Zum Inhalt springen
Auf einem Feldweg schaut ein magerer grauer Wolf auf die kahl gescheuerte, rosa Stelle am Hals des dicken Hofhunds. In der Ferne liegt eine Stadt im Abendrot.

Der Wolf und der Hund

Äsop

2 Min. Lesezeit ab 4 Jahren

Ein magerer Wolf, vor Hunger fast am Ende, trifft auf einen dicken Hofhund. Der Hund rät ihm, es wie er zu machen und sich eine ordentliche Arbeit zu suchen: Dann hätte der Wolf jeden Tag Futter und keine Sorgen mehr.


Ein magerer Wolf war vor Hunger schon fast am Ende, als ihm eines Tages ein Hofhund über den Weg lief. Der Hund war dick und wohlgenährt.

„Ach, Vetter“, sagte der Hund, „das habe ich kommen sehen. Dein Herumstreunen bringt dich noch ins Grab. Warum suchst du dir nicht eine ordentliche Arbeit wie ich? Dann hättest du jeden Tag dein Futter und müsstest dir keine Sorgen machen.“

„Nichts lieber als das“, sagte der Wolf. „Wenn ich nur eine Stelle fände.“

„Das lässt sich leicht einrichten“, sagte der Hund. „Komm mit zu meinem Herrn, dann teilen wir uns die Arbeit.“

Da machten sich die beiden zusammen auf den Weg in die Stadt. Unterwegs bemerkte der Wolf, dass dem Hund das Fell an einer Stelle am Hals fast ganz abgescheuert war, und fragte ihn, woher das komme.

„Ach was, das ist doch nichts“, sagte der Hund. „Da kommt nachts das Halsband hin, damit man mich an die Kette legen kann. Es scheuert ein bisschen, aber daran gewöhnt man sich bald.“

„Weiter nichts?“, sagte der Wolf. „Dann leb wohl, Herr Hund.“

Der magere Wolf mit sichtbaren Rippen trottet allein vom Feldweg auf den dunklen Waldrand zu, hinter ihm liegt die Stadt mit Kirchturm im Abendlicht.

Und er ging seiner Wege, so hungrig wie zuvor.

Wie hat dir diese Fabel gefallen?

Nacherzählt von Talerie, Quelle: The Fables of Aesop (wird in einem neuen Fenster geöffnet) Gemeinfrei