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Ein zotteliger Ziegenbock steht im Brunnenwasser auf den Hinterbeinen, einen Huf an der moosigen Mauer. Auf seinen Hörnern steht ein Fuchs und blickt hinauf.

Der Fuchs und der Ziegenbock

Äsop

2 Min. Lesezeit ab 4 Jahren

Vor lauter Durst springen ein Fuchs und ein Ziegenbock in einen tiefen Brunnen. Erst als sie getrunken haben, merkt der Bock, dass er allein nie wieder hinaufkommt. Der Fuchs dagegen weiß schon, wie es gehen soll.


Eines Tages kamen ein Fuchs und ein Ziegenbock zusammen an einen tiefen Brunnen. Sie hatten so großen Durst, dass beide sofort hineinsprangen, ohne zu überlegen, wie sie wieder hinaufkämen.

Als sie genug getrunken hatten, sah sich der Bock nach allen Seiten um. Wie sollte er hier je wieder herauskommen?

Da sagte der Fuchs freundlich zu ihm: „Hab keine Angst, ich weiß schon, wie wir hinauskommen. Stell dich auf die Hinterbeine, stemm die Vorderhufe gegen die Mauer und reck die Hörner hoch. Dann springe ich auf deine Schultern und von deinen Hörnern aus dem Brunnen. Oben reiche ich dir die Pfote und ziehe dich nach.“

Der Bock glaubte ihm und tat genau, was der Fuchs gesagt hatte. Flink sprang ihm der Fuchs auf die Schultern, von dort auf die Hörner und mit einem Satz über den Rand.

Oben aber war der Fuchs bester Laune. Statt dem Bock zu helfen, schaute er in den Brunnen hinab und lachte ihn aus.

„Du hast mir versprochen, mich hinaufzuziehen“, rief der Bock von unten. „Warum hältst du dein Wort nicht?“

Ein nasser, zotteliger Ziegenbock steht unten im dunklen Wasser des Brunnens und meckert nach oben, wo der Fuchs am grasigen Rand kauert und zu ihm herabschaut.

Der Fuchs antwortete ganz höflich: „Hättest du so viel Verstand, wie du Haare im Bart hast, dann wärst du nicht in den Brunnen gesprungen, bevor du wusstest, wie du wieder herauskommst.“

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Nacherzählt von Talerie, Quelle: Fabeln des Äsop (wird in einem neuen Fenster geöffnet) Gemeinfrei