfest“, sagte Gott. „Wenn ich das Blut an euren Türen sehe, gehe ich an euch vorüber. Diesen Tag sollt ihr feiern, für alle Zeit.“ Die Israeliten taten alles, wie Gott es befohlen hatte, und niemand ging vor dem Morgen aus dem Haus.

Bei einer Öllampe isst eine Familie Lamm, Brot und grüne Kräuter, fast alle halten einen Stab; an Türpfosten und Balken sind dunkelrote Spuren zu sehen.

Um Mitternacht starb in Ägypten jeder älteste Sohn, vom Sohn des Pharaos auf dem Thron bis zum Sohn des Gefangenen im Kerker, und auch das erstgeborene Vieh. Ein großes Wehklagen ging durch das Land, denn es gab kein Haus, in dem nicht ein Toter lag.

Noch in der Nacht ließ der Pharao Mose und Aaron rufen. „Zieht fort von meinem Volk, ihr und die Israeliten! Geht und dient eurem Gott, wie ihr gesagt habt. Nehmt auch eure Schafe und Rinder mit. Und segnet auch mich.“

Die Ägypter drängten das Volk zur Eile, denn sie sagten: „Sonst sind wir alle tot.“ Die Israeliten nahmen ihren Brotteig, noch bevor er aufgegangen war, und trugen ihn in Tücher gewickelt auf den Schultern.

So zogen die Israeliten von Ramses fort, sechshunderttausend Männer zu Fuß, dazu die Frauen und Kinder und große Herden.

Gott führte sie nicht auf der kurzen Straße durch das Land der Philister, damit das Volk nicht beim ersten Kampf den Mut verlor und umkehrte. Er führte sie durch die Wüste zum Roten Meer. Am Tag zog er in einer Wolkensäule vor ihnen her, in der Nacht in einer Feuersäule, die ihnen leuchtete.

Als man dem Pharao meldete, dass das Volk fort war, bereute er, dass er es hatte ziehen lassen. Er ließ seinen Wagen anspannen und jagte ihnen mit sechshundert der besten Streitwagen nach. Am Meer, wo die Israeliten ihr Lager aufgeschlagen hatten, holten die Ägypter sie ein.

Als die Israeliten die Ägypter herankommen sahen, fürchteten sie sich sehr. „Gab es in Ägypten nicht genug Gräber?“, riefen sie Mose zu. „Musstest du uns zum Sterben in die Wüste führen?“

„Fürchtet euch nicht!“, rief Mose. „Bleibt stehen und seht, wie Gott euch heute rettet. Die Ägypter, die ihr heute seht, werdet ihr niemals wiedersehen. Gott wird für euch kämpfen, und ihr sollt still sein.“

„Sag den Israeliten, sie sollen weiterziehen“, sagte Gott zu Mose. „Du aber heb deinen Stab, streck die Hand über das Meer aus und teile es.“

Da zog die Wolkensäule nach hinten und stellte sich zwischen das Lager der Ägypter und das Lager Israels. Die ganze Nacht über kamen die beiden Lager einander nicht nahe.

Mose streckte seine Hand über das Meer aus. Die ganze Nacht ließ Gott einen starken Ostwind wehen, bis der Meeresboden trocken war. Das Wasser teilte sich, und die Israeliten gingen mitten durch das Meer auf trockenem Grund. Rechts und links von ihnen stand das Wasser wie eine Mauer.

Mose streckt die Hand über das Meer aus, zwischen zwei hohen Wasserwänden ziehen Familien mit Bündeln und Schafen, darüber steht eine große Wolke.

Die Ägypter jagten ihnen nach, mit allen Pferden, Wagen und Reitern des Pharaos. Gegen Morgen brachte Gott ihr Heer in Verwirrung, und die Räder lösten sich von ihren Wagen. „Lasst uns fliehen!“, riefen die Ägypter. „Ihr Gott kämpft für sie gegen uns.“

„Streck deine Hand über das Meer aus“, sagte Gott zu Mose, „damit das Wasser über die Ägypter zurückkommt.“

Mose streckte die Hand aus, und als der Morgen anbrach, kehrte das Meer an seinen Ort zurück. Das Wasser bedeckte die Wagen, die Reiter und das ganze Heer des Pharaos, und nicht einer von ihnen blieb übrig.

So rettete Gott an diesem Tag Israel aus der Hand der Ägypter. Die Israeliten sahen die Ägypter tot am Ufer des Meeres liegen. Da fürchtete das Volk Gott und glaubte an ihn und an seinen Diener Mose.

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Nacherzählt von Talerie, Quelle: Lutherbibel 1912 (wird in einem neuen Fenster geöffnet) Gemeinfrei

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Über diese biblische Geschichte

„Mose“ ist kein Märchen, sondern eine Geschichte aus der Bibel. Sie steht in den Kapiteln 1 bis 14 des Buches Exodus, des zweiten Buches der Bibel, das die Lutherbibel „Das 2. Buch Mose“ nennt. Wer diese Kapitel aufgeschrieben hat, steht nirgends darin. Wir haben sie nach der Lutherbibel 1912 nacherzählt.

Wir erzählen in heutigem Deutsch, nicht in Luthers Sprache, von der Zeit, als Jakob mit seinen Söhnen nach Ägypten kam, bis zum Zug durch das Meer. Beide Fassungen dieser Seite stammen von uns: „Sanfter“ ist kürzer, „Original“ hält sich enger an die Kapitel und gibt etwa die Regeln für das Pessachfest ausführlicher wieder.

Die Lutherbibel 1912 und unsere Nacherzählung

Lutherbibel 1912Unsere Nacherzählung
Die HebammenSiphra und PuaSchifra und Pua
Der Fluss„ins Wasser“, „am Ufer des Wassers“„in den Nil“, „am Ufer des Nils“
Das Gefäß„ein Kästlein von Rohr“„ein Körbchen aus Schilfrohr“
Priester von Midianerst Reguel, später Jethrovon Anfang an Jitro
Gottes Name„ICH WERDE SEIN, DER ICH SEIN WERDE“„Ich bin, der ich bin“
Das MeerSchilfmeerRotes Meer
Beim Auszug„sechshunderttausend Mann zu Fuß ohne die Kinder“nur in „Sanfter“: „dazu die Frauen und Kinder“
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Lass mein Volk ziehen! Es soll mir in der Wüste ein Fest feiern.
2. Mose 5,1, Lutherbibel 1912: Laß mein Volk ziehen, daß mir's ein Fest halte in der Wüste.

Was in unserer Nacherzählung geschieht

Eine Frau aus dem Stamm Levi versteckt ihren Sohn drei Monate lang und setzt ihn dann in einem Körbchen ins Schilf am Nil. Die Tochter des Pharaos findet ihn, seine Schwester holt die Mutter als Amme, und als der Junge größer ist, gibt ihm die Tochter des Pharaos den Namen Mose: „Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen.“ Mose flieht nach Midian, heiratet Zippora und hört am Horeb Gott aus dem brennenden Dornbusch. Mit achtzig Jahren tritt er zusammen mit Aaron vor den Pharao. Es folgen die Plagen, vom Blut im Nil bis zu der Nacht, in der in Ägypten jeder älteste Sohn stirbt, dann der Auszug und der Weg durch das Meer. Kein Pharao trägt einen Namen; Ramses ist hier eine der Städte, die die Israeliten bauen müssen. Am Ende bedeckt das Meer das Heer des Pharaos; ob er selbst ertrinkt, bleibt offen.

Die sanftere Fassung ist kürzer, lässt aber die schweren Stellen nicht weg: den Befehl, die neugeborenen Jungen zu töten, den Ägypter, den Mose erschlägt, die Begegnung in der Herberge, bei der Zippora ihren Sohn beschneidet, den Tod der ältesten Söhne und das ertrinkende Heer. Jede dieser Stellen ist nur wenige Sätze lang, und es hilft, sie vor dem Vorlesen zu kennen.

Josef davor, die Zehn Gebote danach

Das Buch Exodus setzt dort ein, wo die Geschichte Josefs in der Bibel aufhört. Nach dem Tod Josefs und seiner Brüder heißt es bei Luther: „Da kam ein neuer König auf in Ägypten, der wußte nichts von Joseph.“ Auch unser Text nennt Josef gleich im ersten Absatz. Bei uns erzählt „Josef und seine Brüder“ einen früheren Teil seiner Geschichte und endet dort, wo Jakob zu Josef ziehen will, um seinen Sohn vor dem eigenen Tod noch zu sehen; Josefs Tod kommt darin nicht vor.

Die Zehn Gebote gehören nicht zu dieser Geschichte. Sie stehen erst in Kapitel 20, und auch das Lied, das Mose und die Israeliten nach dem Zug durch das Meer singen, folgt erst in Kapitel 15. Unsere Nacherzählung hört mit Kapitel 14 auf: Das Volk fürchtet Gott und glaubt an ihn und an seinen Diener Mose.

Quellen

Historische Fassungen

Am 30. Oktober 2026 mit diesen Quellen abgeglichen.

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