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Der Teufel mit den drei goldenen Haaren

Der Teufel mit den drei goldenen Haaren

Brüder Grimm

8 Min. Lesezeit8–14 Jahre

Ein armer Junge, der mit einer Glückshaut geboren wurde, wird vom König ins Wasser geworfen, um eine Prophezeiung zu verhindern, doch er überlebt und wird von einer Müllerfamilie aufgezogen. Jahre später heiratet das Glückskind trotzdem die Königstochter, muss aber als Preis drei goldene Haare vom Kopf des Teufels bringen – eine Aufgabe, die ihm durch die listige Großmutter des Teufels und drei nützliche Rätsel gelingt.

Behutsame FassungOriginalfassung

Es war einmal eine arme Frau, die brachte einen kleinen Sohn zur Welt. Er kam mit einer Glückshaut auf die Welt, und deshalb sagten die Leute voraus: Wenn er vierzehn Jahre alt sei, werde er die Tochter des Königs zur Frau bekommen.

Es traf sich, dass der König bald darauf durch das Dorf kam, ohne dass jemand ihn erkannte. Als er fragte, was es Neues gebe, erzählten ihm die Leute von dem Glückskind und seiner Weissagung. Der König aber hatte ein hartes Herz, und die Voraussage gefiel ihm nicht. Er ging zu den armen Eltern, gab sich freundlich und bot ihnen viel Gold, wenn sie ihm das Kind überließen. Zuerst wollten sie nicht, aber am Ende dachten sie: „Es ist doch ein Glückskind, es wird ihm gewiss gut ergehen“, und sie gaben ihm den Jungen.

Der König legte das Kind in eine Schachtel und ritt damit fort, bis er an ein tiefes Wasser kam. Dort warf er die Schachtel hinein und dachte, er sei nun den unerwünschten Freier für immer los. Doch die Schachtel sank nicht. Sie schwamm sanft wie ein kleines Schiff, und kein Tropfen Wasser drang zu dem Kind hinein. So trieb sie fort, bis sie an einer Mühle hängen blieb. Ein Müllerjunge zog sie mit einem Haken heran und fand darin, statt Schätzen, einen frischen, munteren Knaben. Die Müllersleute hatten keine eigenen Kinder, und so freuten sie sich sehr und nahmen ihn liebevoll auf. Der Findling wuchs bei ihnen heran, gut und tüchtig.

Jahre später kam der König zufällig bei einem Gewitter in die Mühle. Er fragte, ob der große Junge ihr Sohn sei. „Nein“, sagten die Müllersleute, „er ist ein Findling. Vor vierzehn Jahren ist er in einer Schachtel den Fluss heruntergeschwommen.“ Da erkannte der König, dass es niemand anderes war als das Kind, das er einst ins Wasser geworfen hatte. Er bat, der Junge möge einen Brief zur Königin bringen, und versprach ihm dafür Lohn. Heimlich aber schrieb er in den Brief, der Junge solle sogleich in den tiefsten Kerker geworfen werden, noch bevor der König zurückkehre.

Der Junge machte sich mit dem Brief auf den Weg, verirrte sich im Wald und kam am Abend zu einem kleinen Haus, in dem eine alte Frau allein am Feuer saß. Sie erschrak, als sie ihn sah. „Du bist in ein Räuberhaus gekommen“, warnte sie ihn. „Wenn sie heimkommen, wird es gefährlich für dich.“ Doch der Junge war so müde, dass er sich auf eine Bank legte und einschlief.

Als die Räuber kamen, wollten sie zuerst wissen, wer da liege. Die Alte bat für ihn, und die Räuber öffneten den Brief. Als sie lasen, was der König vorhatte, hatten selbst diese harten Männer Mitleid. Ihr Anführer zerriss den Brief und schrieb einen neuen: Der Junge solle sogleich mit der Königstochter vermählt werden. Am nächsten Morgen zeigten sie ihm den rechten Weg, und die Königin, als sie den Brief las, ließ ein prächtiges Hochzeitsfest ausrichten. So wurde das Glückskind mit der Königstochter vermählt, und die beiden lebten froh und zufrieden miteinander.

Als der König heimkehrte und sah, was geschehen war, war er sehr erstaunt und zornig zugleich. Die Königin zeigte ihm den Brief, und er merkte wohl, dass er vertauscht worden war. Der Junge aber wusste von nichts. Da sprach der König: „So leicht sollst du meine Tochter nicht behalten. Wer sie haben will, muss mir aus der Hölle drei goldene Haare vom Kopf des Teufels bringen.“ Er hoffte, ihn damit für immer loszuwerden. Doch das Glückskind antwortete ruhig: „Die Haare will ich holen. Ich fürchte mich nicht.“ Und er machte sich auf die Wanderschaft.

Sein Weg führte ihn zu einer Stadt, deren Marktbrunnen, aus dem einst Wein geflossen war, plötzlich versiegt war. Der Wächter am Tor fragte ihn, ob er wisse, warum. „Wartet, bis ich wiederkomme“, versprach der Junge. In der nächsten Stadt stand ein Baum, der einst goldene Äpfel getragen hatte und nun kein einziges Blatt mehr trieb. Auch hier versprach der Junge, eine Antwort zu bringen. Schließlich kam er an einen großen Fluss, wo ein Fährmann ihn hinüberbringen musste, aber klagte, dass er immer hin- und herfahren müsse, ohne je abgelöst zu werden. Auch ihm versprach der Junge Bescheid, wenn er zurückkomme.

So gelangte er zum Eingang der Hölle. Drinnen war es schwarz und rußig, doch der Teufel selbst war nicht da – nur seine Großmutter saß in einem großen Lehnstuhl. Sie sah gar nicht so böse aus. „Was willst du?“, fragte sie. Als der Junge sein Anliegen erklärte, sagte sie: „Das ist viel verlangt. Wenn der Teufel dich hier findet, geht es dir schlecht. Aber du tust mir leid – ich will versuchen, dir zu helfen.“ Sie verwandelte ihn in eine kleine Ameise und ließ ihn in ihre Rockfalten kriechen.

Bevor sie ihn verbarg, fragte der Junge noch nach den drei Rätseln: dem versiegten Brunnen, dem verdorrten Baum und dem ruhelosen Fährmann. „Halte dich nur still“, sagte die Alte, „und hör gut zu, was der Teufel im Schlaf erzählt.“

Als der Teufel abends heimkam, schnupperte er misstrauisch in der Luft. „Ich rieche Menschenfleisch“, sagte er und suchte in allen Ecken, fand aber nichts. Die Großmutter schalt ihn und schickte ihn zum Essen. Danach legte er müde seinen Kopf in ihren Schoß und ließ sich lausen, bis er einschlief und schnarchte. Da zog sie ihm heimlich ein goldenes Haar aus dem Kopf.

„Au!“, schrie der Teufel auf. „Ich habe schlecht geträumt“, log die Großmutter, „von einem Brunnen, aus dem sonst Wein floss und der nun ganz versiegt ist.“ „Wenn sie es nur wüssten“, brummte der Teufel schlaftrunken, „unter einem Stein im Brunnen sitzt eine Kröte. Tötet sie, und der Wein fließt wieder.“

Sie lauste ihn weiter, bis er wieder fest schlief, und zog ihm das zweite Haar aus. „Was machst du da?“, fuhr er auf. „Verzeih“, sagte sie, „ich habe wieder geträumt – von einem Baum, der keine goldenen Äpfel mehr trägt und nicht einmal Blätter.“ „Wenn sie es nur wüssten“, gähnte der Teufel, „eine Maus nagt an seiner Wurzel. Tötet sie, dann trägt er wieder Früchte.“

Ein letztes Mal wartete die Großmutter, bis er tief schlief, und zog ihm das dritte goldene Haar aus. Diesmal fuhr er zornig hoch, doch sie beruhigte ihn wieder mit einem angeblichen Traum – von einem Fährmann, der niemals abgelöst wird. Neugierig murmelte der Teufel: „Der Dummkopf! Er muss nur einem, der übergesetzt werden will, die Stange in die Hand geben. Dann muss der andere fahren, und er selbst ist frei.“ Danach schlief er ruhig bis zum Morgen.

Als der Teufel wieder fortgezogen war, holte die Großmutter die Ameise hervor und verwandelte den Jungen zurück. „Hier hast du die drei goldenen Haare“, sagte sie, „und die Antworten hast du ja gehört.“ Der Junge dankte ihr herzlich und machte sich zufrieden auf den Heimweg.

Beim Fährmann hielt er sein Versprechen erst, nachdem dieser ihn übergesetzt hatte, und sagte ihm dann den Rat des Teufels. In der Stadt mit dem verdorrten Baum verriet er den Leuten die Maus an der Wurzel, und man dankte ihm mit zwei goldbeladenen Eseln. In der Stadt mit dem versiegten Brunnen erzählte er von der Kröte unter dem Stein, und auch hier erhielt er zwei Esel voll Gold.

So kam das Glückskind mit vier beladenen Eseln nach Hause zu seiner Frau, die sich von Herzen freute, ihn wohlbehalten wiederzusehen. Dem König überreichte er die drei goldenen Haare des Teufels, wie verlangt. Als der aber die vier Esel mit dem Gold sah, wurde er ganz begierig und fragte, woher der Schatz stamme. „Am Ufer eines Flusses liegt Gold wie Sand“, sagte der Junge. „Ein Fährmann kann Euch hinüberbringen, dann könnt Ihr Euch die Säcke füllen.“

Voller Gier machte sich der König sogleich auf den Weg zum Fluss. Der Fährmann setzte ihn über, und kaum waren sie am anderen Ufer, drückte er dem König die Ruderstange in die Hand und sprang selbst ans Land. Von diesem Tag an musste der König an seiner Stelle fahren, hin und her, ohne Ruhe – zur gerechten Strafe für all die Härte, die er einst dem Glückskind zugefügt hatte.

Ob er wohl heute noch fährt? Wer weiß – vielleicht wartet er noch immer darauf, dass ihm jemand die Stange aus der Hand nimmt.