OriginalSchneewittchen
16 Min. Lesezeit6–12 Jahre
Eine schöne Prinzessin flieht vor ihrer eifersüchtigen Stiefmutter in den Wald und findet Zuflucht bei sieben Zwergen. Die böse Königin versucht mehrmals, das Mädchen zu töten, bis ein vergifteter Apfel es in einen todesähnlichen Schlaf versetzt.
Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab. Da saß eine Königin an einem Fenster, das einen Rahmen aus schwarzem Ebenholz hatte, und nähte. Und während sie so nähte und zum Schnee hinaufsah, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und drei Tropfen Blut fielen in den Schnee. Und weil das Rot im weißen Schnee so schön aussah, dachte sie bei sich: „Hätte ich doch ein Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen.“ Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz, und darum wurde es Schneewittchen genannt. Und als das Kind geboren war, starb die Königin.
Nach einem Jahr nahm sich der König eine andere Frau. Sie war schön, aber stolz und hochmütig, und sie konnte es nicht ertragen, dass jemand sie an Schönheit übertreffen sollte. Sie besaß einen wunderbaren Spiegel, und wenn sie vor ihn trat und sich darin betrachtete, sprach sie:
„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“
Dann antwortete der Spiegel:
„Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.“
Da war sie zufrieden, denn sie wusste, dass der Spiegel die Wahrheit sagte.
Schneewittchen aber wuchs heran und wurde immer schöner, und als es sieben Jahre alt war, war es so schön wie der klare Tag und schöner als die Königin selbst. Als diese eines Tages ihren Spiegel fragte:
„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“
antwortete er:
„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, doch Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.“
Da erschrak die Königin und wurde gelb und grün vor Neid. Von Stund an drehte sich ihr das Herz im Leibe herum, wann immer sie Schneewittchen erblickte, so sehr hasste sie das Mädchen. Und Neid und Hochmut wuchsen wie Unkraut immer höher in ihrem Herzen, sodass sie Tag und Nacht keine Ruhe mehr fand. Da rief sie einen Jäger und sprach: „Bring das Kind hinaus in den Wald, ich will es nicht mehr vor meinen Augen sehen. Du sollst es töten und mir Lunge und Leber als Beweis mitbringen.“ Der Jäger gehorchte und führte das Mädchen hinaus, doch als er den Hirschfänger gezogen hatte und Schneewittchens unschuldiges Herz durchbohren wollte, fing es an zu weinen und sagte: „Ach, lieber Jäger, lass mir mein Leben. Ich will in den wilden Wald laufen und nie wieder heimkommen.“ Und weil es so schön war, hatte der Jäger Mitleid und sprach: „So lauf hin, du armes Kind.“ „Die wilden Tiere werden dich bald gefressen haben“, dachte er, und doch fiel ihm ein Stein vom Herzen, weil er es nicht zu töten brauchte. Und als gerade ein junger Frischling herbeigesprungen kam, stach er ihn ab, nahm Lunge und Leber heraus und brachte sie der Königin als Beweis mit. Der Koch musste sie in Salz kochen, und die boshafte Frau aß sie auf und meinte, sie hätte Schneewittchens Lunge und Leber gegessen.
Nun war das arme Kind im großen Wald mutterseelenallein, und ihm wurde so angst, dass es alle Blätter an den Bäumen anstarrte und nicht wusste, wie es sich helfen sollte. Da fing es an zu laufen, lief über spitze Steine und durch die Dornen, und die wilden Tiere sprangen an ihm vorbei, doch sie taten ihm nichts. Es lief, so lange die Füße es tragen konnten, bis der Abend nahte. Da sah es ein kleines Häuschen und ging hinein, um sich auszuruhen. In dem Häuschen war alles klein, aber so zierlich und sauber, dass man es kaum sagen kann. Da stand ein weiß gedecktes Tischlein mit sieben kleinen Tellern, jedes Tellerlein mit seinem Löffelein, dazu sieben Messerlein und Gäbelein und sieben Becherlein. An der Wand standen sieben Bettlein nebeneinander, mit schneeweißen Laken bedeckt. Schneewittchen war so hungrig und durstig, dass es von jedem Tellerlein ein wenig Gemüse und Brot aß und aus jedem Becherlein einen Tropfen Wein trank, denn es wollte nicht einem allein alles wegnehmen. Danach, weil es so müde war, legte es sich in ein Bettchen, aber keines passte. Das eine war zu lang, das andere zu kurz, bis endlich das siebte gerade recht war. Darin blieb es liegen, sprach noch ein Gebet und schlief ein.
Als es ganz dunkel geworden war, kamen die Herren des Häuschens heim. Das waren die sieben Zwerge, die in den Bergen nach Erz hackten und gruben. Sie zündeten ihre sieben Lichtlein an, und als es hell im Häuschen wurde, sahen sie, dass jemand darin gewesen war, denn nicht alles stand mehr so, wie sie es verlassen hatten. Der erste sprach: „Wer hat auf meinem Stühlchen gesessen?“ Der zweite: „Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?“ Der dritte: „Wer hat von meinem Brötchen genommen?“ Der vierte: „Wer hat von meinem Gemüschen gegessen?“ Der fünfte: „Wer hat mit meinem Gäbelchen gestochen?“ Der sechste: „Wer hat mit meinem Messerchen geschnitten?“ Der siebte: „Wer hat aus meinem Becherlein getrunken?“ Dann sah sich der erste um und bemerkte eine kleine Delle in seinem Bett und sprach: „Wer hat in mein Bettchen getreten?“ Die anderen kamen gelaufen und riefen: „In meinem hat auch jemand gelegen.“ Der siebte aber, als er in sein Bett schaute, erblickte Schneewittchen, das darin lag und schlief. Er rief die anderen herbei, die kamen gelaufen und schrien vor Verwunderung. Sie holten ihre sieben Lichtlein und beleuchteten Schneewittchen. „Ei, du mein Gott! Ei, du mein Gott!“, riefen sie. „Wie ist das Kind so schön!“ Und sie hatten so große Freude, dass sie es nicht weckten, sondern im Bettlein weiterschlafen ließen. Der siebte Zwerg aber schlief bei seinen Gesellen, bei jedem eine Stunde, und so war die Nacht herum.
Als der Morgen kam, erwachte Schneewittchen, und als es die sieben Zwerge sah, erschrak es. Sie aber waren freundlich und fragten: „Wie heißt du?“ „Ich heiße Schneewittchen“, antwortete es. „Wie bist du in unser Haus gekommen?“, fragten die Zwerge weiter. Da erzählte es ihnen, dass seine Stiefmutter es hatte umbringen lassen wollen, der Jäger ihm aber das Leben geschenkt hatte, und dass es den ganzen Tag gelaufen sei, bis es endlich ihr Häuschen gefunden habe. Die Zwerge sprachen: „Willst du unseren Haushalt führen, kochen, betten, waschen, nähen und stricken, und willst du alles ordentlich und sauber halten, so kannst du bei uns bleiben, und es soll dir an nichts fehlen.“ „Ja“, sagte Schneewittchen, „von Herzen gern.“ Und es blieb bei ihnen. Es hielt ihnen das Haus in Ordnung. Morgens gingen die Zwerge in die Berge und suchten Erz und Gold, abends kamen sie wieder, und dann musste ihr Essen bereit sein. Tagsüber war das Mädchen allein, darum warnten es die guten Zwerglein und sprachen: „Hüte dich vor deiner Stiefmutter, die wird bald wissen, dass du hier bist. Lass ja niemanden herein.“
Die Königin aber, die nun glaubte, Schneewittchens Lunge und Leber gegessen zu haben, dachte nicht anders, als dass sie wieder die Erste und Allerschönste sei. Sie trat vor ihren Spiegel und sprach:
„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“
Da antwortete der Spiegel:
„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, doch Schneewittchen über den Bergen, bei den sieben Zwergen, ist noch tausendmal schöner als Ihr.“
Da erschrak sie, denn sie wusste, dass der Spiegel keine Unwahrheit sprach, und sie merkte, dass der Jäger sie betrogen hatte und Schneewittchen noch am Leben war. Und sie sann und sann aufs Neue, wie sie es umbringen könnte, denn solange sie nicht die Schönste im ganzen Land war, ließ ihr der Neid keine Ruhe. Als sie sich endlich etwas ausgedacht hatte, färbte sie sich das Gesicht und kleidete sich wie eine alte Krämerin, sodass sie völlig unkenntlich war. In dieser Gestalt ging sie über die sieben Berge zu den sieben Zwergen, klopfte an die Tür und rief: „Schöne Ware feil! Feil!“ Schneewittchen schaute zum Fenster heraus und rief: „Guten Tag, liebe Frau, was habt Ihr zu verkaufen?“ „Gute Ware, schöne Ware“, antwortete sie, „Schnürriemen in allen Farben“, und holte einen hervor, der aus bunter Seide geflochten war. „Die ehrliche Frau kann ich hereinlassen“, dachte Schneewittchen, riegelte die Tür auf und kaufte sich den hübschen Schnürriemen. „Kind“, sprach die Alte, „wie du aussiehst! Komm, ich will dich einmal ordentlich schnüren.“ Schneewittchen ahnte nichts Böses, stellte sich vor sie hin und ließ sich mit dem neuen Schnürriemen schnüren. Die Alte aber schnürte flink und so fest, dass Schneewittchen der Atem stockte und es wie tot niederfiel. „Nun bist du die Schönste gewesen“, sprach sie und eilte hinaus.
Nicht lange darauf, zur Abendzeit, kamen die sieben Zwerge nach Hause, und wie erschraken sie, als sie ihr liebes Schneewittchen am Boden liegen sahen. Es rührte und bewegte sich nicht, als wäre es tot. Sie hoben es empor, und weil sie sahen, dass es zu fest geschnürt war, schnitten sie den Schnürriemen entzwei. Da fing es an, ein wenig zu atmen, und wurde nach und nach wieder lebendig. Als die Zwerge hörten, was geschehen war, sprachen sie: „Die alte Krämerin war niemand anderes als die gottlose Königin. Hüte dich und lass keinen Menschen herein, wenn wir nicht bei dir sind.“
Die böse Frau aber, als sie nach Hause gekommen war, trat vor den Spiegel und fragte:
„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“
Da antwortete er wie sonst:
„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, doch Schneewittchen über den Bergen, bei den sieben Zwergen, ist noch tausendmal schöner als Ihr.“
Als sie das hörte, lief ihr alles Blut zum Herzen, so sehr erschrak sie, denn sie sah wohl, dass Schneewittchen wieder lebendig geworden war. „Nun aber“, sprach sie, „will ich mir etwas ausdenken, das dich zugrunde richten soll.“ Und mit den Hexenkünsten, die sie verstand, machte sie einen giftigen Kamm. Dann verkleidete sie sich und nahm die Gestalt einer anderen alten Frau an. So ging sie über die sieben Berge zu den sieben Zwergen, klopfte an die Tür und rief: „Gute Ware feil! Feil!“ Schneewittchen schaute heraus und sprach: „Geht nur weiter, ich darf niemanden hereinlassen.“ „Ansehen wird man es dir doch erlauben“, sprach die Alte, zog den giftigen Kamm hervor und hielt ihn in die Höhe. Der gefiel dem Kind so gut, dass es sich betören ließ und die Tür öffnete. Als sie sich über den Kauf einig waren, sprach die Alte: „Nun will ich dich einmal ordentlich kämmen.“ Das arme Schneewittchen dachte an nichts Böses und ließ die Alte gewähren, doch kaum hatte sie den Kamm in die Haare gesteckt, so wirkte das Gift darin, und das Mädchen fiel besinnungslos zu Boden. „Du Ausbund von Schönheit“, sprach die boshafte Frau, „jetzt ist es um dich geschehen“, und ging fort. Zum Glück aber war es bald Abend, als die sieben Zwerglein nach Hause kamen. Als sie Schneewittchen wie tot am Boden liegen sahen, hatten sie sogleich die Stiefmutter im Verdacht, suchten und fanden den giftigen Kamm. Kaum hatten sie ihn herausgezogen, kam Schneewittchen wieder zu sich und erzählte, was geschehen war. Da warnten sie es noch einmal, auf der Hut zu sein und niemandem die Tür zu öffnen.
Die Königin stellte sich daheim vor den Spiegel und sprach:
„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“
Da antwortete er wie zuvor:
„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, doch Schneewittchen über den Bergen, bei den sieben Zwergen, ist noch tausendmal schöner als Ihr.“
Als sie den Spiegel so reden hörte, zitterte und bebte sie vor Zorn. „Schneewittchen soll sterben“, rief sie, „und wenn es mein eigenes Leben kostet.“ Darauf ging sie in eine ganz verborgene, einsame Kammer, wo niemand hinkam, und machte einen giftigen Apfel. Von außen sah er schön aus, weiß mit roten Backen, sodass jeder, der ihn erblickte, Lust darauf bekam, doch wer ein Stückchen davon aß, der musste sterben. Als der Apfel fertig war, färbte sie sich das Gesicht und verkleidete sich als Bäuerin, und so ging sie über die sieben Berge zu den sieben Zwergen. Sie klopfte an, Schneewittchen streckte den Kopf zum Fenster heraus und sprach: „Ich darf keinen Menschen einlassen, die sieben Zwerge haben es mir verboten.“ „Mir auch recht“, antwortete die Bäuerin, „meine Äpfel werde ich schon los. Da, einen will ich dir schenken.“ „Nein“, sprach Schneewittchen, „ich darf nichts annehmen.“ „Fürchtest du dich vor Gift?“, sprach die Alte. „Sieh, da schneide ich den Apfel in zwei Teile. Den roten Backen isst du, den weißen esse ich.“ Der Apfel aber war so kunstvoll gemacht, dass nur der rote Backen vergiftet war. Schneewittchen begehrte den schönen Apfel, und als es sah, dass die Bäuerin davon aß, konnte es nicht länger widerstehen, streckte die Hand hinaus und nahm die giftige Hälfte. Kaum aber hatte es einen Bissen davon im Mund, fiel es tot zu Boden. Da betrachtete es die Königin mit grausigen Blicken, lachte überlaut und sprach: „Weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz! Diesmal können dich die Zwerge nicht wieder aufwecken.“ Und als sie daheim den Spiegel befragte:
„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“
antwortete er endlich:
„Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.“
Da hatte ihr neidisches Herz Ruhe, so gut ein neidisches Herz Ruhe haben kann.
Die Zwerglein aber, als sie am Abend nach Hause kamen, fanden Schneewittchen am Boden liegen, und kein Atem ging mehr aus seinem Mund. Es war tot. Sie hoben es auf, suchten, ob sie etwas Giftiges fänden, schnürten es auf, kämmten ihm die Haare, wuschen es mit Wasser und Wein, aber alles half nichts. Das liebe Kind war tot und blieb tot. Sie legten es auf eine Bahre, setzten sich alle sieben daran und beweinten es, und sie weinten drei Tage lang. Dann wollten sie es begraben, aber es sah noch so frisch aus wie ein lebender Mensch und hatte noch seine schönen roten Backen. Sie sprachen: „Das können wir nicht in die schwarze Erde senken“, und ließen einen durchsichtigen Sarg aus Glas machen, sodass man es von allen Seiten sehen konnte. Sie legten es hinein und schrieben mit goldenen Buchstaben seinen Namen darauf und dass es eine Königstochter sei. Dann trugen sie den Sarg hinaus auf den Berg, und immer blieb einer von ihnen dabei und bewachte ihn. Auch die Tiere kamen und beweinten Schneewittchen, zuerst eine Eule, dann ein Rabe und zuletzt ein Täubchen.
Nun lag Schneewittchen lange, lange Zeit im Sarg und verweste nicht, sondern sah aus, als schliefe es, denn es war noch immer so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz. Es geschah aber, dass ein Königssohn in den Wald geriet und zum Zwergenhaus kam, um dort zu übernachten. Er sah auf dem Berg den Sarg und das schöne Schneewittchen darin und las, was mit goldenen Buchstaben darauf geschrieben stand. Da sprach er zu den Zwergen: „Lasst mir den Sarg, ich will euch geben, was ihr dafür haben wollt.“ Aber die Zwerge antworteten: „Wir geben ihn nicht her für alles Gold der Welt.“ Da sprach er: „So schenkt ihn mir, denn ich kann nicht leben, ohne Schneewittchen zu sehen. Ich will es ehren und hochachten wie mein Liebstes.“ Als er so sprach, empfanden die guten Zwerglein Mitleid mit ihm und gaben ihm den Sarg. Der Königssohn ließ ihn nun von seinen Dienern auf den Schultern forttragen. Da geschah es, dass sie über einen Strauch stolperten, und durch das Rütteln fuhr der giftige Apfelbissen, den Schneewittchen abgebissen hatte, aus seiner Kehle. Und nicht lange, da öffnete es die Augen, hob den Deckel des Sargs empor, richtete sich auf und war wieder lebendig. „Ach Gott, wo bin ich?“, rief es. Der Königssohn sagte voller Freude: „Du bist bei mir“, und erzählte, was geschehen war, und sprach: „Ich habe dich lieber als alles auf der Welt. Komm mit mir in meines Vaters Schloss, du sollst meine Frau werden.“ Da war Schneewittchen ihm gut und ging mit ihm, und ihre Hochzeit wurde mit großer Pracht und Herrlichkeit ausgerichtet.
Zu dem Fest wurde aber auch Schneewittchens gottlose Stiefmutter eingeladen. Als sie sich mit schönen Kleidern angetan hatte, trat sie vor den Spiegel und sprach:
„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“
Der Spiegel antwortete:
„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, doch die junge Königin ist tausendmal schöner als Ihr.“
Da stieß die böse Frau einen Fluch aus, und ihr wurde so angst, so angst, dass sie sich nicht mehr zu fassen wusste. Zuerst wollte sie gar nicht zur Hochzeit gehen, doch es ließ ihr keine Ruhe: Sie musste hin und die junge Königin sehen. Und als sie eintrat, erkannte sie Schneewittchen, und vor Angst und Schrecken stand sie da und konnte sich nicht rühren. Aber es waren schon eiserne Pantoffeln über Kohlenfeuer gestellt worden, die wurden nun mit Zangen hereingetragen und vor sie hingestellt. Da musste sie in die rotglühenden Schuhe treten und so lange tanzen, bis sie tot zu Boden fiel.