
Die Grille und die Ameise
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An einem Wintermorgen trocknet die Ameise ihr feucht gewordenes Korn, als die hungrige Grille über den Boden kommt und um ein paar Körner bittet. Weil die Grille den Sommer über nur gesungen hat, rät ihr die Ameise, dann eben den Winter über zu tanzen, lacht in sich hinein und macht sich wieder an ihr Korn.
An einem hellen Wintermorgen hatte die Ameise alles nach draußen geschafft. Die langen Herbstregen waren bis in ihre Vorratskammer gesickert, und das Korn war feucht geworden.
Auf einem flachen Stein in der Sonne schüttete sie es zu kleinen Häufchen auf. Eines nach dem anderen wendete sie mit den Vorderbeinen, ließ es eine Weile in der Wärme liegen und ging dann weiter.
Da kam die Grille über den kalten Boden, ganz steif vor Kälte, die Flügel eng an den Leib gepresst. Am Rand des Steins blieb sie stehen und sah dem Korn beim Trocknen zu.
„Bitte“, sagte sie endlich, „gib mir ein paar Körner. Ich sterbe vor Hunger.“

Die Ameise ließ das Häufchen liegen, das sie gerade wendete, und richtete sich auf. Mitten in der Arbeit innezuhalten war sonst nicht ihre Art, aber sie hielt inne.
„Darf ich dich etwas fragen?“, sagte sie. „Was hast du den ganzen Sommer über getrieben? Warum hast du nichts für den Winter zurückgelegt?“
„Ach“, antwortete die Grille, „ich hatte so viel zu singen, dass ich einfach nicht dazu gekommen bin.“
„Du hast den Sommer über gesungen“, sagte die Ameise. „Dann tanz eben den Winter über.“
Und sie lachte in sich hinein und machte sich wieder an ihr Korn.
Nacherzählt von Talerie, Quelle: Aesop's Fables: a new translation (wird in einem neuen Fenster geöffnet)
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