
Adam und Eva
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Im Garten Eden darf Adam von allen Bäumen essen, nur vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse nicht. Aus einer seiner Rippen baut Gott eine Frau, die zu ihm passt. Doch die Schlange, listiger als alle anderen Tiere, will von ihr wissen, was Gott über die Bäume gesagt hat.
Als Gott Himmel und Erde gemacht hatte, wuchs auf dem Land noch kein Strauch und kein Kraut. Gott hatte es noch nicht regnen lassen, und es gab auch keinen Menschen, der den Boden bebaute. Nur ein feiner Nebel stieg aus der Erde auf und machte alles Land feucht.
Da nahm Gott Erde vom Boden und formte daraus einen Menschen. Dann blies Gott ihm den Atem des Lebens in die Nase, und so wurde der Mensch lebendig. Das war Adam, der erste Mensch.
Im Osten, in Eden, pflanzte Gott einen Garten und setzte Adam hinein. Er ließ dort allerlei Bäume aus der Erde wachsen, schön anzusehen und voller Früchte, die gut zu essen waren. Mitten im Garten standen zwei besondere Bäume: der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Ein Strom floss aus Eden heraus und bewässerte den ganzen Garten.
Adam sollte den Garten pflegen und behüten. Gott sagte zu ihm: „Von allen Bäumen im Garten darfst du essen. Nur vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen. An dem Tag, an dem du davon isst, musst du sterben.“
Dann sagte Gott: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ihm eine Gefährtin machen, die zu ihm passt.“
Aus der Erde hatte Gott alle Tiere auf dem Feld und alle Vögel am Himmel gemacht. Nun brachte er sie zu Adam, denn er wollte sehen, wie Adam sie nennen würde, und jedes sollte so heißen, wie Adam es nannte. Sie kamen eins nach dem anderen, große und kleine, und Adam gab jedem Tier und jedem Vogel seinen Namen. Aber unter ihnen allen war keines, das zu ihm passte.

Da ließ Gott einen tiefen Schlaf über Adam kommen. Während er schlief, nahm Gott eine seiner Rippen heraus und schloss die Stelle wieder mit Fleisch. Aus der Rippe baute er eine Frau und brachte sie zu Adam.
Adam rief: „Endlich! Sie ist Knochen von meinen Knochen und Fleisch von meinem Fleisch. Frau soll sie heißen, denn aus dem Mann ist sie genommen.“
Darum verlässt ein Mann Vater und Mutter und hält zu seiner Frau, und die beiden werden eins.
Adam und seine Frau waren beide nackt, und sie schämten sich nicht.
Die Schlange aber war listiger als alle anderen Tiere, die Gott gemacht hatte. Eines Tages sagte sie zu der Frau: „Hat Gott wirklich gesagt, ihr dürft von keinem Baum im Garten essen?“
Die Frau antwortete: „Wir dürfen von den Früchten der Bäume im Garten essen. Nur über den Baum mitten im Garten hat Gott gesagt: ‚Esst nicht von seiner Frucht und rührt sie nicht an, sonst müsst ihr sterben.‘“
„Ihr werdet ganz bestimmt nicht sterben“, sagte die Schlange. „Gott weiß genau: An dem Tag, an dem ihr davon esst, gehen euch die Augen auf. Dann werdet ihr wie Gott sein und wissen, was gut und böse ist.“
Die Frau betrachtete den Baum. Seine Früchte sahen köstlich aus, er war eine Freude fürs Auge, und es war verlockend, durch ihn klug zu werden. Da nahm sie von der Frucht und aß. Sie gab auch ihrem Mann davon, und er aß ebenfalls.
Im selben Augenblick gingen beiden die Augen auf, und sie merkten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich daraus Schurze.
Als es gegen Abend kühler wurde, hörten sie Gott im Garten umhergehen. Da versteckten sich Adam und seine Frau zwischen den Bäumen, damit Gott sie nicht sah.

Gott rief nach Adam: „Wo bist du?“
„Ich habe dich im Garten gehört und mich gefürchtet, weil ich nackt bin“, antwortete Adam. „Darum habe ich mich versteckt.“
„Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?“, fragte Gott. „Hast du etwa von dem Baum gegessen, von dem du nicht essen solltest?“
Adam sagte: „Die Frau, die du mir an die Seite gestellt hast, hat mir von dem Baum gegeben, und ich habe gegessen.“
Da fragte Gott die Frau: „Was hast du da getan?“
„Die Schlange hat mich überlistet, und da habe ich gegessen“, sagte die Frau.
Nun wandte sich Gott an die Schlange: „Weil du das getan hast, sollst du verflucht sein, mehr als alles Vieh und alle wilden Tiere. Auf dem Bauch sollst du kriechen und Erde fressen, dein Leben lang. Ich setze Feindschaft zwischen dich und die Frau, zwischen deine Nachkommen und ihre Nachkommen. Sie werden dir den Kopf zertreten, und du wirst sie in die Ferse beißen.“
Zu der Frau sagte Gott: „Wenn du schwanger bist, wirst du große Beschwerden haben, und unter Schmerzen wirst du deine Kinder zur Welt bringen. Du wirst dich nach deinem Mann sehnen, und er wird über dich bestimmen.“
Zuletzt sagte Gott zu Adam: „Weil du auf deine Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem ich dir gesagt habe: ‚Du sollst nicht davon essen‘, ist der Acker deinetwegen verflucht. Mühsam wirst du dich von ihm ernähren, dein Leben lang. Dornen und Disteln wird er dir wachsen lassen, und du wirst essen, was auf dem Feld wächst. Für dein Brot wirst du hart arbeiten und schwitzen, bis du zur Erde zurückkehrst, von der du genommen bist. Denn aus Erde bist du gemacht, und zu Erde wirst du wieder werden.“
Adam gab seiner Frau den Namen Eva, denn sie sollte die Mutter aller Lebenden werden.
Gott machte Adam und Eva Kleider aus Fellen und zog sie ihnen an.
Dann sagte Gott: „Nun ist der Mensch geworden wie einer von uns und weiß, was gut und böse ist. Er darf nicht auch noch seine Hand nach dem Baum des Lebens ausstrecken, von seiner Frucht essen und ewig leben.“

So schickte Gott Adam aus dem Garten Eden hinaus, damit er draußen den Acker bebaute, aus dessen Erde er gemacht war. Östlich vom Garten stellte Gott die Cherubim auf und dazu ein flammendes Schwert, das sich nach allen Seiten drehte. Die Cherubim und das Schwert bewachten von nun an den Weg zum Baum des Lebens.
Nacherzählt von Talerie, Quelle: Lutherbibel 1912 (wird in einem neuen Fenster geöffnet) Gemeinfrei Diesen Text darfst du kopieren, bearbeiten und frei verwenden. Über einen Link zu Talerie freuen wir uns, nötig ist er nicht. CC0 1.0 (wird in einem neuen Fenster geöffnet)
