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Ein Mann mit offenen Händen und eine Frau mit Laterne beugen sich in der Tür eines Stalls über ein goldenes Ei, das in einem Nest aus Stroh am Boden liegt.

Die Gans, die goldene Eier legt

Äsop

2 Min. Lesezeitab 4 Jahren

Ein Mann und seine Frau besitzen eine Gans, die jeden Morgen ein Ei aus reinem Gold ins Nest legt, doch bald ist den beiden ein Ei am Tag nicht mehr genug. Weil sie glauben, in der Gans stecke lauter Gold, schlachten sie das Tier, doch es ist eine Gans wie jede andere, und nie wieder liegt ein goldenes Ei im Nest.


Ein Mann und seine Frau besaßen eine Gans, die etwas ganz Besonderes konnte: Jeden Morgen lag in ihrem Nest ein Ei aus reinem Gold. Das ging Tag für Tag so, und nie blieb das Nest leer. Mit der Zeit kamen die beiden zu Wohlstand und hätten eigentlich zufrieden sein können.

Doch bald ging ihnen das nicht mehr schnell genug. Ein einziges Ei am Tag, dachten sie, da dauert es ja noch Jahre, bis man wirklich reich ist.

Eines Abends saßen sie bei Kerzenlicht am Küchentisch. Der Mann drehte das Ei, das die Gans an diesem Tag gelegt hatte, zwischen den Fingern und hielt es nachdenklich ins Licht.

„Woher mag das ganze Gold nur kommen?“, fragte er.

Die Frau beugte sich vor und zeigte hinaus zum Hof, wo die Gans im Stall schlief. „Wer goldene Eier legt, muss doch innen selbst aus Gold sein.“

Der Mann runzelte die Stirn, aber der Gedanke ließ ihn nicht mehr los. „Dann hätten wir alles auf einmal“, sagte er langsam, „und müssten nicht jeden Tag auf ein einzelnes Ei warten.“

Mann und Frau am Küchentisch bei Kerzenlicht: Er hält ein goldenes Ei zwischen den Fingern und runzelt die Stirn, sie beugt sich vor und zeigt auf das Ei.

Sie redeten noch lange hin und her, und als die Kerze heruntergebrannt war, waren sie sich einig.

Am nächsten Morgen schlachteten sie die Gans. Doch als sie nachsahen, fanden sie kein bisschen Gold. Innen war sie genau wie jede andere Gans auch.

Da standen sie nun. Reich auf einen Schlag waren sie nicht geworden, und das goldene Ei, das jeden Morgen im Nest gelegen hatte, würde es nie wieder geben.

Nacherzählt von Talerie, Quelle: Aesop's Fables: a new translation (wird in einem neuen Fenster geöffnet)

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