
Nussknacker und Mausekönig
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Am Weihnachtsabend entdeckt die siebenjährige Marie unter dem Christbaum ein hölzernes Männchen, verbindet ihm das zerbrochene Kinn und erlebt nachts seine Schlacht gegen den Mausekönig. Nach dem Sieg kniet der Neffe des Paten vor ihr, und Marie wird seine Braut und Königin im Marzipanschloss.
Am vierundzwanzigsten Dezember durften die Kinder des Hauses Stahlbaum den ganzen Tag nicht in die gute Stube. Fritz und Marie saßen dicht aneinandergerückt im dunklen Hinterzimmer und warteten.
„Den ganzen Morgen hat es hinter den Türen geraschelt“, flüsterte Fritz. „Und über den Flur ist ein kleiner Mann mit einem großen Kasten geschlichen.“
Das konnte nur Pate Drosselmeier gewesen sein. Er war klein und mager, hatte über dem rechten Auge ein schwarzes Pflaster und statt der Haare eine Perücke aus gesponnenem Glas. Von Uhren verstand er mehr als alle in der Stadt, und zu Weihnachten baute er den Kindern jedes Jahr etwas Wunderbares.
Dann klang es hell: kling, kling, kling. Die Türen sprangen auf, und da stand der Baum, behängt mit goldenen und silbernen Äpfeln, und hundert kleine Lichter brannten in seinen Zweigen wie freundliche Augen.
Hinter einem Schirm wartete die Arbeit des Paten: ein Schloss mit goldenen Türmen, in dem winzige Herren und Damen immer denselben Weg gingen. Fritz lief bald zurück zu seinen Husaren.
Marie aber blieb, denn sie hatte einen kleinen Mann entdeckt, den noch niemand bemerkt hatte.
Sein Oberkörper war zu breit für die dünnen Beinchen und der Kopf viel zu groß für beides. Doch aus seinem Gesicht sah nichts als Freundlichkeit.
„Vater, wem gehört denn der liebe kleine Mann dort am Baum?“, fragte sie.
„Der beißt euch die härtesten Nüsse auf“, sagte der Vater, „und er gehört Fritz genauso wie dir.“
Er hob den hölzernen Mantel auf dem Rücken des Männchens an. Marie schob eine Nuss hinein, und knack, die Schale fiel ab und der süße Kern lag in ihrer Hand. Der Kleine stammte aus dem alten Geschlecht der Nussknacker.

Marie suchte für ihn die kleinsten Nüsse aus. Fritz nahm die größten, und krack, krack, da fielen drei Zähnchen heraus und das Kinn hing lose herunter.
„Gib ihn mir“, sagte Fritz. „Ein Nussknacker mit schlechten Zähnen versteht sein Handwerk nicht.“
„Du bekommst ihn nicht“, weinte Marie und band ihm das wunde Kinn mit einem weißen Band von ihrem Kleid.
Ein guter Soldat, sagte der Vater, verlange von einem Verwundeten keinen Dienst mehr. Und er gab den Nussknacker in Maries Obhut.
Am Abend durfte sie noch aufbleiben. Die Mutter ging zu Bett und ließ ihr die Lampe und den hohen Glasschrank mit allen Schätzen der Kinder.
„Ich pflege dich, bis du gesund bist“, sagte Marie, „und die Zähne setzt dir Pate Drosselmeier ein.“
Clärchen, die stolze neue Puppe, musste ihr Bettchen hergeben. Marie deckte den Kleinen bis unter die Nase zu und stellte ihn ins obere Fach, dicht neben Fritz’ Husaren.

Sie schloss den Schrank ab. Da fing es hinter dem Ofen an zu rascheln. Die Wanduhr schnurrte lauter und lauter, konnte aber nicht schlagen, denn die vergoldete Eule darauf hatte die Flügel über das Zifferblatt gelegt. Und aus dem Schnurren wurden Worte:
Uhr, Uhre, Uhre, Uhren,ihr müsst nur leise schnurren.Der Mausekönig hat ein feines Ohr,singt ihm sein altes Liedchen vor.Schlagt ihm leise, schlagt ihm sacht,sonst nimmt er Reißaus in der Nacht.
Dann schlug die Uhr zwölf, dumpf und heiser. Und oben saß nicht mehr die Eule, sondern Pate Drosselmeier, und seine gelben Rockschöße hingen herab wie Flügel.
Aus allen Ritzen kamen Mäuse hervor und stellten sich in Reih und Glied auf.
Dann brach der Boden vor Maries Füßen auf, und heraus stieg eine Maus mit sieben Köpfen und sieben blitzenden Kronen. Das ganze Heer quiekte ihr dreimal entgegen und setzte sich in Bewegung, geradewegs auf Marie zu.
Sie wich zurück bis an den Schrank. Da klirrte es, eine Scheibe zerbrach, sie fühlte einen stechenden Schmerz am linken Arm, und mit einem Schlag war alles still.
Hinter ihr aber warf der Nussknacker die Decke von sich, sprang mit beiden Füßen zugleich aus dem Bettchen und rief:
Knack, knack, knack,dummes Mausepack!Krick und krack und krack,zurück, du Mausepack!
Clärchen fing ihn auf und wollte ihm ihre glitzernde Schärpe umhängen. Doch er nahm sie nicht, er trug lieber Maries schlichtes weißes Band.
Da sprangen die Deckel von Fritz’ Schachteln auf. Regiment um Regiment marschierte herunter, die Kanonen fuhren auf, und bum, bum, schossen sie Zuckererbsen und Pfeffernüsse unter die Mäuse.

Aber die Mäuse kamen immer wieder. Sie warfen die Batterie um, die Husaren ritten davon, und Schritt für Schritt wich das Heer zurück, bis der Nussknacker allein stand und der Mausekönig ihn ansprang.
„Ach, mein armer Nussknacker!“, rief Marie. Ohne recht zu wissen, was sie tat, streifte sie den linken Schuh ab und warf ihn mit aller Kraft nach dem König.

Alles stob auseinander. Der Schmerz im Arm wurde schärfer, und Marie sank ohnmächtig zu Boden.
Sie erwachte in ihrem eigenen Bett.
„Eine Maus hat dich erschreckt“, sagte die Mutter, „und du bist mit dem Arm in die Scheibe gefahren. Der Nussknacker steht heil im Schrank.“
Eines Abends kam Pate Drosselmeier herein, und Marie fuhr auf: „Ich habe dich gesehen! Du hast auf der Uhr gesessen und sie mit den Flügeln zugedeckt, damit sie nicht schlägt und die Mäuse nicht verscheucht. Warum hast du uns nicht geholfen?“
Der Pate schnitt ein sonderbares Gesicht und sang mit schnarrender Stimme:
Pendel müssen schwingen,das Ticken will nicht klingen.Uhren, Uhren, schnurrt nur leise,schnurrt nach eurer alten Weise.Glöckchen läuten hell und lang,Puppenmädchen, sei nicht bang!Die Eule kommt geflogen,der Mausekönig ist betrogen.
„Das ist nur mein Uhrmacherliedchen“, sagte er lachend und zog aus der Tasche den Nussknacker hervor, mit festen Zähnchen und heilem Kinn.
„Schön ist er freilich nicht. Soll ich dir erzählen, wie die Hässlichkeit in seine Familie gekommen ist? Es ist das Märchen von der harten Nuss.“
Es war einmal ein König, dessen Töchterchen Pirlipat das schönste Kind war, das je geboren wurde. Und doch wachten sechs Wärterinnen Nacht für Nacht an ihrer Wiege, und jede hatte einen Kater auf dem Schoß, der ununterbrochen schnurren musste.
Das kam so. In jenem Winter schnitt die Königin selbst den Speck für ein großes Wurstmahl. Kaum brutzelte er in der Pfanne, sprach ein feines Stimmchen aus dem Herd.
„Gib mir auch ein wenig davon, Schwester. Ich bin doch auch eine Königin.“
Es war Frau Mauserinks, die unter dem Herd Hof hielt und sich Königin der Mäuse nannte. Die Königin gönnte ihr den Schmaus, doch hinter Frau Mauserinks kamen ihre sieben Söhne und fraßen fast allen Speck.
Beim Fest wurde der König immer blasser, und endlich schluchzte er in seinen Teller: „Zu wenig Speck!“ Er schwor Rache, und der Hofuhrmacher Christian Elias Drosselmeier baute Fallen, in denen Frau Mauserinks ihre sieben Söhne verlor.
Bevor sie den Palast verließ, stieg sie noch einmal neben der Königin aus dem Herd. „Gib gut acht“, sagte sie, „dass die Mäusekönigin dein Prinzesschen nicht entzweibeißt.“
Darum schnurrten die Kater und wachten die Wärterinnen, bis sie eines Nachts doch einschliefen. Als sie auffuhren, stand eine große Maus an der Wiege und war im nächsten Augenblick durch ein Loch im Boden verschwunden.
Pirlipat lebte, aber sie war nicht mehr dieselbe. Auf einem winzigen Körper saß ein schwerer Kopf, die Augen standen grün und starr hervor, und der Mund reichte von einem Ohr zum anderen.
Der König gab dem Uhrmacher vier Wochen Zeit, das Kind wieder schön zu machen. Drosselmeier fand nur eines heraus: Pirlipat war zufrieden, solange sie Nüsse zu knacken hatte.
Also las er mit dem Hofastronomen in den Sternen, bis es klar vor ihnen lag. Pirlipat würde wieder sie selbst werden, wenn sie den Kern der Nuss Krakatuk äße.
Doch die Schale war so hart, dass eine Kanone darüber hinwegfahren konnte, ohne sie zu zerbrechen. Aufbeißen musste sie vor der Prinzessin ein junger Mann, der nie rasiert worden war und nie Stiefel getragen hatte, und dann mit geschlossenen Augen sieben Schritte rückwärts gehen.
Fünfzehn Jahre lang suchten die beiden die Welt ab und fanden nichts. Da bekam Drosselmeier Heimweh, und der Astronom meinte, man könne ebenso gut in Nürnberg suchen wie anderswo.
Dort lebte Drosselmeiers Bruder, ein Puppendrechsler, und der warf vor Freude die Mütze in die Luft. Vor Jahren hatte er eine vergoldete Nuss gekauft, und unter dem Gold stand das Wort Krakatuk.
Sein Sohn war nie rasiert worden und hatte nie Stiefel getragen, und er knackte die Nüsse so sauber, dass ihn alle den schönen Nussknacker nannten. Man flocht ihm einen Holzzopf an den Kinnbacken und brachte ihn an den Hof.
Der junge Drosselmeier nahm die Nuss zwischen die Zähne, zog kräftig am Zopf, und krack, die Schale zersprang. Er reichte der Prinzessin den Kern und schloss die Augen, und sie schluckte ihn und stand da, schön wie zuvor.
Der ganze Hof tanzte vor Freude, und mitten in dem Lärm zählte der junge Mann seine Schritte rückwärts. Beim siebten kam Frau Mauserinks quiekend aus dem Boden, und er stolperte über sie.
Als er sich aufrichtete, war er verwandelt. Der Kopf war groß geworden und der Körper klein, der Mund reichte von einem Ohr zum anderen, und hinten hing ein schmaler hölzerner Mantel herab.

Frau Mauserinks blieb liegen, wo sie gefallen war, und flüsterte mit dünner, boshafter Stimme:
O Krakatuk, du harte Nuss,an der ich nun vergehen muss!Mein Sohn, der sieben Kronen trägt,der ist es, der dich einmal schlägt.Er rächt die Mutter ganz alleinan dir, du kleines Nussknackerlein!
Die Prinzessin aber wollte den jungen Mann, der sie gerettet hatte, nicht einmal ansehen. „Fort mit dem hässlichen Nussknacker!“, rief sie, und man brachte ihn vor die Tür. Die beiden Reisenden wurden für immer des Landes verwiesen.
Doch der Astronom las noch einmal in den Sternen. Der junge Mann werde trotz seiner Gestalt ein König werden, und sein Gesicht bekomme er wieder, wenn der siebenköpfige Sohn der Frau Mauserinks durch seine Hand falle und ein Mädchen ihn liebhabe, obwohl er hässlich sei.
„Das“, sagte Pate Drosselmeier, „ist das Märchen von der harten Nuss, und darum sehen die Nussknacker so aus.“
Als Marie wieder gesund war, stand sie vor dem Glasschrank und wusste plötzlich alles. Ihr Nussknacker war der junge Drosselmeier, und der Uhrmacher aus dem Märchen war ihr Pate.
„Sie können nicht mit mir sprechen“, sagte sie, „aber ich weiß, dass Sie mich verstehen. Verlassen Sie sich auf meine Hilfe.“
Der Nussknacker rührte sich nicht. Doch ein leiser Seufzer ging durch den Schrank, die Scheiben klangen ganz fein, und eine Stimme sang wie ein kleines Glöckchen:
Dein bin ich schon,dein werd ich sein,Marie, Marie,sei du auch mein.
Als sie den Paten fragte, warum er seinem Neffen nicht helfe, lachten die Mutter und Fritz. Er aber sagte leise: „Ich kann ihn nicht retten, liebe Marie. Du allein kannst es. Sei standhaft und treu.“
Nicht lange danach wachte sie um Mitternacht auf. Der Mausekönig kam aus einem Loch in der Wand und sprang auf das Tischchen neben ihrem Bett.
Zuckererbsen, Marzipan, gib sie mir,kleines Ding, kleines Ding, sonst sag ich dir:Ich beiße deinen Nussknacker entzwei!
Sie erzählte es niemandem, denn niemand hätte ihr geglaubt. Am Abend legte sie Zuckererbsen und Marzipan vor den Glasschrank, und am Morgen waren nur Krümel übrig.
In der nächsten Nacht kam er wieder.
Zuckerpüppchen, Schäferin, gib sie mir,kleines Ding, kleines Ding, sonst sag ich dir:Ich beiße deinen Nussknacker entzwei!
Marie besaß einen Schäfer mit seiner Schäferin und einer Herde milchweißer Schafe, und ganz im Winkel stand ein rotbäckiges Kindchen, das sie am liebsten hatte. Sie küsste sie eines nach dem anderen und stellte sie hin, und am Morgen waren sie zerbissen.
In der dritten Nacht quiekte er ihr dicht am Ohr.
Bilderbücher, Weihnachtskleid, gib sie mir,kleines Ding, kleines Ding, sonst sag ich dir:Ich beiße deinen Nussknacker entzwei!
Am Morgen weinte Marie vor dem Schrank. „Lieber Herr Drosselmeier, wenn ich ihm erst alles gegeben habe, verlangt er am Ende mich statt Ihrer.“
Da sah sie den dunklen Fleck, den die Schlacht an seinem Hals zurückgelassen hatte. Sie rieb ihn mit dem Taschentuch ab, und der Nussknacker wurde warm in ihrer Hand und begann sich zu regen.
„Liebste Marie Stahlbaum“, flüsterte er mühsam, „kein Bilderbuch, kein Weihnachtskleid. Verschaffen Sie mir ein Schwert. Ein Schwert.“ Dann war er wieder still.
Marie bat Fritz um Hilfe. Er hatte gerade einen alten Kürassieroberst pensioniert, nahm ihm den silbernen Säbel ab und hängte ihn dem Nussknacker um.
Gegen Mitternacht klirrte es in der Wohnstube, dann ein einziges schrilles Quieken, dann war es still. Es klopfte an Maries Tür, und draußen stand der Nussknacker auf einem Knie, das Schwert in der Hand.
„Sie allein haben meinem Arm die Kraft gegeben“, sagte er. „Der Mausekönig ist besiegt. Nehmen Sie die Zeichen des Sieges aus der Hand eines Ritters, der Ihnen bis in den Tod ergeben ist.“ Und er reichte ihr die sieben Kronen.

„Und wenn Sie mir jetzt ein paar Schritte folgen wollen, zeige ich Ihnen das Schönste, was es auf der Welt gibt.“
Er führte sie zum alten Kleiderschrank im Flur und zog an der Troddel von Vaters Reisemantel. Da glitt eine Treppe aus Zedernholz aus dem Ärmel.
Marie stieg hindurch und stand auf einer duftenden Wiese, auf der Millionen Funken blitzten.
Auf dem Rosensee sangen silberweiße Schwäne mit goldenen Halsbändern, und zwei Delfine zogen Marie in einem Boot hinüber zur Hauptstadt Konfektburg. Die Häuser trugen geflochtene Kronen statt der Dächer, und das Tor war aus Makronen.

Dahinter lag das Marzipanschloss, über dessen Türmen tausend Sternchen funkelten. Vier Prinzessinnen liefen heraus und fielen dem Nussknacker um den Hals.
Er nahm Marie bei der Hand und erzählte ihnen, dass sie ihm das Leben gerettet habe. Nach und nach wurde seine Stimme leiser, ein silberner Nebel stieg auf, und Marie fühlte, wie sie höher und höher schwebte.
Dann, prr, puff, fiel sie aus großer Höhe herab und schlug die Augen in ihrem eigenen Bett auf. „Du hast einen schönen Traum gehabt“, sagte die Mutter, als Marie ihr alles erzählt hatte.
Da holte Marie die sieben Kronen aus ihrem Kästchen. Sie waren so fein gearbeitet, wie es keine Menschenhand vermag, und doch glaubte der Vater ihr nicht.
Dann kam Pate Drosselmeier herein, und kaum hatte er die Krönchen gesehen, lachte er. „Dummes Zeug! Dummes Zeug!“, rief er. „Das sind die Krönchen, die ich vor Jahren an meiner Uhrkette getragen habe.“
Als Marie ihn aber bat, den Eltern zu sagen, dass ihr Nussknacker sein Neffe sei, wurde sein Gesicht dunkel und ernst, und er murmelte nur: „Dummes Zeug! Dummes Zeug!“
„Ein für alle Mal, schlag dir das aus dem Kopf“, sagte der Vater. „Höre ich es noch einmal, fliegt der hässliche Nussknacker aus dem Fenster.“
Marie sagte nichts mehr, dachte aber umso öfter an das Königreich. Eines Tages, als der Pate eine Uhr ausbesserte, sah sie den Nussknacker an, und da fuhr es ihr heraus.
„Lieber Herr Drosselmeier, wenn Sie wirklich lebten, ich würde es nicht machen wie Prinzessin Pirlipat. Ich würde mich nicht von Ihnen abwenden, weil Sie meinetwegen aufgehört haben, ein hübscher junger Mann zu sein.“
„Dummes Zeug! Dummes Zeug!“, rief der Pate. Im selben Augenblick gab es einen Knall und einen Ruck, und Marie sank vom Stuhl.
Als sie die Augen aufschlug, beugte sich die Mutter über sie. „Hier ist der Neffe von Pate Drosselmeier, eigens aus Nürnberg gekommen.“
Da stand ein wohlgewachsener junger Mann in einem roten Rock mit Gold, an seiner Seite blitzte ein Degen wie lauter Juwelen. Für Marie hatte er genau die Zuckerfiguren mitgebracht, die der Mausekönig zerbissen hatte, für Fritz einen Säbel.
Bei Tisch knackte er der ganzen Gesellschaft die härtesten Nüsse auf. Danach kniete er vor Marie am Glasschrank nieder.
„Liebste Marie Stahlbaum, hier zu Ihren Füßen sehen Sie den Drosselmeier, dem Sie das Leben gerettet haben. Sie sagten, Sie würden sich nicht von mir abwenden, weil ich hässlich geworden bin, und da war ich wieder ich selbst.“
„Teilen Sie Krone und Reich mit mir und herrschen Sie mit mir auf dem Marzipanschloss, denn dort bin ich jetzt König.“
Marie hob ihn auf. „Sie sind ein guter, sanftmütiger Mensch“, sagte sie, „und Sie regieren ein so schönes Land, dass ich Ihre Braut werden will.“
Ein Jahr und einen Tag später holte er sie in einem goldenen Wagen ab, den silberne Pferde zogen, und auf der Hochzeit tanzten zweiundzwanzigtausend glänzende Figuren.
Und Marie ist bis heute Königin eines Landes, in dem man funkelnde Weihnachtswälder und durchsichtige Marzipanschlösser sehen kann und alles Wunderbare, das es gibt, wenn man nur die Augen dafür hat.
Nacherzählt von Talerie, Quelle: Nutcracker and Mouse-King (wird in einem neuen Fenster geöffnet)
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