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Ein Mann mit langer grauer Perücke und dunklem Rock sitzt am Bibliothekstisch, neben ihm eine aufgeschlagene arabische Handschrift und eine brennende Kerze.

Antoine Galland

Frankreich 1646–1715

Antoine Galland (1646–1715) war ein französischer Orientalist, Altertumsforscher und Münzkundler. Er übersetzte „Tausendundeine Nacht“ ins Französische, und durch seine Ausgabe lernte Europa diese Geschichten kennen. Geschrieben hat er sie nicht: Die arabische Sammlung hat keinen bekannten Verfasser, und Galland steht hier als ihr Übersetzer und Bearbeiter, so wie die Brüder Grimm als Sammler ihrer Märchen.

Er kam am 4. April 1646 in Rollot in der Picardie zur Welt, ging in Noyon zur Schule und lernte in Paris Griechisch und Latein, nebenbei auch etwas Arabisch. Wegen seiner Griechischkenntnisse kam er 1670 an die französische Gesandtschaft in Istanbul, ab 1673 reiste er durch Syrien und die Levante und schrieb Inschriften ab. 1677 und 1679 fuhr er erneut in den Orient, beim zweiten Mal für die Französische Ostindienkompanie, und sammelte für das Kabinett des Ministers Colbert. Aus diesen Jahren brachte er Arabisch, Türkisch und Persisch mit, und Ludwig XIV. ernannte ihn zum königlichen Antiquar. Als Barthélemy d’Herbelot 1695 starb, vollendete Galland dessen „Bibliothèque orientale“, die 1697 erschien.

Am Anfang stand Sindbad. In den 1690er-Jahren stieß Galland in Konstantinopel auf eine Handschrift mit den Reisen Sindbads des Seefahrers, und 1701 gab er sie auf Französisch als eigenes Buch heraus. Der Erfolg brachte ihn dazu, auch „Tausendundeine Nacht“ zu übersetzen, nach einer syrischen Handschrift aus dem 14. oder 15. Jahrhundert, die heute Galland-Handschrift heißt. Die ersten beiden Bände erschienen 1704, der zwölfte und letzte erst 1717, zwei Jahre nach seinem Tod.

„Ali Baba“ und „Aladin“ stehen in keiner arabischen Handschrift, die älter wäre als Gallands Ausgabe. Er schrieb sie nach dem auf, was ihm Hanna Diyab erzählte, ein maronitischer Christ aus Aleppo, der ihm 1709 vierzehn Geschichten aus dem Gedächtnis vortrug. Auch sonst übersetzte Galland nicht wörtlich. Er strich die erotischen Stellen und alle Gedichte und passte die Geschichten dem Geschmack seiner Zeit an. Richard Burton urteilte später, diese Fassung gebe das morgenländische Original in keiner Weise wieder.

In Frankreich trafen die Bände auf eine Mode, die sein Freund Charles Perrault in den 1690er-Jahren mit seinen Märchen ausgelöst hatte. Übersetzungen folgten rasch, ins Englische 1706, ins Deutsche 1712, ins Italienische 1722. 1709 erhielt Galland den Lehrstuhl für Arabisch am Collège de France, den er bis zu seinem Tod am 17. Februar 1715 in Paris innehatte.

Märchen aus Tausendundeiner Nacht, übersetzt von Antoine Galland

2 Märchen