
Die Stadtmaus und die Landmaus
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Die Stadtmaus schiebt die Gerstenkörner der Landmaus beiseite und nimmt ihre Freundin mit in eine volle Speisekammer. Als dort zweimal die Tür aufgeht und überall Gefahren lauern, hat die Landmaus genug: Sie geht nach Hause, wo sie ihre Wurzeln und Körner in Ruhe essen kann.
Es waren einmal zwei Mäuse, die sich gut kannten. Die eine wohnte in der Stadt, die andere draußen auf dem Land, zwischen Feldern und Wiesen. Eines Tages lud die Landmaus die Stadtmaus zu sich nach Hause ein.
Die Stadtmaus kam gern. Die beiden setzten sich zum Essen, und die Landmaus tischte auf, was sie hatte: ein paar Gerstenkörner und einige Wurzeln, die noch kräftig nach Erde schmeckten.
Der Gast knabberte ein wenig daran herum, aber so richtig schmecken wollte es ihm nicht. Schließlich schob die Stadtmaus ihr Korn beiseite.

„Du Arme“, sagte sie, „du lebst hier ja nicht besser als eine Ameise! Du solltest einmal sehen, wie es bei mir zugeht. Meine Vorratskammer ist voll bis obenhin. Komm doch mit zu mir, dann lebst du wie die Made im Speck, das verspreche ich dir.“
Als die Stadtmaus nach Hause zurückkehrte, nahm sie die Landmaus gleich mit. Sie führte sie in eine große Speisekammer. Da gab es Mehl und Haferflocken, Feigen, Honig und Datteln.
So etwas hatte die Landmaus noch nie gesehen. Mit großen Augen setzte sie sich hin und machte sich über all die Köstlichkeiten her, die ihre Freundin ihr anbot.
Doch kaum hatten sie angefangen, da ging die Tür der Speisekammer auf, und jemand kam herein. Die beiden Mäuse huschten davon und zwängten sich in ein Loch, so eng und unbequem, dass sie sich kaum rühren konnten.
Nach einer Weile war alles wieder still, und sie wagten sich vorsichtig heraus. Aber kaum saßen sie wieder beim Essen, da ging die Tür von Neuem auf, und wieder kam jemand herein. Und wieder rannten die Mäuse, so schnell sie konnten, zurück in ihr Versteck.
Da hatte die Landmaus genug.
„Leb wohl“, sagte sie zu ihrer Freundin. „Ich gehe nach Hause. Du lebst hier im Überfluss, das sehe ich wohl. Aber überall lauern Gefahren. Bei mir daheim gibt es nur Wurzeln und Körner, doch die esse ich in Ruhe.“
Nacherzählt von Talerie, Quelle: Aesop's Fables: a new translation (wird in einem neuen Fenster geöffnet)
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