
Bambi wächst als junges Reh im Wald auf, verliert im Winter seine Mutter und lernt vom alten Fürsten, allein zu sein. Am Ende nimmt der alte Fürst an einer hohen Esche Abschied, und im Sommer darauf findet Bambi auf einer verborgenen Lichtung zwei kleine Kitze, die nach ihrer Mutter rufen.
Er kam mitten im Dickicht zur Welt, in einer kleinen, verborgenen Laubkammer. Da stand er auf dünnen Beinen, schwankte und zitterte. „Was für ein schönes Kind!“, rief die Elster von einem Ast. Die Mutter leckte ihn mit der Zunge sauber und flüsterte: „Bambi. Mein kleiner Bambi.“
Bambi ging hinter der Mutter auf den schmalen Wegen der Rehe durchs Gebüsch und fragte und fragte.
Eines Morgens wurde es vor ihnen hell, und hinter den letzten Büschen lag die Wiese. Bambi wollte hinausspringen, doch die Mutter versperrte ihm den Weg, lauschte lange und witterte. Dann sagte sie sehr ernst:
„Ich gehe zuerst allein hinaus, und du lässt mich nicht aus den Augen. Wenn ich zurücklaufe, rennst du davon. Und wenn du siehst, dass ich falle, dann achte nicht auf mich. Lauf, so schnell du kannst! Und wenn ich dich rufe, bist du beim ersten Ruf an meiner Seite. Versprichst du mir das?“
„Ja“, sagte Bambi leise.
Die Mutter trat hinaus, lauschte nach allen Seiten und rief nach einer Weile fröhlich: „Komm!“
So viel Himmel hatte Bambi noch nie gesehen. Vor Freude sprang er auf der Stelle in die Höhe, drei-, vier-, fünfmal, bis die Mutter um ihn herumsprang und rief: „Fang mich doch!“ Da jagte er ihr in weiten Bögen durch das rauschende Gras nach und glaubte zu fliegen.
Eines Abends lernte er auf der Wiese Freund Hase kennen, der die langen Ohren sinken ließ und höflich grüßte: „Guten Abend, junger Herr.“ Er lernte auch Tante Ena kennen, eine Verwandte seiner Mutter, und ihre Zwillinge Gobo und Faline. Faline war die Munterste von allen. Gobo war kleiner, schwächlich und still, und gerade darum hatte Bambi ihn lieb.
Eines Tages war die Mutter fort. Bambi rief nach ihr, aber niemand antwortete. Er lief die bekannten Wege entlang, geriet auf fremde und traf Gobo und Faline, die auch nach ihrer Mutter riefen. Die beiden wagten sich nicht weiter, doch Bambi hielt es nicht aus und ging allein.
Auf einer kleinen Lichtung blieb er wie angewurzelt stehen. Im Haselbusch stand eine Gestalt, seltsam aufrecht und schmal, mit einem blassen, nackten Gesicht, und ein fremder, scharfer Geruch wehte herüber. Lange rührte sie sich nicht. Dann hob sie einen Arm, und Bambi floh, als hätte ihn der Wind fortgeweht.

Plötzlich lief die Mutter neben ihm. Erst vor ihrer Kammer blieben sie stehen. „Hast du gesehen?“, fragte sie leise. Bambi nickte.
„Das war Er“, sagte die Mutter, und beide schauderten.
Von nun an war Bambi oft allein. Als er wieder einmal nach der Mutter rief, stand ein Rehbock vor ihm, größer und stolzer als alle, die er kannte, mit eisgrauem Gesicht und einem dunklen, mächtigen Geweih.
„Warum rufst du?“, fragte er streng. „Deine Mutter hat jetzt keine Zeit für dich. Kannst du nicht allein sein? Schäme dich!“

Ehe Bambi ein Wort herausbrachte, war der Bock fort, ohne dass ein Blatt raschelte. Bambi schämte sich sehr, und doch wünschte er sich nichts mehr, als ihn wiederzusehen. Von Faline erfuhr er bald, wer das gewesen war: der alte Fürst, der Vornehmste im ganzen Wald, den kaum jemand je zu Gesicht bekam.
An einem Morgen voller Tau stand am Rand der Wiese ein junger Prinz, wie man die Böcke nannte, ganz nahe bei Bambi. Bambi nahm allen Mut zusammen und wollte ihn grüßen: „Guten Morgen, mein Prinz!“ Da krachte ein Donnerschlag.
Alles floh. Nach ein paar Sprüngen sah Bambi den Prinzen am Boden liegen. Der Donnerschlag hatte ihn getroffen, und er war tot. „Lauf!“, rief die Mutter im Vorbeijagen, und Bambi rannte mit ihr, bis sie keinen Atem mehr hatten.
In den Zweigen redeten das Eichhörnchen, die Elster und der Häher aufgeregt durcheinander. Die Krähe aber sagte ernst: „Der Prinz ist nicht gestorben, weil er stolz oder dumm war, sondern weil man Ihm nicht entgehen kann. Er tötet, wen Er will.“
Als Bambi allein weiterging, stand der alte Fürst vor ihm. „Wo ist deine Mutter? Und du rufst nicht nach ihr?“
„Ich kann jetzt allein sein, alter Fürst“, sagte Bambi mutig. „Aber wer ist Er, von dem alle reden?“
Der alte Fürst blickte über ihn hinweg in die Ferne. „Hör hin, wittere und schau. Finde es selbst heraus. Leb wohl.“ Im nächsten Augenblick war er verschwunden.
Dann fielen die Blätter, und es wurde Winter. Bambi lernte frieren und hungern. Die Rehe hielten jetzt eng zusammen: Tante Ena mit ihren Kindern, die alte Frau Nettla, die über alles schimpfte, die stille Marena und manchmal auch zwei Prinzen. Der stattliche Ronno hinkte, seit Er ihm das Bein zerschossen hatte, und den jungen Karus bewunderte Bambi glühend.
Oft erzählten sie von Ihm und von Seiner dritten Hand. Aus ihr sprang Feuer, und wen ihr Donner traf, der fiel tot um, auch fern von Ihm.
„Es heißt“, sagte Marena, „eines Tages wird Er zu uns kommen und sanft sein wie wir. Dann wird Er mit uns spielen, und wir werden uns versöhnen.“
Gobo aber zitterte in diesen Wochen fortwährend und wurde immer schwächer.
An einem eisigen Tag schrien die Krähen, die Elstern riefen „Achtung! Achtung!“, und dann kam der Geruch, stärker als je zuvor. Freund Hase hoppelte verstört heran. „Wir sind umstellt. Überall ist Er!“
Schon hörten sie Ihn von allen Seiten schreien und an die Stämme schlagen. Fasanen flogen auf, und der Donner holte sie aus der Luft. Tante Ena war mit ihren Kindern vorausgegangen. Bambis Mutter blieb ruhig. „Bleib hinter mir“, sagte sie. „Und vergiss nicht, Bambi: Wenn du siehst, dass ich falle, dann achte nicht auf mich. Lauf, so schnell du kannst!“
Vor ihnen schimmerte die Lichtung. Freund Hase stob hinüber. Da knallte es, und mitten im Lauf überschlug er sich und blieb tot liegen.
„Jetzt!“, sagte die Mutter. Mit einem Satz war sie draußen, und Bambi raste hinter ihr her. Von allen Seiten krachte der Donner. Einmal war ihm, als hätte er die Mutter fallen sehen, doch er wusste nicht, ob es wirklich so war. Er rannte weiter, wie sie es ihm befohlen hatte.

Im nächsten Dickicht lag ein sterbender Fasan. Daneben wandte sich die Frau des Hasen an Bambi. Sie war getroffen und konnte die Hinterbeine nicht mehr bewegen. „Könnten Sie mir nicht ein wenig helfen?“, fragte sie ganz ruhig. Noch während sie sprach, sank sie zur Seite und starb.
„Bambi!“ Im Schnee lag Gobo, zu schwach, um aufzustehen. „Die Mutter und Faline mussten fort. Ich kann nicht mehr. Wahrscheinlich werde ich sterben.“
„Steh auf, Gobo!“, rief Bambi.
Da galoppierte Karus vorbei. „Lauf! Wer noch laufen kann, bleibt nicht stehen!“ Seine wilde Flucht riss Bambi mit. Erst ein ganzes Stück weiter flüsterte Bambi: „Leb wohl, Gobo.“ Doch Gobo konnte ihn nicht mehr hören.
Am Abend wurde es still. Frau Nettla nahm sich Bambis und Falines an, schimpfend und fürsorglich zugleich. Später kam Tante Ena, ganz erschöpft. Sie hatte Gobos Lager leer gefunden. Von ihm fand sie keine Spur, von Ihm aber viele.
„Hast du meine Mutter gesehen, Tante Ena?“, fragte Bambi.
„Nein“, sagte sie leise.
Bambi sah seine Mutter nie wieder.
Ein Jahr verging, ein schweres Jahr, in dem die älteren Prinzen, allen voran Ronno und Karus, ihn jagten, wo sie ihn sahen. Dann trug Bambi ein starkes Geweih. An einem heißen Sommertag traf er Faline wieder. Sie war schön geworden, und bald jagten sie sich wie früher über die Wiese.
Da brach Karus aus den Büschen. „Fort mit dir! Ich verbiete dir, Faline nachzulaufen!“ Bambi sagte kein Wort. Mit gesenktem Kopf warf er sich auf Karus, wieder und wieder, bis der andere voller Angst davonstürzte.
Dann hörte Bambi Faline rufen. Ronno war hinter ihr her. „Sieh da, der kleine Bambi“, spottete er. „Hast du vergessen, wie oft ich dich vor mir hergetrieben habe?“ Krachend prallten sie zusammen, und bald lag Ronno am Boden und flehte, ihn loszulassen. Bambi ließ ihn ohne ein Wort davonschleichen.

Faline trat aus dem Dickicht. „Das war großartig“, sagte sie lachend, und dann ganz leise: „Ich liebe dich.“
An einem glühend heißen Mittag erwachte Bambi im Gebüsch, und hell und zärtlich rief es: „Komm … komm …“ Das war Faline! Bambi stürmte los, doch mitten im Sprung versperrte ihm der alte Fürst den Weg.
„Geh nicht. Sie ruft nicht.“
„Hör doch!“, rief Bambi. „Lass mich, ich komme gleich zurück!“
„Du kommst nicht zurück“, sagte der alte Fürst traurig. „Nie mehr. Gut, dann gehen wir zusammen. Aber langsam, und du bleibst hinter mir.“
Lautlos und in weiten Bögen führte er Bambi, Schritt für Schritt, und immer wieder rief es: „Komm … komm …“ Dann schlug Bambi der scharfe Geruch entgegen, und er erstarrte. An eine Eiche gedrückt, halb von Haselbüschen verdeckt, stand Er. Und Er war es, der mit Falines Stimme lockte.
Ebenso langsam führte der alte Fürst ihn wieder fort.
Als Bambi Faline wiederfand, bat er sie: „Ruf mich nie wieder, wenn wir getrennt sind. Wir wollen einander suchen, bis wir uns finden, aber ruf nicht nach mir. Deiner Stimme kann ich nicht widerstehen.“
Ein paar Tage später lief am hellen Tag ein fremder junger Bock sorglos auf der Wiese herum. Fröhlich sprang er den beiden entgegen. „Aber Bambi! Kennt ihr mich denn nicht?“
„Gobo!“, rief Faline, und es verschlug ihr den Atem.
Bald stand der halbe Wald um Gobo herum. Im Schnee hatten ihn die Hunde gefunden, erzählte er, doch dann war Er gekommen und hatte ihn fortgetragen. Den ganzen Winter hatte Gobo bei Ihm gelebt, im Warmen, und Heu und Rüben bekommen.
„Er ist gut“, sagte Gobo. „Wenn Er jemanden lieb hat und man Ihm dient, ist Er wunderbar gut.“
Da trat lautlos der alte Fürst aus dem Gebüsch. „Was hast du da für einen Streifen am Hals?“
Jetzt sahen alle den dunklen Strich aus abgescheuertem Haar um Gobos Hals. „Das ist von Seinem Halsband“, stammelte Gobo. „Es ist eine große Ehre, Sein Halsband zu tragen …“
Der alte Fürst sah ihn lange und traurig an. „Unglücklicher“, sagte er leise und ging.
Von da an war Marena, die immer an Ihn geglaubt hatte, Gobos Gefährtin. Gobo schlief nachts und spazierte am hellen Tag umher, denn für ihn, sagte er, gab es keine Gefahr. Bambi aber ging das Wort des alten Fürsten nicht aus dem Kopf.
Eines Morgens, als die Sonne schon aufgegangen war, wollte Gobo auf die Wiese hinaus. Drüben schrien Häher und Elstern ihre Warnungen. Bambi bat, Faline bat, doch Gobo lächelte nur. Marena schlich als Erste hinaus und stob sofort zurück: „Er ist da! Bei den Erlen steht Er!“
„Lauft doch, so viel ihr wollt“, sagte Gobo ruhig. „Wenn Er da ist, will ich Ihn begrüßen.“
Gobo trat auf die Wiese, und im selben Augenblick krachte es. In wilden Sätzen floh er zurück ins Dickicht und brach schwer getroffen zusammen.
„Marena“, sagte er mühsam, „Er hat mich nicht erkannt.“
Die Büsche brachen auseinander, und Er kam heran. Marena wich zu den anderen zurück. Dann hörten sie Gobos Todesschrei.
Seitdem blieb Bambi für sich. Einmal zeigte ihm der alte Fürst einen Hasen, der in einer Drahtschlinge zappelte, und befreite ihn geduldig mit seinem Geweih. Die leere Schlinge klirrte, ein Klang, der nicht in den Wald gehörte.
„Was hat euer Gobo gesagt?“, fragte der alte Fürst bitter. „Er sei allmächtig und allgütig?“
„Ist Er denn nicht allmächtig?“, flüsterte Bambi.
„So allmächtig, wie Er allgütig ist. Man muss leben lernen, Bambi, und auf der Hut sein.“
Faline sah Bambi nur noch selten. „Liebst du mich noch?“, fragte sie eines Nachts traurig.
„Ich weiß es nicht“, sagte Bambi. „Ich muss allein sein.“
Im ersten Morgengrauen trat Bambi froh auf die neblige Wiese. Da krachte ein Donnerschlag, und ein furchtbarer Stoß traf ihn. Bambi sprang zurück ins Dickicht und rannte, bis ein heißer Schmerz durch seinen Schenkel fuhr und er zusammensank.
„Auf, Bambi! Auf!“ Der alte Fürst stand neben ihm. „Steh auf! Du musst fort, mein Kind!“
Sofort war Bambi wieder auf den Beinen. Der alte Fürst redete unablässig auf ihn ein, führte ihn in einem weiten Bogen zu der Stelle zurück, wo Bambi gelegen hatte, und witterte am Boden. „Hier waren Er und der Hund schon. Jetzt sind wir hinter ihnen.“
Dann zeigte ihm der alte Fürst ein paar winzige, dunkle Blätter. „Iss davon!“ Sie schmeckten entsetzlich bitter, doch bald konnte Bambi wieder klar denken, und die Wunde blutete nicht mehr. Keine Spur verriet ihn mehr.
Hinter dem alten Fürsten kletterte Bambi mühsam über den breiten Graben, zum ersten Mal in seinem Leben. Drüben lag eine gestürzte Buche im Gebüsch, und unter ihrem Stamm war eine tiefe Mulde. „Hier bist du sicher“, sagte der alte Fürst. „Hier bleibst du.“

Die Wunde heilte, und der alte Fürst blieb immer in der Nähe. Über den Graben kehrte Bambi nie mehr zurück. Im Herbst erzählte ihm das Eichhörnchen, dass Er die große Eiche am Wiesenrand gefällt hatte. „Er ist allmächtig“, seufzte es. „Und Sie werden ja schon grau!“
Bambi schwieg. Man muss allein bleiben, das war die wichtigste Lehre des alten Fürsten, und schon sein allererstes Wort hatte dem Alleinsein gegolten: „Kannst du nicht allein sein?“
Im Winter lagen die beiden in ihrer Mulde, als ein kleiner Hund einen alten Fuchs heranhetzte. Der Fuchs war angeschossen und konnte nicht weiter. Erschöpft setzte er sich in den Schnee und bat: „Lass mich bei den Meinen sterben. Wir sind doch beinahe Brüder, du und ich!“
„Nein! Nein! Nein!“, kläffte der Hund.
„Du Verräter!“, knurrte der Fuchs. „Du spürst uns auf, wo Er uns nicht findet!“
„Ihr alle gehört Ihm, wie ich Ihm gehöre!“, rief der Hund. „Aber ich liebe Ihn, ich diene Ihm! Er ist allmächtig! Er ist über uns! Alles, was wächst und lebt, ist von Ihm!“ Dann fuhr er dem Fuchs an die Kehle, und wenige Augenblicke später war der Fuchs tot.
„Das Furchtbarste ist, dass die anderen glauben, was der Hund verkündet“, sagte der alte Fürst leise. „Sie leben in Angst, und sie töten einander um Seinetwillen.“
Als der Schnee taute, sah Bambi auf der anderen Seite des Grabens ein Reh umhergehen. Es war Faline, grau und alt geworden wie einst ihre Mutter. Bambi wollte hinüber und mit ihr von früher reden, doch er rührte sich nicht, bis sie verschwunden war.
Bald darauf krachte es dreimal, diesmal auf seiner eigenen Seite des Grabens. Der alte Fürst wartete schon bei der Buche. Sein Kopf war ganz weiß, und in seinen Augen war der Glanz erloschen. „Er ist im Wald“, sagte er. „Wir müssen hingehen. Ich bin froh, dass ich dir das noch zeigen kann, bevor ich gehe.“
Der scharfe Geruch wurde stärker und stärker. Bambi wollte fliehen, doch der alte Fürst ging geradewegs darauf zu. „Komm näher“, sagte er. „Hab keine Angst.“
Da lag Er im zertretenen Schnee, das blasse Gesicht nach oben. Es war ein Wildschütz, und eine Wunde am Hals hatte Ihn getötet.
„Hier stehen wir, ganz nahe bei Ihm“, sagte der alte Fürst. „Und wo ist nun die Gefahr? Erinnerst du dich, Bambi, was Gobo gesagt hat und was der Hund gesagt hat? Sieh, Er liegt da wie einer von uns. Er ist nicht allmächtig, und nicht von Ihm kommt alles, was wächst und lebt. Er ist nicht über uns. Er ist neben uns, denn Er kennt die Angst, die Not und das Leid wie wir. Er kann überwältigt werden, und dann liegt Er hilflos da, so wie du Ihn jetzt siehst. Verstehst du mich?“
„Ich glaube“, flüsterte Bambi.
„Dann sprich!“
Bambi bebte und sagte: „Ein anderer ist über uns allen. Über uns und über Ihm.“
„Dann kann ich gehen“, sagte der alte Fürst.
Vor einer hohen Esche blieb er stehen. „Folge mir nicht mehr, Bambi. Meine Zeit ist um. In der Stunde, der ich jetzt entgegengehe, ist jeder allein. Leb wohl, mein Sohn. Ich habe dich sehr geliebt.“

Es wurde wieder Sommer. Auf einer verborgenen Lichtung hörte Bambi ein dünnes, ängstliches Rufen: „Mutter! Mutter!“ Er ging dem Rufen nach und fand zwei kleine Kitze, einen Bruder und eine Schwester, allein und verzagt.
Ehe sie wussten, wie ihnen geschah, stand Bambi vor ihnen. Streng sah er dem Kleinen in die Augen. „Deine Mutter hat jetzt keine Zeit für dich. Kannst du nicht allein sein?“

Der Kleine und seine Schwester blieben stumm.
Rasch schlüpfte Bambi ins nächste Gebüsch. „Der Junge gefällt mir“, dachte er. „Vielleicht treffe ich ihn wieder, wenn er größer ist. Und die Kleine sieht aus wie Faline, als sie noch ein Kind war.“
Bambi ging weiter und verschwand im Wald.
Nacherzählt von Talerie, Quelle: Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde (wird in einem neuen Fenster geöffnet)Lizenz: GemeinfreiDiesen Text darfst du kopieren, bearbeiten und frei verwenden. Über einen Link zu Talerie freuen wir uns, nötig ist er nicht.CC0 1.0 (wird in einem neuen Fenster geöffnet)
