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Aquarell eines Mönchs mit Tonsur in weißem Habit und schwarzem Mantel, der mit einer Feder an einem Pult mit aufgeschlagenem Buch sitzt, dahinter Bücherregale.

Jacobus de Voragine

1230–1298

Jacobus de Voragine, italienisch Iacopo da Varazze (um 1230–1298), war Dominikaner und zuletzt Erzbischof von Genua. Bekannt ist er durch die Legenda aurea, die Goldene Legende, eine Sammlung von Heiligenleben, die zu den meistgelesenen Büchern des Mittelalters gehörte.

Geboren wurde er in Varazze an der ligurischen Küste westlich von Genua, vielleicht auch in Genua selbst, wo eine Familie dieses Namens aus Varazze bezeugt ist. 1244 trat er in den Dominikanerorden ein. Er war Prior in Como, Bologna und Asti, lehrte an den Schulen des Ordens und predigte mit Erfolg in vielen Gegenden Italiens, und von 1267 bis 1286 leitete er die Ordensprovinz Lombardei. 1292 wurde er Erzbischof von Genua und bemühte sich dort, die verfeindeten Guelfen und Ghibellinen der Stadt zu versöhnen. Er schrieb außerdem eine Chronik Genuas und mehrere Bände Predigten. Im Juli 1298 starb er in Genua und wurde in der Dominikanerkirche der Stadt begraben. Papst Pius VII. sprach ihn 1816 selig.

Die Legenda aurea entstand zwischen etwa 1259 und 1266 und hieß zunächst Legenda sanctorum, Lesungen über die Heiligen. Ihre rund 150 bis 180 Kapitel folgen dem Kirchenjahr vom Advent an und sind alle gleich gebaut: zuerst die Bedeutung des Namens, oft recht fantasievoll hergeleitet, dann das Leben und die Wunder. Erfunden hat er die Legenden nicht. Er schreibt selbst, dass er sie gesammelt und aus älteren Geschichtswerken und Chroniken ergänzt hat.

Gelesen wurde das Buch wegen seiner Geschichten. Es ist in schlichtem, gut lesbarem Latein geschrieben und war als Stoffsammlung für Prediger gedacht. Erhalten sind mehr als tausend Handschriften, und unter den Büchern, die vor 1501 gedruckt wurden, erlebte es mehr Ausgaben als die Bibel. Übersetzt wurde es in fast alle europäischen Sprachen, ins Deutsche 1489.

Für die Kunstgeschichte ist es ein Schlüssel zu den Bildern des Mittelalters. Woher ein Maler wusste, dass zum heiligen Nikolaus drei Beutel Gold gehören, zu Georg der Drache und zu Christophorus das Kind auf seinen Schultern, das steht sehr oft in diesem Buch.

Sagen von Jacobus de Voragine

1 Sage