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Ein Mädchen mit rabenschwarzem Haar und roter Schleife steht auf einer moosigen Waldlichtung, umgeben von Tieren, dahinter sieben Fenster.Original

Schneewittchen

Brüder Grimm

16 Min. Lesezeitab 8 Jahren

Eine eifersüchtige Königin lässt Schneewittchen aussetzen und versucht sie mehrmals zu töten, bis ein vergifteter Apfel sie in einen gläsernen Sarg bringt. Ein Prinz erweckt sie zum Leben und heiratet sie, während die Stiefmutter bei der Hochzeit in glühenden Eisenschuhen tanzen muss, bis sie tot zu Boden fällt.


Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel. Eine Königin saß an einem Fenster mit einem Rahmen aus schwarzem Ebenholz und nähte. Während sie so nähte und immer wieder zum Schnee hinaufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und drei Tropfen Blut fielen in den Schnee. Das Rot sah so schön aus im weißen Schnee, dass die Königin dachte: Hätte ich doch ein Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz an diesem Rahmen. Bald darauf bekam sie ein Töchterchen, das war weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarzhaarig wie Ebenholz, und darum nannte man es Schneewittchen. Doch kaum war das Kind geboren, da starb die Königin.

Nach einem Jahr nahm sich der König eine andere Frau. Sie war schön, aber stolz und hochmütig, und sie konnte es nicht ertragen, dass jemand sie an Schönheit übertraf. Sie besaß einen wunderbaren Spiegel. Immer wenn sie vor ihn trat und sich betrachtete, fragte sie:

Spieglein, Spieglein an der Wand,wer ist die Schönste im ganzen Land?

Dann antwortete der Spiegel:

Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.

Da war sie zufrieden, denn sie wusste, dass der Spiegel die Wahrheit sagte.

Schneewittchen aber wuchs heran und wurde von Jahr zu Jahr schöner. Als es sieben Jahre alt war, war es schön wie der klare Tag, schöner sogar als die Königin selbst. Eines Tages fragte diese wieder ihren Spiegel:

Spieglein, Spieglein an der Wand,wer ist die Schönste im ganzen Land?

Und er antwortete:

Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,doch Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.

Da erschrak die Königin und wurde gelb und grün vor Neid. Von diesem Augenblick an drehte sich ihr das Herz im Leib um, sooft sie Schneewittchen erblickte, so sehr hasste sie das Mädchen. Neid und Hochmut wuchsen in ihrem Herzen wie Unkraut, immer höher, bis sie weder bei Tag noch bei Nacht mehr zur Ruhe kam. Sie rief einen Jäger zu sich und sagte: „Bring das Kind hinaus in den Wald, ich will es nie mehr vor Augen haben. Du sollst es töten und mir Lunge und Leber als Beweis mitbringen.“

Der Jäger gehorchte und führte Schneewittchen hinaus in den Wald. Doch als er sein Messer zog, um ihr unschuldiges Herz zu durchbohren, fing sie an zu weinen und sagte: „Ach, lieber Jäger, lass mir mein Leben. Ich will tief in den Wald laufen und nie mehr nach Hause kommen.“

Weil sie so schön war, hatte der Jäger Mitleid mit ihr. „So lauf, du armes Kind“, sagte er. Er dachte, die wilden Tiere würden sie ohnehin bald fressen, und doch war ihm, als sei ein Stein von seinem Herzen gefallen, weil er sie nicht zu töten brauchte. In diesem Moment kam ein junger Frischling vorbeigesprungen, und der Jäger erstach ihn, nahm Lunge und Leber heraus und brachte sie der Königin als Beweis. Der Koch musste sie in Salz kochen, und die boshafte Frau aß sie auf, in dem Glauben, es seien Schneewittchens Lunge und Leber.

Eine Königin in dunklem Gewand blickt in einen goldverzierten Zauberspiegel mit geisterhaftem Gesicht, dahinter beobachtet sie heimlich eine junge Frau.

Nun war das arme Kind mutterseelenallein in dem großen Wald, und es bekam solche Angst, dass es jedes Blatt an den Bäumen anstarrte und nicht wusste, wie ihm zu helfen sei. Es fing an zu laufen, über spitze Steine und durch Dornen, und die wilden Tiere sprangen an ihm vorbei, ohne ihm etwas zu tun. Es lief, so lange die Füße es noch trugen, bis es fast Abend war. Da sah es ein kleines Häuschen und ging hinein, um sich auszuruhen. Drinnen war alles klein, aber so hübsch und reinlich, wie man es sich kaum vorstellen kann. Da stand ein weiß gedeckter Tisch mit sieben kleinen Tellern, auf jedem lag ein kleiner Löffel, dazu sieben kleine Messer und Gabeln und sieben kleine Becher. An der Wand standen sieben Bettchen nebeneinander, mit schneeweißen Laken bedeckt. Weil Schneewittchen so hungrig und durstig war, aß es von jedem Teller ein wenig Gemüse und Brot und trank aus jedem Becher einen Schluck Wein, denn es wollte keinem alles wegnehmen. Danach, weil es so müde war, legte es sich in ein Bett, doch keines passte: das eine war zu lang, das andere zu kurz, bis endlich das siebte richtig war. Darin blieb es liegen, befahl sich Gott und schlief ein.

Als es ganz dunkel geworden war, kamen die Herren des Häuschens nach Hause: das waren die sieben Zwerge, die in den Bergen nach Erz gruben. Sie zündeten ihre sieben Lichter an, und als es hell im Haus wurde, sahen sie, dass jemand dort gewesen war, denn nicht mehr alles stand so, wie sie es verlassen hatten.

„Wer hat auf meinem Stühlchen gesessen?“, fragte der Erste.

„Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?“, fragte der Zweite.

„Wer hat von meinem Brötchen genascht?“, fragte der Dritte.

„Wer hat von meinem Gemüse probiert?“, fragte der Vierte.

„Wer hat mit meiner Gabel gegessen?“, fragte der Fünfte.

„Wer hat mit meinem Messer geschnitten?“, fragte der Sechste.

„Wer hat aus meinem Becherchen getrunken?“, fragte der Siebte.

Dann sah sich der Erste um, entdeckte eine kleine Delle in seinem Bett und rief: „Wer hat in meinem Bettchen gelegen?“

„In meinem hat auch jemand gelegen!“, riefen die anderen und liefen herbei.

Der Siebte aber, als er in sein Bett schaute, erblickte Schneewittchen, das darin lag und schlief. Er rief die anderen herbei, und sie kamen gelaufen und schrien vor Verwunderung. Sie holten ihre sieben Lichter und leuchteten auf Schneewittchen.

„Ei, du meine Güte, ei, du meine Güte!“, riefen sie, „was ist das Kind so schön!“ Sie hatten so große Freude, dass sie es nicht weckten, sondern im Bettchen weiterschlafen ließen. Der siebte Zwerg schlief bei seinen Gefährten, bei jedem eine Stunde, bis die Nacht vorüber war.

Eine junge Frau geht in einen sonnigen Wald aus Farnen und Wildblumen und blickt zurück, während ein bärtiger Mann im grünen Umhang ihr freundlich zuwinkt.

Als es Morgen wurde, erwachte Schneewittchen, und als es die sieben Zwerge sah, erschrak es. Doch sie waren freundlich und fragten: „Wie heißt du?“

„Ich heiße Schneewittchen“, antwortete es.

„Wie bist du in unser Haus gekommen?“, fragten die Zwerge weiter.

Da erzählte es ihnen, dass seine Stiefmutter es hatte umbringen lassen wollen, dass der Jäger ihm aber das Leben geschenkt habe und dass es den ganzen Tag gelaufen sei, bis es endlich ihr Häuschen gefunden habe.

Die Zwerge sagten: „Willst du unseren Haushalt führen, kochen, die Betten machen, waschen, nähen und stricken, und willst du alles ordentlich und sauber halten, dann kannst du bei uns bleiben, und es soll dir an nichts fehlen.“

„Ja“, sagte Schneewittchen, „von Herzen gern“, und blieb bei ihnen.

Es hielt ihnen das Haus in Ordnung. Morgens gingen die Zwerge in die Berge, um nach Erz und Gold zu suchen, abends kamen sie zurück, und dann musste ihr Essen bereitstehen. Tagsüber war das Mädchen allein, und die guten Zwerge warnten es: „Hüte dich vor deiner Stiefmutter, sie wird bald wissen, dass du hier bist. Lass niemanden herein.“

Die Königin aber, die glaubte, Schneewittchens Lunge und Leber gegessen zu haben, war überzeugt, wieder die Erste und Schönste im Land zu sein. Sie trat vor ihren Spiegel und fragte:

Spieglein, Spieglein an der Wand,wer ist die Schönste im ganzen Land?

Da antwortete der Spiegel:

Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,doch Schneewittchen über den Bergenbei den sieben Zwergenist noch tausendmal schöner als Ihr.

Da erschrak sie, denn sie wusste, dass der Spiegel niemals log, und begriff, dass der Jäger sie betrogen hatte und Schneewittchen noch am Leben war. Wieder und wieder sann sie darüber nach, wie sie das Mädchen umbringen könnte, denn solange sie nicht die Schönste im ganzen Land war, ließ ihr der Neid keine Ruhe. Als sie sich schließlich etwas ausgedacht hatte, färbte sie sich das Gesicht und verkleidete sich als alte Krämerin, sodass niemand sie erkannte. So zog sie über die sieben Berge zu den sieben Zwergen, klopfte an die Tür und rief: „Schöne Ware feil, feil!“

Schneewittchen schaute zum Fenster hinaus und rief: „Guten Tag, liebe Frau, was habt Ihr zu verkaufen?“

„Gute Ware, schöne Ware“, antwortete die Alte, „Schnürbänder in allen Farben“, und zog eines hervor, das aus bunter Seide geflochten war.

Diese ehrliche Frau kann ich wohl hereinlassen, dachte Schneewittchen, öffnete den Riegel und kaufte sich das hübsche Schnürband.

„Kind“, sagte die Alte, „wie du aussiehst! Komm, ich schnüre dich einmal ordentlich.“

Schneewittchen ahnte nichts Böses, stellte sich vor sie und ließ sich mit dem neuen Band schnüren. Doch die Alte schnürte schnell und zog es so fest, dass Schneewittchen die Luft wegblieb und es wie tot zu Boden fiel.

Eine junge Frau rührt fröhlich in einem Topf am Herd einer Waldhütte, an der Tür hängen sieben spitze Mützen, am kleinen Tisch stehen sieben winzige Stühle.

„Jetzt bist du die Schönste gewesen“, sagte die Königin und eilte davon.

Nicht lange danach, gegen Abend, kamen die sieben Zwerge nach Hause, und wie erschraken sie, als sie ihr geliebtes Schneewittchen auf der Erde liegen sahen. Es regte sich nicht und bewegte sich nicht, als wäre es tot. Sie hoben es hoch, und weil sie sahen, dass es zu fest geschnürt war, schnitten sie das Band entzwei. Da begann es wieder ein wenig zu atmen, und nach und nach wurde es lebendig. Als die Zwerge hörten, was geschehen war, sagten sie: „Die alte Krämerin war niemand anderes als die böse Königin. Hüte dich und lass keinen Menschen herein, wenn wir nicht bei dir sind.“

Die böse Frau aber ging, kaum dass sie nach Hause gekommen war, vor den Spiegel und fragte:

Spieglein, Spieglein an der Wand,wer ist die Schönste im ganzen Land?

Da antwortete er wie zuvor:

Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,doch Schneewittchen über den Bergenbei den sieben Zwergenist noch tausendmal schöner als Ihr.

Als sie das hörte, schoss ihr alles Blut zum Herzen, so erschrak sie, denn sie sah wohl, dass Schneewittchen wieder lebendig geworden war. „Diesmal“, sagte sie, „denke ich mir etwas aus, das dich für immer zugrunde richtet.“ Und mit Hexenkünsten, die sie beherrschte, fertigte sie einen vergifteten Kamm. Dann verkleidete sie sich erneut, diesmal als eine andere alte Frau. So zog sie über die sieben Berge zu den sieben Zwergen, klopfte an die Tür und rief: „Gute Ware feil, feil!“

Schneewittchen schaute heraus und sagte: „Geht nur weiter, ich darf niemanden hereinlassen.“

„Ansehen wird dir doch erlaubt sein“, sagte die Alte, zog den vergifteten Kamm hervor und hielt ihn hoch.

Der Kamm gefiel dem Mädchen so gut, dass es sich betören ließ und die Tür öffnete. Als sie sich über den Kauf einig waren, sagte die Alte: „Jetzt will ich dich einmal ordentlich kämmen.“

Das arme Schneewittchen dachte sich nichts dabei und ließ die Alte gewähren. Doch kaum steckte der Kamm in seinen Haaren, wirkte das Gift, und das Mädchen fiel besinnungslos zu Boden.

„Du Ausbund an Schönheit“, sagte die boshafte Frau, „jetzt ist es um dich geschehen“, und ging fort.

Zum Glück wurde es bald Abend, und die sieben Zwerge kamen nach Hause. Als sie Schneewittchen wie tot auf der Erde liegen sahen, hatten sie sofort die Stiefmutter im Verdacht. Sie suchten nach und fanden den vergifteten Kamm, und kaum hatten sie ihn herausgezogen, kam Schneewittchen wieder zu sich und erzählte, was geschehen war. Da warnten sie es noch einmal, auf der Hut zu sein und niemandem die Tür zu öffnen.

Die Königin stellte sich zu Hause vor den Spiegel und fragte:

Spieglein, Spieglein an der Wand,wer ist die Schönste im ganzen Land?

Da antwortete er wie zuvor:

Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,doch Schneewittchen über den Bergenbei den sieben Zwergenist noch tausendmal schöner als Ihr.

Eine junge Frau greift nach einem roten Apfel, den ihr eine gebückte alte Frau reicht, unter deren Lumpen ein juwelenbesetztes Mieder schimmert.

Als sie den Spiegel so reden hörte, zitterte und bebte sie vor Zorn. „Schneewittchen soll sterben“, rief sie, „und wenn es mein eigenes Leben kostet!“ Sie ging in eine ganz verborgene, einsame Kammer, in die niemand kam, und braute dort einen giftigen, todbringenden Apfel. Von außen sah er wunderschön aus, weiß mit roten Backen, sodass jeder, der ihn erblickte, Lust darauf bekam, doch wer auch nur ein Stückchen davon aß, musste sterben. Als der Apfel fertig war, färbte sie sich das Gesicht und verkleidete sich als Bäuerin. So zog sie über die sieben Berge zu den sieben Zwergen und klopfte an.

Schneewittchen streckte den Kopf zum Fenster hinaus und sagte: „Ich darf niemanden hereinlassen, die sieben Zwerge haben es mir verboten.“

„Mir auch recht“, antwortete die Bäuerin, „meine Äpfel werde ich schon los. Hier, einen will ich dir schenken.“

„Nein“, sagte Schneewittchen, „ich darf nichts annehmen.“

„Fürchtest du dich vor Gift?“, sagte die Alte. „Sieh her, ich schneide den Apfel in zwei Hälften. Die rote Backe isst du, die weiße esse ich.“

Der Apfel war aber so kunstvoll gemacht, dass nur die rote Backe vergiftet war. Schneewittchen sah den schönen Apfel voller Verlangen an, und als es sah, dass die Bäuerin davon aß, konnte es nicht länger widerstehen. Es streckte die Hand aus und nahm die vergiftete Hälfte. Kaum hatte es einen Bissen im Mund, fiel es tot zu Boden.

Die Königin betrachtete es mit grausamem Blick, lachte laut auf und sagte: „Weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz! Diesmal können dich die Zwerge nicht wieder wecken.“

Zu Hause fragte sie ihren Spiegel:

Spieglein, Spieglein an der Wand,wer ist die Schönste im ganzen Land?

Und endlich antwortete er:

Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.

Da fand ihr neidisches Herz Ruhe, so gut ein neidisches Herz überhaupt Ruhe finden kann.

Als die Zwerge am Abend nach Hause kamen, fanden sie Schneewittchen auf der Erde liegen, und aus seinem Mund kam kein Atem mehr: es war tot. Sie hoben es auf, suchten nach etwas Giftigem, schnürten es auf, kämmten ihm die Haare, wuschen es mit Wasser und Wein, doch nichts half. Das liebe Kind war tot und blieb tot. Sie legten es auf eine Bahre, setzten sich alle sieben daneben und beweinten es drei Tage lang. Dann wollten sie es begraben, doch es sah noch so frisch aus wie ein lebender Mensch und hatte noch seine schönen roten Backen. Da sagten sie: „Das können wir nicht in die schwarze Erde versenken“, und ließen einen durchsichtigen Sarg aus Glas machen, sodass man es von allen Seiten sehen konnte. Sie legten es hinein und schrieben mit goldenen Buchstaben seinen Namen darauf und dass es eine Königstochter war. Dann trugen sie den Sarg auf den Berg hinaus, und einer von ihnen blieb immer bei ihm und bewachte ihn. Auch die Tiere kamen und beweinten Schneewittchen: zuerst eine Eule, dann ein Rabe, zuletzt ein Täubchen.

Eine junge Frau steht mit offenen Armen freudig auf einem blühenden Hügel im Morgenlicht und blickt über nebelige Wiesen zu einem fernen goldenen Schloss.

Lange, lange Zeit lag Schneewittchen in dem Sarg, ohne zu verwesen. Es sah aus, als würde es nur schlafen, denn es war noch immer so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz. Eines Tages verirrte sich ein Königssohn in den Wald und kam zum Haus der Zwerge, um dort zu übernachten. Auf dem Berg sah er den Sarg und das schöne Schneewittchen darin, und er las, was mit goldenen Buchstaben darauf geschrieben stand. Da sagte er zu den Zwergen: „Lasst mir den Sarg, ich gebe euch dafür, was ihr wollt.“

Die Zwerge antworteten: „Wir geben ihn nicht her, um alles Gold der Welt nicht.“

„So schenkt ihn mir“, sagte er, „denn ich kann nicht leben, ohne Schneewittchen zu sehen. Ich will es ehren und in Ehren halten wie das Liebste, das ich habe.“

Als er so sprach, hatten die guten Zwerge Mitleid mit ihm und gaben ihm den Sarg. Der Königssohn ließ ihn von seinen Dienern auf den Schultern forttragen. Da geschah es, dass sie über einen Strauch stolperten, und durch das Erschüttern löste sich das Stück des vergifteten Apfels, das Schneewittchen abgebissen hatte, aus seinem Hals. Kurz darauf öffnete es die Augen, hob den Deckel des Sarges hoch, richtete sich auf und war wieder lebendig.

„Ach, du meine Güte, wo bin ich?“, rief es.

Der Königssohn sagte voller Freude: „Du bist bei mir.“ Er erzählte, was geschehen war, und sagte: „Ich habe dich lieber als alles auf der Welt. Komm mit mir in das Schloss meines Vaters, du sollst meine Frau werden.“

Da gewann Schneewittchen ihn lieb und ging mit ihm, und ihre Hochzeit wurde mit großer Pracht und Herrlichkeit vorbereitet.

Zu dem Fest wurde auch Schneewittchens gottlose Stiefmutter eingeladen. Als sie sich mit schönen Kleidern angetan hatte, trat sie vor den Spiegel und fragte:

Spieglein, Spieglein an der Wand,wer ist die Schönste im ganzen Land?

Der Spiegel antwortete:

Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,doch die junge Königin ist tausendmal schöner als Ihr.

Da stieß die böse Frau einen Fluch aus, und es wurde ihr so angst, so unerträglich angst, dass sie sich kaum zu fassen wusste. Zuerst wollte sie überhaupt nicht zur Hochzeit gehen, doch es ließ ihr keine Ruhe, sie musste fort und die junge Königin sehen. Und als sie eintrat, erkannte sie Schneewittchen, und vor Angst und Schrecken stand sie da und konnte sich nicht rühren. Doch schon standen eiserne Schuhe über einem Kohlenfeuer bereit, wurden mit Zangen hereingetragen und vor sie hingestellt. Da musste sie in die glühend heißen Schuhe steigen und so lange tanzen, bis sie tot zu Boden fiel.

Nacherzählt von Talerie, Quelle: Kinder- und Hausmärchen (wird in einem neuen Fenster geöffnet)

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